Fliegender Gelber Engel: der Rettungshubschrauber „Christoph Murnau“.
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Fliegender Gelber Engel: der Rettungshubschrauber „Christoph Murnau“.

Bilanz 2020 des Rettungshubschraubers

„Christoph Murnau“: Weniger Einsätze, mehr Belastung

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Die Corona-Pandemie schlägt sich auch in der Bilanz des Rettungshubschraubers „Christoph Murnau“ nieder. 2020 ging die Zahl der Einsätze zurück. Die Belastung der Crews ist allerdings wegen Covid-19 gestiegen.

  • Der Rettungshubschrauber „Christoph Murnau“ war 2020 weniger häufig in der Luft als 2019.
  • Diese Entwicklung hängt mit der Corona-Pandemie zusammen.
  • Die Belastung nahm wegen der strengen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen deutlich zu.

Murnau – Bei ihrer Arbeit können die Crews der gemeinnützigen ADAC-Luftrettung auf die modernsten Rettungshubschrauber der Typen H145 und H135 von Airbus Helicopters zurückgreifen. Rund 3,3 Millionen Kilometer wurden mit ihnen 2020 in Deutschland zurückgelegt. Das sind rund 150 000 Kilometer weniger als ein Jahr zuvor.

Rückgang bei den Einsätzen

Rückläufige Zahlen vermeldet die Pressestelle des ADAC Südbayern auch, was den Rettungshubschrauber „Christoph Murnau“ betrifft. Im vergangenen Jahr starteten die Mannschaften des Helikopters, der an der Unfallklinik stationiert ist, zu 1140 Rettungsflügen. Damit gingen die Einsätze um 13,6 Prozent zurück (2019: 1319 Einsätze). Der Grund: die coronabedingten Einschränkungen in der Mobilität. „Die Belastung für die Besatzungen nahm jedoch gleichzeitig wegen der strengen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen deutlich zu“, heißt es in der Pressemitteilung zur Einsatzbilanz 2020.

Transporte in Spezialkliniken

823 Alarme (72,2 Prozent) waren so genannte „Primäreinsätze“: In diesen Fällen hatte „Christoph Murnau“ die reine Funktion des Notarztzubringers – oder die Crew übernahm neben der Behandlung zusätzlich den Kliniktransport. 181 Einsätze (15,9 Prozent) waren Sekundärtransporte, bei denen ein Patient von einem Krankenhaus niedriger Versorgungsstufe in ein Spezialklinikum mit erweiterten Therapiemöglichkeiten gebracht wurde. 136 Flüge waren sonstige Einsätze oder es war kein Eingreifen nötig.

In der Luft vor allem nach Unfällen

Zu den Ursachen: Nummer eins waren mit 56 Prozent Verletzungen nach Unfällen. Dazu gehören Freizeit-, Sport-, Schul- und Verkehrsunfälle. „Christoph Murnau“ kommt damit mehr als jedem zweiten Patienten in Folge einer Verletzung zu Hilfe – so häufig wie sonst kein anderer Hubschrauber der ADAC-Luftrettung in Deutschland. Dahinter folgen mit 16 Prozent neurologische Notfälle wie beispielsweise Schlaganfälle und mit 13 Prozent Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Als eine von vier Maschinen der ADAC- Luftrettung ist „Christoph Murnau“ mit einer Winde zur Rettung in den bayerischen Alpen oder in unwegsamem Gelände ausgerüstet. Im abgelaufenen Jahr wurde das Verfahren 185 Mal mit dem Murnauer Fluggerät angewandt. Weitere Windenstationen sind in München, Straubing und Sande (Niedersachsen) angesiedelt.

Fast 1300 Menschen bei ADAC-Luftrettung tätig

Bundesweit arbeiten für die ADAC-Luftrettung gGmbH, die ein Tochterunternehmen der gemeinnützigen ADAC Stiftung ist, fast 1300 Menschen – darunter rund 160 Piloten, etwa 600 Notärzte, 250 Notfallsanitäter und 150 Techniker. In der Regel besteht das Team einer Station aus drei Piloten, fünf Notfallsanitätern und 15 Notärzten.

Bundesweite Tendenz

Nicht nur „Christoph Murnau“ hatte im vergangenen Jahr weniger Einsätze zu bewältigen. Die Tendenz ist auch bundesweit so. Im 50. Jahr des Bestehens der gemeinnützigen ADAC-Luftrettung mussten die fliegenden Gelben Engel zu 51 749 Einsätzen ausrücken. Dabei gingen die Alarmierungen der Rettungshubschrauber insgesamt um 2218 oder 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

Zufriedener Geschäftsführer

„Wir haben es seit Ausbruch der Pandemie geschafft, die notfallmedizinische Versorgung der Menschen in Deutschland uneingeschränkt zu gewährleisten“, erklärte Geschäftsführer Frédéric Bruder bei der Vorstellung der Jahresbilanz. „Das ist in dieser schwierigen Zeit eine großartige Leistung unserer Crews und aller Mitarbeiter der ADAC-Luftrettung.“ Dr. Andrea David, Vorstand der ADAC Stiftung, stellte darüber hinaus die hohen Einsatzzahlen heraus: „Seit 2013, das nunmehr achte Jahr in Folge, wurde die ADAC Luftrettung zu mehr als 50 000 Notfällen jährlich alarmiert. Diese Rekordbilanz zeigt, welchen hohen Stellenwert die schnelle Hilfe aus der Luft in der Notfallmedizin in Deutschland hat.“

Große Organisation

Mit mehr als 50 Rettungshubschraubern und 37 Stationen ist die ADAC-Luftrettung eine der größten Luftrettungsorganisationen Europas.

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