kommunaler Wohnbau am Längenfeldweg in Murnau
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Eine neue Genossenschaft will bezahlbaren Wohnraum in Murnau schaffen (das Symbolbild zeigt den kommunaler Wohnbau am Längenfeldweg in Murnau 2019).

Kommunales Grundstück fehlt noch

Wohnbau: Murnauer Bürgergenossenschaft will im Frühjahr „durchstarten“

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Im Frühjahr will die neue Murnauer Bürgergenossenschaft richtig loslegen. Ihr Ziel: bezahlbaren Wohnraum schaffen für Einheimische und Menschen, die im Ort arbeiten. Der Vorstand muss eine wichtige Hürde überwinden. Denn: Die Genossen benötigen erst mal kommunale Flächen, um bauen zu können.

  • In Murnau befindet sich eine neue Bürgergenossenschaft für Wohnbau in Gründung.
  • Ihr Ziel ist es, günstigen Wohnraum zu schaffen: für Einheimische und für Menschen, die in Murnau arbeiten.
  • Zu diesem Zweck ist vorgesehen, kommunale Flächen im Rahmen eines Erbpachtmodells zu bebauen.
  • Noch steht der Genossenschaft kein Grundstück zur Verfügung

Murnau – In den Worten von Veronika Jones schwingt Stolz mit – vor allem darüber, wie schnell die Beteiligten letztlich die neue Murnauer Bürgergenossenschaft auf den Weg gebracht haben. „Die Gründung lief in weniger als einem halben Jahr“, sagt die Grünen-Fraktionssprecherin im Murnauer Gemeinderat, die die Kooperative angestoßen hat. Sie schwärmt von einem „tollen Prozess“ und einem „großartigen Team“. Jones sitzt neben Elmar Hayn und Jan-Ulrich Bittlinger, beruflich der Wirtschaftsförderer der Marktgemeinde, im Aufsichtsrat der Genossenschaft, betont aber, es handle sich bei dieser um „nichts Parteipolitisches“ und man habe „kein Eigeninteresse“. Den Vorstand bilden Franz Reger und Franziska Besser. Am morgigen Donnerstag werden Vorstand und Aufsichtsrat die nächsten Schritte besprechen – darunter die Aufnahme von Mitgliedern.

Murnauer Bürgergenossenschaft: „Eintrittsgeld“ ist ein Anteil zum Preis von 1000 Euro

Interesse scheint vorhanden: Hinter der Idee versammelten sich nach Angaben von Jones vor der Pandemie rund 300 Interessierte, die teilweise genossenschaftlich wohnen wollten. Man könne jedoch auch nur investierendes Mitglied werden, sagt Jones. Wer dabei sein möchte, muss als eine Art Eintrittsgeld einen Genossenschaftsanteil zum Preis von 1000 Euro erwerben – und nach Einkünften gestaffelt weitere, will man eine Wohnung zugeteilt bekommen. Die fünf Funktionäre wohnen – mit Ausnahme von Aufsichtsrats-Chef Elmar Hayn (Nürnberg), der Erfahrung auf diesem Gebiet besitzt – in der Region.

Besonderes Einheimischen-Modell: In einer teuren Gegend soll günstiger Wohnraum entstehen

Auf die Menschen vor Ort zielt auch die Bürgergenossenschaft ab, die sich rechtlich gesehen noch in Gründung befindet – Reger rechnet in den nächsten zwei bis sechs Wochen mit Nachricht vom Registergericht, dass der Eintrag vollzogen ist. Über die Kooperative sollen Einheimische und in Murnau Beschäftigte in dieser teuren Gegend zu günstigem Wohnraum kommen. Man will kommunale Flächen im Rahmen eines Erbpachtmodells genossenschaftlich bebauen – „mit einem Erbpachtzins, der gegen null geht“, wie Jones sagt. Ein Flächenkauf, erklärt die Grünen-Politikerin mit Blick auf astronomisch hohe Marktpreise, „scheint ziemlich ausgeschlossen. Ist das Grundstück nicht günstig, geht die Rechnung nicht auf“. Reger, den der politische Wunsch antreibt, auf diesem Feld langfristig etwas zu bewegen, bestätigt: „Es kommt nur Erbpacht in Frage.“

Der große Haken: Bislang stehen keine Flächen für eine Bebauung zur Verfügung

Der große Haken an der Sache: Bislang stehen keine entsprechenden Flächen zur Verfügung, Wohl und Wehe der Genossenschaft hängt davon ab, dass Gemeinde und Politik mitziehen. „Es wäre schön, wenn die Kommune Mitglied wird“, sagt Jones. In ihren Augen gäbe es mehrere Grundstücke, die für dieses Projekt in Frage kämen. Es sei „Aufgabe“ des Genossenschafts-Vorstands, das Gespräch mit dem Eigentümer zu suchen. Damit wäre unter anderem Reger am Zug, der um die kommunale Gunst schon mal wirbt: Die Gemeinde erhalte mit dem genossenschaftlichen Modell eine „Plattform, um langfristig gesicherten sozialen Wohnraum zu bieten“. Noch bremst Corona vieles aus. Doch Ingenieur Reger scheint voller Elan, kündigt an: „Wir wollen nach dem Lockdown im Frühjahr durchstarten.“

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