Stellen das Programm für Weihnachten vor: (v.l.) Pfarrer Andreas Fach, Priester Reinhold Bauer, Pfarrer Siegbert Schindele.
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Stellen das Programm für Weihnachten vor: (v.l.) Pfarrer Andreas Fach, Priester Reinhold Bauer und Pfarrer Siegbert Schindele.

Die Feiertage in der Staffelsee-Region

Weihnachten in der Tiefgarage: Christen feiern an ungewöhnlichen Orten

Tiefgarage, Mehrzweckhalle, Haus des Gastes: Das sind durchaus ungewöhnliche Orte, um besinnliche Veranstaltungen wie Christmetten abzuhalten. Doch in Zeiten von Corona ist Umdenken gefragt – und dadurch wird vieles möglich, was zuvor undenkbar erschien.

  • Die Christen im Raum Murnau feiern Weihnachten coronabedingt teils an ungewöhnlichen Orten.
  • Dazu zählen eine Tiefgarage, eine Mehrzweckhalle und ein Haus des Gastes.
  • Pfarrer Siegbert Schindele sieht die Kirchen „ein Stück weit als Krankenhäuser der Seele“.

Nordlandkreis – Normalerweise finden im Riegseer Haus des Gastes Traditionsveranstaltungen statt. Dass diese Räumlichkeiten einmal für einen Weihnachtsgottesdienst genutzt werden, hätte sich im vergangenen Jahr niemand vorstellen können. Doch die Pandemie macht das Undenkbare möglich: Auf die Kindervesper (16 Uhr) folgt um 19 Uhr eine Christmette. Dafür wird das Haus des Gastes bestuhlt, und die Plätze sind nummeriert. „Wir haben unser Hygienekonzept auf bis zu 71 Personen ausgelegt. In der Kirche wäre es zu eng“, sagt der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Josef Mayr.

Ökumenische Herbergssuche

Ein Weihnachtsprogramm außerhalb der Norm hat auch die Katholische Kirchengemeinde in Murnau zusammengestellt. Vor dem Schloss sind an Heiligabend zwei Kindergottesdienste (15 und 16 Uhr) anberaumt. Außerdem gibt es eine Herbergssuche, die von der Ökumene organisiert wird. Los geht es um 14 Uhr vor der Evangelischen Christuskirche. Von dort aus ziehen die teilnehmenden Gruppen in Begleitung eines Hirten los, um die vier im Ort verteilten Stationen zu erkunden.

Schindele als einer der drei Weisen

Unter anderem sind Engel und Sterndeuter zu bestaunen. Hier tritt Pfarrer Siegbert Schindele sogar persönlich in Aktion: Er wird als einer der Drei Weisen aus dem Morgenland kostümiert sein. „Es ist sehr wichtig, dass die Kirche in diesen schwierigen Zeiten etwas anbieten kann. Das ist ein Beitrag zur seelischen Gesundheit“, findet er. Die Suche endet an der Muschel im Kulturpark, wo die Neuapostolische und die Baptistengemeinde eine Krippe aufgebaut haben. Laut Pfarrer Schindele ist das Ganze ideal für Familien. Doch sind auch Menschen willkommen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Kirche trauen.

Kinderkrippenfeier in Zell

Ein ähnliches Prinzip wird im Großweiler Ortsteil Zell umgesetzt. Um 14.30 soll ein Begrüßungsgebet vor der St.-Martins-Kirche auf die anschließende Kinderkrippenfeier einstimmen. Und diese ist, ganz im Sinne der Corona-Bestimmungen, „to go“.

Drittklässler in Aktion

Bei gutem Wetter marschieren die Teilnehmer entlang des Kreuzweges von Zell nach Großweil. Jede Gruppe bekommt ein Begleitheft in die Hand, das bei den Stationen zum Einsatz kommt. „Es gibt unterwegs klassische und lebende Standbilder zu bestaunen“, erläutert Organisatorin Elke Diehl-Skell. Letztere werden von Drittklässlern präsentiert, die Szenen aus der Weihnachtsgeschichte nachstellen. Die finale Etappe befindet sich an der alten St.-Georgs-Kirche in Großweil. „Diese Feier ist besonders für die Kinder ansprechend. Und dadurch, dass alles im Freien abläuft, lassen sich die Corona-Regeln gut umsetzen“, sagt Diehl-Skell.

Feier in der Mehrzweckhalle

Hingegen verwandelt sich in Grafenaschau die Mehrzweckhalle an Heiligabend in ein Ersatz-Gotteshaus: Um 17 Uhr gibt es eine Feierlichkeit speziell für die kleinen Besucher, um 19 Uhr ist eine zweite Messe geplant. In dem bestuhlten Raum dürfen maximal 60 Personen gleichzeitig Platz nehmen. Gemeinsamer Gesang fällt aus – stattdessen sorgt ein Iffeldorfer Solist an der Zither für musikalische Untermalung.

Planung nervenaufreibend

Mesnerin Agathe Fischer erlebte die Planung im Vorfeld als nervenaufreibend: „Es gab Beschwerden von Leuten, die Gottesdienste in Corona-Zeiten für unangebracht halten“, berichtet sie. Hinzu kam, dass der Organist kurzfristig absagte. „Das war schon sehr aufregend, einen Ersatz zu finden. Es stand im Raum, die Messe ganz abzusagen“, erzählt Fischer. Nun ist sie froh, dass planungsmäßig alles in trockenen Tüchern ist. Da vorab keine Anmeldungen erforderlich waren, bleibt es spannend, wie viele Besucher letztlich erscheinen. „Wir lassen uns überraschen. Das Angebot richtet sich an diejenigen, die daraus Kraft schöpfen“, sagt sie.

Protestanten in der Tiefgarage

Der evangelische Pfarrer Andreas Fach betont: „Wir wollen den Gläubigen Trost und Kraft mitgeben, sich nicht zu fürchten trotz der Umstände.“ Auch die Protestanten feiern an ungewohnter Stelle: in der Tiefgarage am Kultur- und Tagungszentrum. Ein Dach über dem Kopf bietet diese allemal. „Der Stall war auch kein heimeliger Ort“, sagt Fach. Reinhold Bauer, Priester der Neuapostolischen Kirche, betont: „Es geht um Seelsorge.“

Kirchen als „Leuchttürme“

Pfarrer Schindele sieht die Kirchen „ein Stück weit als Krankenhäuser der Seele“. Gottesdienste sind seiner Meinung nach „Leuchttürme, die den Menschen in der Pandemie Trost geben“. Der Geistliche kennt Gläubige, die sagen: „Wenn sie uns das noch nehmen, verliere ich den letzten Lebensmut.“ Späte Christmetten sind am Heiligen Abend nicht möglich. Daher mussten die Pfarreien umplanen. Schindele trägt diese Beschränkungen mit. „Alles Murren und Aufbegehren bringt jetzt nichts.“

Constanze Wilz und Roland Lory

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