Hoch über Murnau: Auf dem Gelände des Hochbehälters am Maria-Antonien-Weg wird das Provisorium installiert. Anlieger befürchten, dass es ein dauerhafter Standort für den Behördenfunk wird.
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Hoch über Murnau: Auf dem Gelände des Hochbehälters am Maria-Antonien-Weg wird das Provisorium installiert. Anlieger befürchten, dass es ein dauerhafter Standort für den Behördenfunk wird.

Standort am Maria-Antonien-Weg in Murnau

Geplanter Funkmast: Anwohner gehen auf die Barrikaden

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Der geplante Mast für den Behördenfunk am Maria-Antonien-Weg in Murnau treibt Anwohner auf die Barrikaden. Zwar ist der Standort Hochbehälter nur als Interimslösung gedacht. Doch Anlieger befürchten, dass die Konstruktion dauerhaft dort bleiben wird.

  • Gegen den geplanten Funkmast am Maria-Antonien-Weg in Murnau regt sich Widerstand.
  • Anwohner haben Angst, dass der Standort am Hochbehälter nicht nur eine Interimslösung ist.
  • Sie haben in der Sache bereits einen Anwalt beauftragt.

Murnau – Die Abläufe ähneln sich, landauf, landab. Sobald irgendwo ein Funkmast aufgestellt werden soll, regt sich unter den Anwohnern Widerstand. Dies ist bei einem Projekt am Maria-Antonien-Weg in Murnau nicht anders. Dort soll, wie berichtet, ein circa 25 bis 30 Meter Mast für den digitalen Behördenfunk errichtet werden. Zunächst provisorisch. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Konstruktion dauerhaft auf dem Areal der Gemeindewerke platziert wird.

Wortmeldungen im Gemeinderat

Sitzung des Marktgemeinderats, 18 Uhr, Kultur- und Tagungszentrum. Mehrere Anwohner des Maria-Antonien-Wegs sitzen im Publikum und melden sich in der Bürgerfragestunde zu Wort. Dr. Bernd Werner etwa. Er spricht von einer „Verschandelung par excellence“. Und Eva Loos betont: „Die Bürger sind entsetzt, dass sie in keiner Weise beteiligt wurden. Das macht einen sehr betroffen.“ Es gebe die Befürchtung, dass der Mast dort stehen bleibt.

Anwohner nicht eingebunden

Die treibt auch Werner um. In einer E-Mail ans Tagblatt beklagt er, dass die Anwohner „überhaupt nicht informiert, geschweige denn berücksichtigt“ worden seien. „Im Umkreis von 250 Metern sind circa 300 bis 400 Menschen betroffen.“ Zudem weist Werner darauf hin, dass sich in der Nähe die Kinderkrippe Hochried und das Seniorenheim an der Garhöll befinden. Abgesehen davon sei der Maria-Antonien-Weg ein Teil des Touristenwanderwegs „König Ludwig“, und der Hochbehälter sei als Aussichtspunkt ins Moos und Richtung Zugspitze in der Murnauer Wanderkarte eingetragen. In einem Protestschreiben an Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und die Gemeinderäte ist ferner von einer Wertminderung der vorhandenen Immobilien die Rede. Es sei „überhaupt nicht einsehbar“, warum der Behördenfunk nicht auf schon existenten Flächen wie etwa am Bahnhof, an der Polizeiinspektion und der Unfallklinik möglich sein sollte. Man sieht: Es brodelt.

Ein Sicherheitsproblem

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) versuchte in der Bürgerfragestunde, die Wogen etwas zu glätten. Der Interimsstandort sei nötig, weil das Landeskriminalamt (LKA) „gravierende Versorgungslücken“ festgestellt habe. „Von daher haben wir ein Sicherheitsproblem bei den Rettungsdiensten“, sagte der Rathauschef. Er leitete nach eigenen Angaben alle Schreiben ans LKA weiter – mit der Bitte, sich mit den Anwohnern in Verbindung zu setzen. Das Landeskriminalamt ist beauftragt, bayernweit ein flächendeckendes Netz für den digitalen Behördenfunk aufzubauen.

Mehrere Stellen werden geprüft

„Der Gemeinderat hat es sich nicht leicht gemacht“, betonte der Rathauschef. „Uns ist klar, dass das für Unruhe und Besorgnis sorgt.“ Der Marktgemeinderat beschloss bereits im Januar, diverse Standorte funk- und emissionstechnisch überprüfen zu lassen. Diese sind: Wasserhochbehälter am Maria-Antonien-Weg, Gelände der Polizeiinspektion, Feuerwehrhaus, alter Volksfestplatz, Unfallklinik, Bahnhof Süd, James-Loeb-Denkmal in Hochried. Der Fachmann Hans Ulrich (München) wird die einzelnen Stellen analysieren. „Dann wird es an uns sein, den besten Standort auszuwählen“, sagte Beuting. Das Gutachten soll ihm zufolge im Sommer, spätestens im Herbst vorliegen. „Dann haben wir eine Diskussionsgrundlage.“ Wann das Provisorium installiert wird, vermochte Beuting nicht zu sagen. „Das hängt vom LKA ab.“ Zum Vorwurf der mangelnden Bürgerbeteiligung sagte der Bürgermeister: „Es muss erst ein Standort her, damit wir wissen, welche Bürger zu beteiligen sind.“ Es gelte abzuwägen zwischen den Rechten der Betroffenen und der Sicherheitssituation.

Forderungen der Anlieger

Anwohner Werner ist skeptisch. Die Anwohner erwarten seiner Aussage nach von der Gemeinde Einsicht in die Ergebnisse, was die technische, ökonomische und ökologische Bewertung der alternativen Standorte betrifft, und einen nachvollziehbaren, unvoreingenommenen Entscheidungsprozess. Zudem will man, dass sinnvolle Alternativen fair geprüft und eine zusätzliche Immissionsbelastung von Kindern, Anwohnern und Senioren absolut vermieden wird. Überdies ist es den Anwohnern ein Anliegen, dass ein solcher Funkmast später nicht mit zusätzlichen Funktionen aufgerüstet werden darf.

Anwalt eingeschaltet

Die Anlieger – Werner spricht von 45 Haushalten – wollen nicht locker lassen. Sie haben mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet.

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