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Dr. Julia Stewens möchte Zweite Bürgermeisterin bleiben.

Konstituierende Sitzung des Murnauer Gemeinderats 

Wahl des Zweiten Bürgermeisters: Dr. Julia Stewens bekommt Konkurrenz

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Wahl des Zweiten Murnauer Bürgermeisters ist meist ein harter Machtkampf. Dies dürfte auch am 12. Mai der Fall sein, wenn der neue Gemeinderat erstmals zusammentritt. Die bisherige Amtsinhaberin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler) würde gern weitermachen, bekommt es aber mit Konkurrenz zu tun. Denn CSU und Grüne wollen eigene Kandidaten ins Rennen schicken.

Murnau – Zu Beginn einer Legislaturperiode schlägt die Stunde der Parteistrategen. Dann laufen die Telefondrähte heiß – und es werden mögliche Bündnisse und Deals ausgelotet. Dies ist auch momentan in Murnau der Fall. Das frischgewählte Gremium kommt am Dienstag, 12. Mai, um 19 Uhr im großen Saal des Kultur- und Tagungszentrums zur konstituierenden Sitzung zusammen – mit dem wiedergewählten Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) an der Spitze. Die spannendste Frage des Abends, an dem mehrere Formalitäten geklärt werden müssen, lautet: Wer wird von 2020 bis 2026 der Vizechef im Rathaus? Der ehrenamtliche Posten ist begehrt, weil er öffentliche Aufmerksamkeit und einen tiefen Einblick in die Verwaltungsabläufe verspricht. Beides kann im Politgeschäft Gold wert sein.

Beutings bisherige Vertreterin, Dr. Julia Stewens von den Freien Wählern, hatte gleich nach der Kommunalwahl ihr Interesse an einer Fortsetzung des Jobs als Zweite Bürgermeisterin bekundet. Und daran hat sich nichts geändert. „Ich mache das gern. Das ist eine schöne Arbeit“, sagt sie. Die 73-jährige ehemalige Tierärztin hält sich für geeignet: „Ich bin gut vernetzt im Ort und im Kreis.“ Ihre Fraktion (drei Sitze) werde sie daher für die Wahl, die als Tagesordnungspunkt 5 an der Reihe ist, wieder vorschlagen. Und wie hoch schätzt sie ihre Chancen ein? „Ich weiß nicht“, meint Stewens. „Das geht knapp aus.“

Mit dieser Einschätzung könnte die Rentnerin, die von vielen für ihre ausgleichende und humorvolle Art geschätzt wird, richtig liegen. Denn es zeichnet sich ab, dass es mindestens zwei Konkurrenten geben wird.

Zum einen melden die erstarkten Grünen (vier Sitze) Ambitionen an. „Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Sprecherin Veronika Jones selbstbewusst, die kein Problem mit einer Kampfabstimmung hätte. Denn: „Demokratie braucht Wettbewerb.“ Und wie heißt der Aspirant der Öko-Partei? „Das könnte ich sein“, sagt Jones.

Die CSU (sechs Sitze) hält sich hingegen bedeckt. Es steht aber fest: „Wir werden einen Kandidaten haben“, kündigt Fraktionschef Rudolf Utzschneider an. Nur einen Namen wollte er gestern nicht nennen.

Die anderen beiden Gruppierungen, die Bürgermeisterpartei ÖDP/Bürgerforum (sechs Sitze) und Mehr Bewegen (vier Sitze), werden wahrscheinlich, wie das Tagblatt auf Nachfrage erfuhr, auf eigene Bewerber verzichten. Und auch SPD-Einzelkämpfer Felix Burger winkt ab.

Wer die geheime Abstimmung gewinnen will, braucht im ersten Durchgang die absolute Mehrheit, also 13 Stimmen – wenn alle 24 Gemeinderäte und der Bürgermeister anwesend sind. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, reicht die einfache Mehrheit.

Eine Prognose, wie das Ganze ausgehen wird, wagt niemand abzugeben. Es sieht nach einem offenen Rennen aus. „Das ist extrem verzwickt. Keiner hat eine sichere Mehrheit“, kommentiert ein Insider.

Und die Gemengelage könnte sogar noch komplizierter werden: Denn Rathauschef Beuting, der sich bislang mit Blick auf die Stewens-Kandidatur sehr wohlwollend geäußert hat, brachte die Idee eines Dritten Bürgermeisters ins Spiel, um die Belastungen auf mehr Schultern zu verteilen. Bislang sind zwar diesbezüglich aus der Ortspolitik eher skeptische bis ablehnende Töne zu vernehmen. Aber sollte sich der Gemeinderat dennoch dazu entschließen, diesen zusätzlichen Posten zu schaffen, wäre die Verhandlungsmasse größer – und mit ihr die Anzahl der denkbaren Varianten und Vereinbarungen.

Die Fraktionssprecher im neuen Murnauer Gemeinderat sind: Rudolf Utzschneider (CSU), Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum), Veronika Jones (Grüne), Phillip Zoepf (Mehr Bewegen), Maria Schägger (Freie Wähler) und Felix Burger (SPD).

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