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Umstritten: die Waldkinder mit Eltern und Betreuer bei der Aktion vor dem Rathaus.

Volksbegehren „Rettet die Bienen“

Aktion der Waldkindergärten stößt auf Unverständnis

Für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ wird kräftig die Werbetrommel gerührt. Eine Aktion von Waldkindergärten vor dem Murnauer Rathaus ging jedoch nach Ansicht von Kreisbäuerin Christine Singer zu weit. Ihr Vorwurf: Die Kleinen würden instrumentalisiert.

Murnau – Langsam arbeitet sich die Morgensonne in die Murnauer Fußgängerzone vor. Die ersten Kunden sind bereits unterwegs. Auch der Infostand des Aktionsbündnisses Garmisch-Partenkirchen hat schon geöffnet. „Let‘s Bee Friends“ steht in bunten Buchstaben auf einem Schild, das in einem Schneehügel steckt. So ruhig es noch in der Einkaufsstraße ist, so bunt ist das Treiben um den Infostand herum. Dort haben sich viele kleine „Bienen“ eingefunden. Es sind die Kinder der Waldkindergärten Murnau und Uffing, die sich hierfür extra verkleidet haben. Gemeinsam mit ihren Eltern verteilen sie Flugzettel, kleine Saatgutbeutel und selbstgemachte Bienenwachsschiffchen. Auf diese Weise wollen sie noch mehr Passanten auf das Volksbegehren aufmerksam machen. Die meisten Menschen bleiben stehen und freuen sich.

Doch die Gegner des Volksbegehrens sehen die Aktion kritisch. Christine Singer, Kreisbäuerin des Bayerischen Bauernverbands aus Hofheim, kann nur den Kopf schütteln. „Ich finde es unmöglich, dass hier so kleine Kinder instrumentalisiert werden“, sagt sie. „Eine objektive Entscheidungsfähigkeit ist in diesem Alter noch gar nicht möglich.“

Linda Bleß, Mutter eines dreijährigen Waldkindes und Initiatorin der Aktion, sieht darin nichts Verwerfliches. „Natürlich haben wir unseren Kindern kindgerecht erklärt, worum es geht“, sagt sie. „Es ist klar, dass wir nicht politisch ins Detail gehen können.“

Doch genau da sieht Singer das Problem. „Schon dem normalen Bürger von der Straße ist gar nicht bewusst, was mit diesem Gesetzentwurf auf die Landwirte zukommt. Er ist schlecht und einseitig informiert.“ Die Brisanz des Insektensterbens sei ihr bewusst. Und auch darüber, dass dringend etwas getan werden müsse, ließe sich nicht streiten. Doch alles auf dem Rücken der Landwirte auszutragen, hält sie für den falschen Weg. Die zunehmende Stigmatisierung, die damit einhergehe, betrachtet Singer mit großer Sorge. Wie weit diese gehen kann, kam ihr auf der letzten Kreisverbandssitzung zu Ohren. „Da kamen Bauernkinder weinend heim, weil sie in der Schule beschimpft wurden, dass sie die Bienen töten“, berichtet sie. „Dabei leben gerade wir mit dieser Flora und Fauna. Es ist doch unser Anliegen, das zu erhalten.“

Mit dem neuen Gesetzentwurf sieht Singer die Existenz der Bauern bedroht. Freiwillige Maßnahmen, die derzeit subventioniert werden, würden dann zur unbezahlten Pflicht. Und wer das geforderte Biogemüse zu einem akzeptablen Preis abnehmen soll, ist ihr ein Rätsel. Dass für dieses Volksbegehren Kinder werben, die von alledem nichts wissen, findet Singer unpassend.

„Es waren die Eltern der Kinder, die auf uns zugekommen sind. Sie wollten auf diese Weise unser Anliegen unterstützen“, erklärt Raphael Mankau, Sprecher des Aktionsbündnisses. „Die Aktion zieht einfach so große Kreise. Das wirkt wie ein Magnet.“ Mankau ist sich sicher, dass gerade die Waldkinder wissen, was auf dem Spiel steht. „Ihre Naturverbundenheit ist extrem groß.“ Die Befürchtungen der Bauern kann er durchaus nachvollziehen. Aber: „Der Gesetzentwurf ist jedoch auch für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft zu betrachten.“

Beate Berger

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