+
Wollen die Kunst- und Kreativwirtschaft vernetzen: (v.r.) die Wirtschaftsförderer Oliver Steinbach (Garmisch-Partenkirchen) und Jan-Ulrich Bittlinger (Murnau) mit Carolin Unseld (in Vertretung der Landkreis-Wirtschaftsförderung). 

Wirtschaftsförderer wollen Kunst- und Kreativwirtschaft im Landkreis vernetzen 

Verborgener Schatz soll gehoben werden

  • schließen

Die Wirtschaftsförderer von Murnau, Garmisch-Partenkirchen und dem Landkreis vollziehen einen Schulterschluss, um das Potenzial zugänglich zu machen, das die Kultur- und Kreativwirtschaft bietet. Ihre Vertreter sollen besser vernetzt werden und einen Mehrwert für sich erzielen.

Murnau/Landkreis– Film, Architektur, Software, Werbung, Design, Musik, Buch, und und und: Die Kunst- und Kreativwirtschaft im Landkreis ist eine bunte, vielfältige Branche – aber in gewisser Beziehung offenbar auch ein weitgehend unerschlossenes Feld. Dabei leisten Freiberufler, Kreative und Kleinstunternehmer einen enormen Beitrag zur Wertschöpfung und prägen die Region. Etwa 500 Menschen im Landkreis lassen sich nach Angaben von Jan-Ulrich Bittlinger, Wirtschaftsförderer der Marktgemeinde Murnau, über zugängliche Verzeichnisse diesem Sektor zuordnen. Doch wie sein Garmisch-Partenkirchner Kollege Oliver Steinbach geht er davon aus, dass die Branche viel größer ist – und ihr 1500 bis 2000 Menschen im Kreis angehören. Die meisten lassen sich nicht über öffentlich zugängliche Daten erkennen. „Die Auskunft des Gewerbeamts geht hier gegen null“, sagt Steinbach. Dieser quasi verborgene Schatz soll nun gehoben werden. Die Wirtschaftsförderer des Landkreises und seiner beiden größten Gemeinden möchten die Angehörigen dieses Sektors vernetzen, sie stärken, unterstützen sowie ein Bewusstsein und eine Branchenvertretung schaffen.

Eine erste Kontaktaufnahme zu dem Wirtschaftszweig, der irgendwie nicht richtig zu fassen ist, steht am Dienstag, 2. Oktober, im Murnauer Innovations-Quartier bevor (Beginn 18.30 Uhr). Eingeladen sind Unternehmer, Selbständige, Freelancer, Freiberufler und Interessierte, die in der Kunst- und Kreativwirtschaft arbeiten oder dies planen. Über diesen Auftakt rede man „seit rund einem Jahr“, sagt Bittlinger in einem Pressegespräch. Nachdem die Idee in Murnau geboren war, das mit seinem Innovations-Quartier – eine Einrichtung zur Förderung dieser Branche – positive Erfahrungen sammelte, holte Bittlinger die Wirtschaftsförderer von Garmisch-Partenkirchen und Landkreis ins Boot. Er habe Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und Garmisch-Partenkirchens Rathaus-Chefin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) in den vergangenen drei Jahren überzeugt, dass der Zweig in der Region Potenzial besitze und „etwas ist, das zum Landkreis passt“, so Bittlinger. Aus seiner Sicht lassen sich über diese Schiene auch strukturelle und demographische Probleme angehen. So könnten sich zum Beispiel speziell für junge Leute Angebote ergeben, um nach dem Schulabschluss vor Ort zu bleiben.

Eine gute Sache also, für die zudem Zuschüsse fließen dürften. Im Zuge der Vorbereitung entstand der Gedanke, Fördermittel im Rahmen des Regionalmanagements beim Finanzministerium zu beantragen. Man verfasse gerade den Antrag für das Projekt zur Vernetzung der Kunst- und Kreativwirtschaft im Landkreis, sagt Carolin Unseld, die Kreis-Wirtschaftsförderer Sebastian Kramer im Pressegespräch vertrat. Die neue Förderperiode beginnt im Januar und ist auf drei Jahre ausgelegt. Unseld bezeichnet die Kreativen als identifikationsstiftend für die Region und sieht „viele Potenziale“. In dieser Branche seien kleine, sehr saubere und leise Betriebe zu Hause, die nicht viel Raum benötigten. Allerdings fehle innerhalb der Branche das Bewusstsein, Teil der Kunst- und Kreativwirtschaft zu sein.

Das soll anders werden. Im Zuge einer Vernetzung müsse ein Mehrwert für die Beteiligten entstehen, sagt Bittlinger. „Nur dann ist das Ganze für die Zielgruppe auch glaubwürdig.“ Das kann so aussehen, dass „gegenseitig Aufträge generiert werden“, wie Unseld erklärt. „Es ist eines unserer Ziele, die regionalen Wirtschaftskreisläufe zu stärken.“ Am Anfang soll eine Bestandsaufnahme stehen: Wen gibt es in der Kunst- und Kreativwirtschaft? Was für eine Struktur hat diese, „was ist das Potenzial, wo sind die Sorgen und Nöte?“, nennt Steinbach beispielhafte Fragen, die es zu beantworten gilt – um die Branche und die, die sie mit Leben füllen, fassbarer zu machen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Hitzige Debatte über Mobilfunkmast in Graswang: Bürger lassen nicht locker
Die Situation ist verzwickt, die Rechtslage eindeutig. Gemeinden können sich nicht vor dem Aufstellen von Mobilfunkmasten schützen. Ettal geht‘s da nicht anders. 
Hitzige Debatte über Mobilfunkmast in Graswang: Bürger lassen nicht locker
Bär an Grenze gesichtet - Almwirte fordern Abschuss - Experte: Tier könnte längst in Bayern sein
Ein Braunbär ist an der Grenzen zu Bayern in eine Fotofalle getappt. Es ist bereits die zweite Bären-Sichtung in der Region in diesem Jahr. Ist das Tier gefährlich?
Bär an Grenze gesichtet - Almwirte fordern Abschuss - Experte: Tier könnte längst in Bayern sein
Der Gudiberg ist zurück: zwei Slalom-Wettbewerbe im Jahr 2022
Damit hat wohl keiner gerechnet: Auf dem Gudiberg werden wieder Weltcup-Rennen ausgetragen. 2022 finden dort zwei Slalom-Wettbewerbe statt. Mit dieser Nachricht …
Der Gudiberg ist zurück: zwei Slalom-Wettbewerbe im Jahr 2022
Begehrtes Riegseer Bürgermeisteramt: Run aufs Rathaus
In Riegsee bringen sich offenbar mehrere potenzielle Kandidaten in Stellung, die ins Rennen um das Bürgermeisteramt gehen wollen. Mindestens ein Interessent würde die …
Begehrtes Riegseer Bürgermeisteramt: Run aufs Rathaus

Kommentare