Setzen auf Nahwärme aus erneuerbaren Energien: die Vertreter der GmbH-Gründungsmitglieder Christian Scheuerer (Bürgermeister Ohlstadt), Karl Steingruber (Gemeindewerke Murnau), Geschäftsführer Georg Miller, Jörg Steinleiter (Bürgermeister Riegsee), Aloisia Gastl (Bürgermeisterin Spatzenhausen), Andreas Weiß (Bürgermeister Uffing), Hubert Mangold (Bürgermeister Schwaigen) und Frank Bauer (Bürgermeister Großweil).
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Setzen auf Nahwärme aus erneuerbaren Energien: die Vertreter der GmbH-Gründungsmitglieder Christian Scheuerer (Bürgermeister Ohlstadt), Karl Steingruber (Gemeindewerke Murnau), Geschäftsführer Georg Miller, Jörg Steinleiter (Bürgermeister Riegsee), Aloisia Gastl (Bürgermeisterin Spatzenhausen), Andreas Weiß (Bürgermeister Uffing), Hubert Mangold (Bürgermeister Schwaigen) und Frank Bauer (Bürgermeister Großweil).

Neue Gesellschaft baut und betreibt Anlagen sowie Netze im Blauen Land

Dörfer machen bei Nahwärme gemeinsame Sache: Vorzeigeprojekt der Energiewende startet

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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Dörfer im Blauen Land machen gemeinsame Sache, um eine Nahwärmeversorgung per Hackschnitzelheizung zu schaffen – eine eigene in jedem beteiligten Ort. Sie schlossen sich in einer Gesellschaft zusammen. Einige Hausbesitzer können mit ins Energiewende-Boot kommen.

Murnau – Der Zeitpunkt für den Start könnte kaum günstiger sein. Preise für Erdöl und Erdgas erreichen schwindelerregende Höhen, treiben Mieter und Hausbesitzer um; gleichzeitig zählt die Energiewende zu den großen politischen Herausforderungen. Zwei Probleme, für die eine neue Gesellschaft eine Lösungsmöglichkeit bietet. Vertreter von Orten aus der Staffelsee-Region haben jetzt in Murnau die Regionale Wärmeversorgung (RWV) Blaues Land GmbH gegründet. Sie zielt darauf ab, in den beteiligten Dörfern Heizungen und Nahwärmenetze zu planen, den Bau zu organisieren und den Betrieb zu garantieren – alles in einem Zeitraum von etwa zehn Jahren. Damit sollen Liegenschaften der Kommunen, die als Gesellschafter fungieren, aber auch Privathäuser mit Wärme aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Als Brennstoff für diese Dorfheizungen dienen überwiegend Hackschnitzel aus der Region. Dieser ist nicht in Stein gemeißelt: „In 20 Jahren könnte eine andere Energieform die bessere sein“, sagt RWV-Geschäftsführer Georg Miller, der diese Funktion auch bei der Bäuerlichen Hackschnitzel Liefergesellschaft (BHLG) inne hat. Miller, Zweiter Bürgermeister von Riegsee, nennt die RWV „ein Vehikel“, um die Dörfer in Richtung klimaneutrales Heizen zu bringen; die Bürgerstiftung Energiewende Oberland steht diesen beratend zur Seite.

Projekte kosten in jeder Gemeinde in der Regel eine hohe sechsstellige Summe

Dem neuen GmbH-Verbund gehören Ohlstadt, Uffing, Großweil, Schwaigen, Riegsee, Spatzenhausen, die Gemeindewerke Murnau, die das Projekt unterstützen und wohl die Abrechnung mit angeschlossenen Kunden übernehmen werden, und die BHLG an. Der Gemeinderat Seehausen wird in der Sitzung am Dienstag um 19.30 Uhr den Beitritt in die RWV Blaues Land diskutieren. Die Gremien in den anderen Orten müssen den GmbH-Vertrag noch absegnen. Die Kommunen plus Gemeindewerke Murnau halten 25 Prozent der Anteile (75 Prozent sind in BHLG-Hand), besitzen nach Angaben Millers aber 50-prozentiges Stimmrecht. Die RWV stemmt auch die Finanzierung der Energiewende-Projekte, die in der Regel eine hohe sechsstellige Summe pro Ort kosten werden, ohne dass die Gemeinden bürgen müssen. „Das kann nur über Wärmeabnahmeverträge funktionieren“, sagt Miller.

Standort der Heizung und Verlauf der Trasse werden individuell festgelegt

Und so läuft’s in groben Zügen: In jedem Dorf werden Standort der Heizung und Verlauf der Nahwärmetrasse, der sich rechnen muss, individuell festgelegt. Mal könnten vor allem kommunale Objekte beheizt werden, mal Wohngebäude – oder beides. Hausbesitzer, die am Netz anliegen, haben die freie Wahl, ob sie ihre alte (meist auf fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas basierende) Anlage aufgeben und an die zentrale Nahwärmeversorgung anschließen – oder eben nicht.

Steigende Preise bei Öl und Gas befeuern das Interesse

Klar ist: Steigende Preise befeuern aktuell das Interesse: „Die Resonanz ist auf alle Fälle gut“, sagt Miller. Wer mitmacht, zahlt einen Anschlusspreis. In Grafenaschau, wo die Planung wie in Großweil fortgeschritten ist, so dass beide bei der Reihenfolge der Umsetzung vorne dabei sein dürften, liegt dieser aktuell bei (meist förderfähigen) 8000 Euro inklusive 15 Metern Leitung ab Grundstücksgrenze. Dazu kommt ein jährlicher Grundpreis (hier 300 bis 400 Euro), sowie ein Arbeitspreis für die verbrauchte Energiemenge.

Kleiner Zusammenschluss macht den Verbund schlagkräftiger

Fährt der Verbraucher damit billiger als mit Öl? Betrachtet man im Vergleich den Einbau einer neuen, eigenen Heizungsanlage, dann sei die Nahwärme hier „kurzfristig mindestens gleichwertig“, sagt Miller. Langfristig gestaltet sich dieser Weg wegen der CO2-Bepreisung fossiler Energieträger wie Erdöl und -gas günstiger.

Großweil steuert seit Jahren in diese Richtung. Bürgermeister Frank Bauer (FWG) zeigt sich überzeugt: „Diese kleinen Zusammenschlüsse machen Sinn, wir sind dadurch viel schlagkräftiger.“ Die GmbH-Gründung bezeichnet er als „großen Schritt, ich bin sehr froh, dass das so schnell gegangen ist“. In Großweil läuft aktuell die Standortsuche. Zwei Stellen verwarf man, aktuell wird ein Platz östlich des Freizeitheims intensiv untersucht und beplant – mit einer Trasse über Alte Murnauer Straße und Alter Kirchweg bis zum Schreinerweg.

Kleiner Probelauf in Leibersberg liefert wertvolle Erfahrungswerte - Weiler hat eigenes Nahwärmenetz

„Wir erfinden nichts Neues“, betont Miller – vielmehr bedient man sich aus dem Erfahrungsschatz, den andere angehäuft haben. Das Konstrukt im Blauen Land kennt er in dieser Form indes kein zweites Mal: Damit dürfte man „ein Alleinstellungsmerkmal“ besitzen, meint Miller. Das Wissen wandert bei der Umsetzung von Dorf zu Dorf weiter. Einen kleinen Probelauf, der ihm „unbezahlbare Erfahrungswerte“ lieferte, hat der Geschäftsführer schon hinter sich: daheim bei sich in Leibersberg, das seit drei Wochen ein Nahwärmenetz in Betrieb hat. Auf Millers Grundstück steht die Hackschnitzelanlage, die neun von zehn Anwesen des Weilers versorgt. Erdöl hat ausgedient.

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