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Die eine geht, der andere kommt: Veronika Jones (l.) mit ihrem Nachfolger Hans Kohl.

Wechsel im Kommunalparlament

Murnauer Gemeinderätin legt Mandat nieder

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Im Marktgemeinderat Murnau steht ein weiterer Wechsel an: Veronika Jones, Einzelkämpferin der Grünen im Gremium, legt aus familiären Gründen ihr Mandat zum 23. Januar nieder. Für die 38-Jährige rückt Hans Kohl nach, der Kreis- und Ortsverbands-Sprecher der Partei ist, den Murnauer Posten aber abgeben wird.

Murnau– Jones, die vor elf Monaten ihre dritte Tochter auf die Welt gebracht hat, fällt der Schlussstrich, den sie vorerst unter die Gemeinderatsarbeit zieht, „überhaupt nicht leicht – ich brenne ja dafür“, sagt sie. Doch es handle sich um eine Vernunft-Entscheidung. So, wie sich die Situation in der jüngeren Vergangenheit dargestellt hatte, war sie für Jones, die eigentlich zu den jüngeren Aktivposten im Gremium zählte, „persönlich unbefriedigend, weil ich mein Mandat in meinen Augen nicht richtig wahrnehmen konnte“. Das Problem: Ihr Baby verlangt am Abend, wenn die Gremien tagen und Jones’ Mann arbeitet, massiv nach der Mama. Das führt seit einigen Wochen dazu, dass die 38-Jährige Sitzungen ganz verpasst oder nach einer Stunde wieder verlässt, weil die Babysitterin angerufen hat – und sie entsprechend viel verpasst, zumal kein Grünen-Kollege im Gremium sitzt. Jones, die seit 2014 dem Gemeinderat, dem Bau- sowie dem Hauptausschuss angehört und als Referentin zuständig ist für Jugend und Kinderbetreuungseinrichtungen – geplant ist nach Rathaus-Angaben, dass Kohl die Jones-Posten fortführt –, kann auf diese Weise also weder ihrem politischen Auftrag noch ihrer Mutterrolle ganz gerecht werden. Dazu kommt, dass Jones im Februar nach der Elternzeit ihren Job als angestellte Übersetzerin wieder aufnimmt.

„Mit den vorhandenen Strukturen der Kommunalpolitik, also den Sitzungszeiten, aber auch der hohen Arbeitsbelastung, die dazu noch größtenteils komplett unbezahlt ist, ist es nur sehr schwer bis unmöglich, sein Mandat effektiv zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger auszuüben und dabei noch genug Zeit für die eigene Familie, sich selbst und natürlich auch die eigene Erwerbstätigkeit zu haben“, wird Jones in einer Pressemitteilung der Grünen zitiert. „Ich bedaure diesen Schritt, er ist aber leider notwendig, um weiterhin gute grüne Arbeit im Gemeinderat gewährleisten zu können.“

Dafür soll Kohl sorgen. Der 73-jährige Ingenieur im Ruhestand, der den Murnauer Grünen-Ortsverband wie Jones einst mit gegründet hat, erklärt mit einem Augenzwinkern: „Mit meinem Nachrücken widersprechen wir natürlich einem unserer Ziele, nämlich einer Verjüngung des Gremiums und einer Förderung von Frauen in den Räten.“ Kohl will die Schwerpunkte seiner Vorgängerin im Fokus behalten – und fühlt sich als zweifacher Opa für Kinderbetreuung/Familie/Jugend gerüstet. Seine Themen sind zudem Ortsentwicklung, Verkehr und Wirtschaft. Der gebürtige Münchner, der seit rund zwölf Jahren in Murnau wohnt, freut sich, nachdem „das erste Erstaunen“ überwunden ist, auf die neue Aufgabe. Er versteht Jones’ Schritt und kündigt an, sich dafür einzusetzen, „dass das Mandat grundsätzlich besser mit Familie und Beruf vereinbar ist“.

Mit einem Parteiposten verträgt sich dieses nach allgemeingültiger Grünen-Ansicht schlecht. Deshalb stellt sich Kohl am morgigen Donnerstag als Ortsverbands-Sprecher nicht mehr zur Wahl. Er und Jones könnten Posten und Mandat tauschen. Die 38-Jährige überlegt, für ein Amt im Vorstand zu kandidieren. Jones hatte bereits vor dem Einzug in den Rat als Sprecherin fungiert. Sie will eine hörbare Stimme grüner Politik in Murnau bleiben. „Ein Leben ganz ohne Politik kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.“ Die Pause bis 2020 möchte Jones nutzen, um am Grünen-Programm für die nächste Kommunalwahl mitzuarbeiten. Dann könne sie „hoffentlich wieder aktiv einsteigen“.

Der Murnauer Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen wählt am  Donnerstag, 10. Januar, einen neuen Vorstand. Beginn ist um 19 Uhr im Kultur- und Tagungszentrum (Raum Kandinsky).

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