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Meldet sich zu Wort: Der ehemalige SPD-Gemeinderat Wolfgang Hübner (am Mikrofon) kann es nicht verstehen, dass die Umsetzung des Mammutprojekts Westtrasse so lange auf sich warten lässt.

Diskussion über Murnaus Probleme 

Wenig Wohnraum, viel Verkehr

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Murnau hat zweifelsfrei eine hohe Lebensqualität und steht finanziell ausgesprochen gut da. Dennoch gibt es handfeste Probleme: Der Markt hat mit explodierenden Immobilienpreisen und einer zunehmenden Verkehrsbelastung zu kämpfen. Dies wurde auf der Bürgerversammlung deutlich.

Murnau – Viele Murnauer scheinen zufrieden zu sein. Zumindest war die Resonanz bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend – eigentlich eine gute Gelegenheit, um Kritik und Anregungen vorzubringen – eher gering. Gerade mal um die 90 Besucher, darunter auch Altbürgermeister Werner Frühschütz sowie einige Gemeinderäte und Rathaus-Mitarbeiter, hatten den Weg in den Saal des Kultur- und Tagungszentrums gefunden, um sich den Jahresbericht samt Ausblick von Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) anzuhören.

Der Rathaus-Chef konnte mit Statistik glänzen. Tenor: Dank sprudelnder Steuereinnahmen ist die Marktgemeinde mit ihren fast 13 000 Einwohnern finanziell in einer sehr guten Verfassung und kann sich aus eigener Kraft Großprojekte wie etwa den Rathaus-Umbau leisten.

Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Vor allem die steigenden Immobilien- und Mietpreise bereiten dem Gemeinde-Oberhaupt Kopfzerbrechen. „95 Prozent können sich die Preise nicht mehr leisten“, sagte Beuting, der dem Thema Wohnen breiten Raum einräumte. In den vergangenen vier Jahren hätten sich im Ort die Baulandpreise verdoppelt, inzwischen würden für den Quadratmeter Grund mitunter vierstellige Beträge bezahlt. „Ich befürchte, dass das in den nächsten Jahrzehnten so weitergeht“, meinte Beuting. Die Hauptursache liegt seiner Ansicht nach auf der Hand: der starke Zuzug, vor allem aus München.

Beuting will gegensteuern und bezahlbaren Wohnraum schaffen, den sich auch die mittleren und unteren Einkommensschichten leisten können. Man müsse verhindern, dass Murnau ein „Grünwald am Staffelsee“ wird, sagte er. Es gelte, ein „Gleichgewicht in der Gesellschaft“ zu halten. Es ist kein Geheimnis, dass mittlerweile manche Familien notgedrungen wegziehen müssen, weil es einfach zu teuer ist. Der ÖDP-Mann verwies in diesem Zusammenhang auf drei größere Bauprojekte, die geplant oder bereits angelaufen sind. Diese sind der kommunale Wohnungsbau am Längenfeldweg, genossenschaftliches Wohnen auf dem James-Loeb-Areal und die Aktivitäten der gemeinnützigen Wohnbau Weilheim GmbH, an der auch die Marktgemeinde beteiligt ist, an der Adalbert-Stifter-Straße. Insgesamt sollen auf diese Weise in den nächsten Jahren über 100 Wohneinheiten für rund 20 Millionen Euro entstehen. Beuting geht jedoch davon aus, dass dies nicht reichen wird und man weiterhin kräftig investieren muss.

Den Bürgern – das wurde in den Beiträgen aus dem Publikum deutlich – brennt die Verkehrsbelastung an der Bundesstraße 2 auf den Nägeln. Vor allem die Anlieger an der Reschstraße und Weilheimer Straße leiden unter den Blechlawinen und Staus, die von Jahr zu Jahr mehr werden. Die Lösung ist bekannt: Murnau bräuchte endlich die seit langer Zeit ersehnte Westtrasse, also die Verlängerung der bestehenden Entlastungsstraße, wodurch eine komplette Umfahrung entstehen würde.

Das Mammutvorhaben – zuständig ist das Staatliche Bauamt in Weilheim – steht zwar im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Auch gibt es Überlegungen hinsichtlich einer möglichen Trassenführung. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam.

„Was ist da los? Geht da gar nichts mehr“, ärgerte sich auf der Versammlung der ehemalige SPD-Gemeinderat Wolfgang Hübner. Auch wurde angeregt, an neuralgischen Stellen auf Kreisel zu setzen, um den Verkehrsfluss zu verbessern. „Die Ampel an der evangelischen Kirche ist überflüssig. Wenn sie ausfällt, gibt es keinen Stau“, meinte etwa ein Redner.

„Wir werden weiter Druck machen“, versicherte Beuting mit Blick auf die besagte Westtangente. Nur sei dafür der Bund verantwortlich. Inzwischen habe man die Zusage, dass das Staatliche Bauamt nächstes Jahr mit den Planungen beginnt. Doch wann die Bagger rollen, das steht in den Sternen. Vielleicht, so Beuting, müsse man wie in Oberau auf die Straße gehen und demonstrieren. Auch zeigte sich der Bürgermeister aufgeschlossen gegenüber dem Thema Kreisverkehr: „Ich probiere, was in meiner Macht steht.“ Er glaube allerdings nicht, dass sich alle Verkehrsprobleme durch den Straßenbau lösen lassen. Dazu müsste auch der Öffentliche Nahverkehr gestärkt werden. Beuting regte eine höhere Taktung der Bahnverbindung und die Einführung eines Ortsbusses an. Und er warb fürs Radfahren.

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