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Dr. Felix Groß engagiert sich in derFlüchtlingshilfe.

Ehrenamtliche wollen gemeinsame Strukturen schaffen

Weitere Murnauer Asylunterkunft:  Neustart in der Flüchtlingsarbeit nötig

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In Murnau beziehen Asylbewerber derzeit eine weitere Unterkunft. Die Flüchtlingsarbeit soll auch deshalb auf neue Beine gestellt werden. Man braucht bessere Strukturen, mehr Vernetzung – und vor allem weitere Helfer.

Murnau – Eine afghanische Familie und eine Mutter mit Kind aus Nigeria, insgesamt sieben Menschen, leben bereits in dem abgelegenen Haus nahe der Baumschule Sauer im Murnauer Norden. Maximal 12 bis 13 Menschen – verschiedene Familien – sollen einmal in dem Gebäude wohnen, das die Ausländerbehörde des Landratsamts im Oktober übernommen hat; es ist das ehemalige Quartier für unbegleitete Minderjährige des Amts für Kinder, Jugend und Familie, das Condrobs betrieben hat. Nach Angaben von Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf handelt es sich um die fünfte Murnauer Flüchtlings-Unterkunft nach jener in Moosrain (seit Februar 2015), der am Längenfeldweg (Mai 2017), zwei Wohnungen an der Loisachstraße (Dezember 2015) und einer Wohnung am Bahnhofsweg (April 2018). Vier Personen durften private Räume beziehen. 64 Asylbewerber und 27 Fehlbeleger, insgesamt 91 Menschen, leben in diesen Objekten. „Alle Unterkünfte sind voll“, erklärt Scharf; nur in das hinzugekommene Haus im Norden können noch fünf bis sechs Flüchtlinge einziehen.

Für Dr. Felix Groß steht fest: „Wir werden in Murnau so viele Menschen zu betreuen haben wie nie zuvor.“ Groß engagiert sich in der Flüchtlingsarbeit und will sich um den Posten des Sprechers bei Team 7 von Murnau Miteinander bewerben, das in diesem Bereich aktiv ist. Geschehen soll das bei einem Treffen am Montag, 2. Dezember, ab 19.30 Uhr im großen Gemeindesaal der evangelischen Christuskirche, bei dem ein Neustart in der gesamten Flüchtlingsarbeit in Murnau und Umgebung vollzogen werden soll. Dies betrifft Team 7 ebenso wie andere Unterstützerkreise und kleine Initiativen. Neben Groß lädt Astrid Poppenwimmer dazu ein, drückt quasi mit auf den Resetknopf, die im Ammertal um Saulgrub/Bad Bayersoien aktiv ist. Der Abend richtet sich an alle in Murnau und Umgebung, die sich für Flüchtlinge engagieren – oder die sich dies vorstellen können. Auch ehemalige Asylbewerber sollen eingebunden werden; Groß liegen bereits Zusagen vor.

Die fünfte Unterkunft hat den hausärztlichen Internisten, der seine Murnauer Praxis Ende 2018 übergeben hat, dazu bewogen, einen Neustart anzustoßen. Er hält ihn für dringend notwendig. Denn: „Da braucht es jetzt weitere Menschen.“ Zentrales Ziel ist es, mehr Ehrenamtliche für die Flüchtlingsarbeit zu gewinnen – egal, ob jemand eine Familie oder eine Einzelperson als Pate betreuen, Kindern Nachhilfe geben oder sich in anderer Weise einsetzen möchte. Viele derer, die 2015 als Helfer begonnen haben, haben mittlerweile wieder aufgehört.

Zudem sieht Groß organisatorische Defizite: „Die Flüchtlingshilfe arbeitet sehr unstrukturiert, das wollen wir ändern.“ Die Situation schrecke manchen ab, der sich engagieren wolle, weil kein niederschwelliger Einstieg möglich sei. Gruppen und Initiativen arbeiten mehr oder weniger isoliert nebeneinander her. Es fehlt in Groß’ Augen an einer transparenten Vernetzung. Die vielen Puzzleteile sollen nun zusammengefügt werden, damit sie „öffentlich wahrnehmbarer werden und sich gegenseitig befruchten können“, sagt Groß.

Am 2. Dezember gilt es, Grundlagen zu schaffen. Auf der Agenda stehen Berichte zur aktuellen Situation unter anderem in den Unterkünften in Murnau und Umgebung, in diversen Gruppen und über Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit professionellen Organisationen. Man will sehen, „was wir an Struktur haben und was fehlt“, sagt Groß. Auch Aufgaben sollen verteilt werden.

Weitere Asylunterkünfte plant das Landratsamt in Murnau aktuell nicht. Die Behörde rechnet auch nicht mit steigenden Flüchtlingszahlen im Landkreis, da dieser nach Angaben von Sprecher Scharf „die Quote erfüllt“.

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