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Wertvoller Baugrund: das Areal am alten Gemeinde-Krankenhaus. 

Rathaus-Verwaltung soll Kalkulationen vorlegen 

Wohnbauprojekt auf James-Loeb-Areal: Die Zeit der Rechenspiele

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Das Murnauer James-Loeb-Areal gilt als Filetgrundstück und dürfte entsprechend wertvoll sein. In der politischen Debatte über eine Bebauung rückt daher die Frage in den Vordergrund, ob sich dort bezahlbare Mietwohnungen überhaupt realisieren lassen. Die Rathaus-Verwaltung soll nun Kalkulationen vorlegen.

Murnau – Das Thema schlägt bereits seit längerer Zeit hohe Wellen: Die Marktgemeinde Murnau hat bekanntlich vor, auf dem weiträumigen Areal am alten Gemeinde-Krankenhaus bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Gespräch sind Mieten zwischen acht und zehn Euro pro Quadratmeter (ohne Förderung), was für einen Neubau am Staffelsee in der Tat attraktiv wäre. Dazu soll das besagte Gelände, das der Kommune gehört, einer Genossenschaft zur Verfügung gestellt werden, aller Voraussicht nach in Form eines Erbpachtmodells.

Doch der Baugrund in Bestlage dürfte einen hohen Wert haben. Grobe Schätzungen gehen von einem Quadratmeterpreis in Höhe von mindestens 1000 Euro aus. Entsprechend hoch dürfte der Erbpachtzins ausfallen. Die Ortspolitik muss sich daher mit zwei heiklen Fragen auseinandersetzen: Ist vor diesem Hintergrund eine Genossenschaft überhaupt in der Lage, dort günstige Wohnungen zu errichten? Und: Wäre die Gemeinde bereit, dies mit einem Nachlass beim Erbpachtzins zu fördern?

„Wir müssen ein Gefühl dafür bekommen, wie wertvoll dieses Grundstück ist“, brachte in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses Mehr-Bewegen-Chef Phillip Zoepf ein zentrales Anliegen auf den Punkt. Nach einem lebhaften Schlagabtausch – den Anstoß hatte ein CSU-Antrag geliefert – sprach sich das Gremium einstimmig dafür aus, die Verwaltung damit zu beauftragen, verschiedene Rechenvarianten vorzulegen. „Ich verstehe, dass man ein Gefühl dafür entwickeln möchte, wo man liegt“, meinte Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Einfach sind diese Zahlenspiele nicht, weil sie zum Beispiel sehr stark davon abhängen, wie umfangreich die Fläche bebaut werden darf und wie viele Geschosse erlaubt sind. Ein Bebauungsplan wird gerade erst erarbeitet.

Für Michael Manlik, Sprecher der Bürgermeisterpartei ÖDP/Bürgerforum, steht fest, dass die Entstehung von Unterkünften, die sich auch die unteren und mittleren Einkommensschichten leisten können, oberste Priorität haben muss: „Das dient dem Gemeinwohl. Wir können mit dem Erbpachtzins runtergehen.“ In anderen Gemeinden werde dies auch so praktiziert. Rechtlich spräche offenbar nichts dagegen.

Das sahen weitere Redner ganz anders. „Wir können nichts herschenken“, betonte Regina Samm. Die Vorsitzende der CSU-Fraktion hatte sich kürzlich ablehnend gegenüber dem Genossenschaftsprojekt positioniert und dafür plädiert, das James-Loeb-Areal lieber als „Notgroschen“ ruhen zu lassen. Ihr Parteifreund Michael Hosp fügte in der Sitzung hinzu: „Wir müssen genauso wirtschaftlich arbeiten wie jeder andere Betrieb auch.“ Und Welf Probst, Sprecher der Freien Wähler, bezweifelt sogar, dass das Vorhaben an der Stelle eine gute Idee ist: „Wir müssen uns die Frage stellen: Ist das ein geeigneter Standort?“

Ebenfalls beschlossen wurde in der Sitzung, dass die Verwaltung einen Kriterienkatalog für eine Ausschreibung prüft, den das ÖDP/Bürgerforum vorgelegt hatte und der von den anderen Gruppierungen erweitert werden kann. Dabei geht es um Vorgaben, an die sich die Genossenschaft halten muss, die den Zuschlag erhält. Dazu zählen etwa der gewünschte Mietpreis und eine Mitsprache bei der Belegung.

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