+
Erfolgreiche Initiative: Stefan Kurz (l.) übergibt an Bürgermeister Rolf Beuting die Listen mit 250 Unterschriften. Die Forderung: ein Einheimischenmodell.

Wohnraumnot zentrales Thema auf Bürgerversammlung

250 Unterschriften für Murnauer Einheimischenmodell

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
    schließen

Die akute Wohnraumnot brennt den Murnauern auf den Nägeln. Dies wurde auf der Bürgerversammlung deutlich. Stefan Kurz übergab an Rathauschef Rolf Beuting Listen mit 250 Unterschriften. Die Forderung: ein Einheimischenmodell, damit auch junge Menschen eine Perspektive haben, im Ort zu bleiben.

Murnau – Das Problem ist seit Jahren ein Dauerbrenner in Murnau: Es fehlt bezahlbarer Wohnraum. Es verwundert daher nicht, dass dieses Thema auf der Bürgerversammlung im Mittelpunkt stand und im Laufe des Abends immer wieder zur Sprache kam – sowohl im Bericht des Bürgermeisters als auch in den Anfragen und Beiträgen. Insgesamt hatten rund 150 Besucher den Weg ins Kultur- und Tagungszentrum gefunden, darunter Landrat Anton Speer (Freie Wähler), der in seinem Grußwort einen Überblick über Kreisprojekte gab, sowie Vertreter der Ortspolitik, der Verwaltung und des öffentlichen Lebens.

„Die Immobilienpreise sind katastrophal geworden“, betonte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Mieten in Höhe von 15 Euro pro Quadratmeter seien mittlerweile keine Seltenheit – und der Quadratmeter Bauland werde mitunter vierstellig gehandelt. „Für 90 Prozent der Bevölkerung ist das nicht bezahlbar“, resümierte das Gemeinde-Oberhaupt. Die Kommune müsse gegensteuern, damit sich auch Normal- und Geringverdiener Murnau leisten können. Beutings Appell: „Wir dürfen nicht einfach zuschauen.“ Er verwies auf die bereits auf den Weg gebrachten Wohnbau-Vorhaben am Längenfeldweg (29 Mietwohnungen, Fertigstellung: Ende 2020), an der Adalbert-Stifter-Straße (42 Sozialwohnungen und 7 Reihenhäuser, schrittweise Fertigstellung bis Ende 2022) und auf dem James-Loeb-Areal (genossenschaftlicher Wohnungsbau, in Planung).

Die Ansicht, dass Handlungsbedarf besteht, vertritt auch Stefan Kurz. Der 28-Jährige, der im Markt aufgewachsen ist und hier seine Zukunft sieht, sprach auf der Bürgerversammlung von einem „Verdrängungsprozess“, der derzeit stattfinde. Denn viele junge Murnauer hätten keine Chance, in ihrem Heimatort den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen, und müssten notgedrungen wegziehen. „Das betrifft die breite Masse“, befand Kurz. Im Umland sei die Situation nicht viel besser.

Zusammen mit Mitstreitern initiierte daher der Betriebswirt, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Augsburg tätig ist, eine Unterschriftenaktion für bezahlbaren Baugrund. Das Anliegen: Der Gemeinderat soll ein Einheimischenmodell, für das sich das Gremium ausgesprochen hat, voranbringen. Die Resonanz war groß: 250 Unterstützer kamen in kurzer Zeit zusammen – und die Listen bekam jetzt Beuting ausgehändigt.

Der Rathauschef begrüßte den Vorstoß: „Es ist ein wichtiges Thema für den Markt Murnau, und es freut mich, dass so viele Menschen dafür einstehen.“ Er könne zwar noch nicht öffentlich über konkrete Grundstücke sprechen. Aber er werde im Winter dem Gemeinderat einen Vorschlag machen, wo seiner Ansicht nach ein Einheimischenmodell möglich wäre. Beuting betonte, ihm gehe es nicht nur darum, dass die Jungen im Ort bleiben können, sondern auch die Möglichkeit haben, beispielsweise nach ihrer Berufsausbildung zurückzukehren.

In der zweieinhalbstündigen Veranstaltung drehte sich aber nicht nur alles um die Immobilien-Krise. Beuting nutzte die Gelegenheit, ein erstes, positives Resümee über die Amtsperiode 2014 bis 2020 zu ziehen. Tenor: Der Markt stehe finanziell gut da und habe viel geschafft. „Sie haben einen fleißigen Gemeinderat und eine tüchtige Gemeindeverwaltung“, sagte Beuting zu den Besuchern. Es stünden aber große Herausforderungen an, ob nun der Bau des neuen Feuerwehrhauses oder die Digitalisierung.

Auch in den Anfragen wurde eine Vielzahl an Themen aus den unterschiedlichsten Bereichen angesprochen, angefangen beim Verkehr bis hin zur Landwirtschaft. Rolf Krüger wollte zum Beispiel wissen, was aus der alten Post werden soll. Das markante Bauwerk am Ödön-von-Horváth-Platz, das der Kommune gehört, weckt bekanntlich viele Begehrlichkeiten. Derzeit sei es an die Deutsche Post vermietet, die dort ein Paketzentrum betreibe, berichtete Beuting. Das Unternehmen suche zwar einen neuen Standort. Doch solange dieser nicht feststehe, müsse man in Sachen Folgenutzung nicht tätig werden.

Sorgen bereitet Gerda Lukas und Stefan Reich der neue Mobilfunkstandard 5G. Die beiden befürchten eine erhöhte Strahlenbelastung und in der Folge gesundheitliche Gefahren. „Das ist eine Glaubensfrage“, meinte dazu Beuting. Bislang habe die Wissenschaft mögliche Risiken noch nicht klar beschrieben. Die Gemeinde werde jedenfalls vorerst keine eigenen Flächen oder Gebäude für entsprechende Anlagen zur Verfügung stellen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare