Besondere Gäste: (v.l.) Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Bürgermeister Rolf Beuting und Landrat Anton Speer in der Kutsche.
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Besondere Gäste: (v.l.) Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Bürgermeister Rolf Beuting und Landrat Anton Speer in der Kutsche.
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Werdenfelser Bataillonsfest wird zum Bilderbuch-Ereignis

Wahrer der Wurzeln: So feiern die Gebirgsschützen in Murnau 

Es war ein Ereignis wie aus dem Bilderbuch: In Murnau feierten die Kompanien des Gebirgsschützen-Bataillons Werdenfels ihr 26. Bataillonsfest. Rund 1500 Gebirgsschützen, Marketenderinnen, Spielleute und Musikanten marschierten am Sonntag beim Festzug mit.

Murnau – Er brauchte keine Mass Bier. Er brauchte kein halbes Hendl. Und er brauchte auch keinen Schweinsbraten. Alles, was sich Kompanieführer Georg Mair wünschte, war ein wenig Ruhe. Einen kleinen Moment des Innehaltens inmitten des Trubels aus hetzenden Kellnern, klirrenden Krügen und 1500 hungrigen Gästen. Diese paar Minuten nutzte der Hauptmann der Murnauer Gebirgsschützen, um umzuschalten: vom Stress- in den Genuss-Modus. Nach seiner kleinen Pause gegen 12 Uhr verkündete Georg Mair, der Gastgeber, schließlich: „Ich habe dieses Gefühl wie nach der Amerika-Reise.“

Vor zwei Jahren waren die Gebirgsschützen zur Steubenparade nach New York geflogen. Ihre Erlebnisse von damals füllen heute noch viele Abende. Manche Geschichten sind nicht jugendfrei und andere so verrückt, dass sie wie Märchen klingen. „Diese Reise war einzigartig“, betont der Hauptmann der Murnauer. Genau so wie 2017, als er aus dem Flieger stieg, gehe es ihm beim 26. Bataillonsfest. „Ich bin dankbar, dass ich das miterleben darf.“

Alles, vom Gottesdienst bis zum Festzug, sei so abgelaufen, wie es sich die Veranstalter vorgestellt hatten. In der halben Stunde nach der Ankunft im Zelt, als die hohen Damen und Herren die Ehrenloge bezogen und alles auf seine erste Getränkerunde wartete, schritt Mair von Tisch zu Tisch. Er fragte die Schützen und die Marketenderinnen, die Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) und den Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), wie ihnen denn der Umzug gefallen habe. „Total begeistert“ waren sie, erzählt der Kompaniechef. „Es gibt kein größeres Kompliment.“

Es hätte vieles schief gehen können. Angefangen beim Wetter. Mitte der Woche noch blickten die Gebirgsschützen verzweifelt auf die Vorhersagen, die ein nasses Wochenende prophezeiten. Ein Fest im Regen mag verkraftbar sein. Doch unter der Sonne feiert es sich besser. Bürgermeister Beuting beanspruchte die Gewalt über den weiß-blauen Himmel als Erster für sich und kassierte dafür gleich einen Rüffel von Gau-Bataillons-Kommandant Hans Jais. „Das Wetter haben der Herr Pfarrer und ich gemacht“, scherzte er bei seinem Grußwort und gab seinen Kollegen noch den Tipp des Tages: „Ein Fest soll man feiern und nicht zerreden.“

Wie gut, dass sich die Polit-Prominenz an den Ratschlag hielt, ein Jahr vor der Kommunalwahl auf Wahlkampf verzichtete und die Gebirgsschützen mit ihren Trachten und Gewehren die Hauptattraktion sein ließen. Aigner bezeichnete ihre Arbeit als „Bekenntnis zu Heimat, Kindern und Tradition“ und als Gegenentwurf zu Selbstverliebtheit und Egoismus. Es gebe ihr zu denken, wenn sie Jugendliche durch die Welt ziehen sieht, die nur sich selbst fotografieren. Die Gebirgsschützen, die früher die Grenzen schützen sollten, stehen mittlerweile als Wahrer der Wurzeln und der „christlich-katholischen Lebensform“ da, wie Landeshauptmann Martin Haberfellner betonte.

Nach dem Gottesdienst wählten die Kutschen, Kapellen und Kompanien einen besonders langen Weg durch den Ort. Das hatte zwei Vorteile: Zum einen sahen Aigner, CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und Co. sämtliche Murnauer Wahrzeichen inklusive Schloßmuseum, Marktstraße und auch den Schützenplatz. Zum anderen verteilten sich die Schaulustigen.

Neben den Gästen aus dem Gau marschierten die Ortsvereine, was Gastgeber Mair besonders freute. Denn die Murnauer liefen nicht nur mit, sie packten auch an. Die Feuerwehr half beim Absperren, die Trachtler unterstützten beim Aufbau. Der Zusammenhalt der Vereine war „so einzigartig“, dass er dem Kompaniechef Tränen in die Augen trieb. Mit den Emotionen entlud sich die Last, die auf Mair gelegen hatte. Sein Amt, das er erst im Ruhestand angetreten hatte, sei ein ganzjähriger Job. Nach fünf Jahren an der Spitze sagt er: „Du bist so oft gefordert.“ Doch Tage wie dieser Sonntag entschädigen. An denen „bin ich einfach stolz auf die eigene Kompanie“.

Andreas Mayr


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