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Beherbergt junge Unternehmen der Kreativbranche: das Murnauer Innovationsquartier, hier der Eingangsbereich. 

Ruf nach mehr Kontrolle

Wirbel um Innovationsquartier Murnau könnte Nachspiel haben

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Die Ortspolitik ist hellhörig geworden. Nach der Kritik am IQ  werden Stimmen laut, die eine stärkere Kontrolle der Abläufe fordern, die sich in dem Kreativzentrum der Gemeinde abspielen.

Murnau – Das Innovationsquartier (IQ) der Marktgemeinde Murnau gilt als Vorzeige-Projekt der Wirtschaftsförderung. Doch in dem Treffpunkt der Startup-Szene, der sich seit dem vergangenen Jahr im alten Gemeinde-Krankenhaus befindet, gibt es Dissonanzen. Zur Erinnerung: (Noch-)Mieterin Dr. Natalie Struve wandte sich vergangene Woche mit einer Beschwerde an den Gemeinderat und löste damit – das war vermutlich auch das Kalkül – eine politische Debatte aus. In dem Schreiben erhebt die Juristin, der gekündigt worden war, massive Anschuldigungen gegen Wirtschaftsförderer und IQ-Manager Jan-Ulrich Bittlinger. Sie wirft dem Rathaus-Mitarbeiter unter anderem einen intransparenten und autoritären Führungsstil vor.

In der Kommunalpolitik schlägt die Angelegenheit hohe Wellen – auch wenn es sich nur um die Kritik einer einzelnen Person handelt. Doch der Fall Struve hat nach Ansicht einiger Gemeinderäte ein grundsätzliches Problem ans Tageslicht befördert: Was ihnen überhaupt nicht gefällt, ist der Umstand, dass sie, wie immer wieder zu hören ist, von vielen Vorgängen im IQ kaum etwas mitbekommen – obwohl sie für die Einrichtung des Marktes verantwortlich sind. Konkret geht es um die Fragen, welche Firmen in das Haus einziehen dürfen, welche in den Genuss von vergünstigten Mieten als Starthilfe kommen und wann jemand rausfliegt.

Der Ruf nach klaren Spielregeln, besseren Einblicken und politischen Mitsprachemöglichkeiten ist nicht zu überhören. Ob sich dafür im Gemeinderat Mehrheiten finden werden, ist offen. Im Gespräch ist jedenfalls die Schaffung eines Kontrollgremiums, das ähnlich wie ein Aufsichts- oder Verwaltungsrat eines Unternehmens über die Abläufe wacht und eingreifen kann. Bei der Kemmelpark-Konversion habe man, so heißt es, ganz gute Erfahrungen mit solch einem Zirkel gemacht.

Und auch die dominante Rolle Bittlingers ist so manch einem Volksvertreter ein Dorn im Auge. Er habe den Eindruck, bemängelt etwa Freie-Wähler-Chef Welf Probst, der Wirtschaftsförderer könne im IQ schalten und walten, wie er will. Seine Forderung: „Die Struktur muss überdacht werden.“ Man müsse sich überlegen, wie die Abläufe transparenter gestaltet werden können.

Bei der CSU klingt das ähnlich: „Das kann so nicht bleiben“, sagt Fraktionssprecherin Regina Samm. Der Gemeinderat müsse stärker eingebunden werden. Speziell bei der Höhe des Mietpreises gehe es auch um Gerechtigkeit. Sie habe von den aktuellen Unstimmigkeiten erst im Zuge der Struve-Beschwerde erfahren, erklärt Samm. „Ich bin richtig erschrocken.“

„Es ist offenkundig geworden, dass es Handlungsbedarf gibt“, meint auch Phillip Zoepf, Sprecher der Gruppe „Mehr bewegen“ – und spricht von „Schwächen“. Er habe zum Beispiel von der Kündigung Struves, die bereits Ende Januar ausgesprochen wurde, nichts gewusst. Man sollte die Situation als Chance zur Erneuerung begreifen. Zoepf: „Ich bin ein absoluter Fan von diesem IQ. Ich will, dass das Projekt keinen Schaden nimmt.“

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