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Gemeinsames Projekt: Wolfgang Beltracchi (r.) und Christian Zott.

Tour durch die Kunstgeschichte

Ex-Fälscher Beltracchi plant Ausstellung in Unterammergau

Der legendäre Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi will seine legalen Bilder in Unterammergauer Kunsthalle ausstellen. Die Künstler des Blauen Reiters nehmen dabei einen besonderen Platz ein.

Murnau – Wolfgang Beltracchi, Maler und legendärer Kunstfälscher, fasziniert die Menschen. Bei Kunstsammlern und Museumsdirektoren dagegen ist er nicht so angesehen. Er könne das gar nicht verstehen, sagt Beltracchi scherzend, „die haben doch lauter Bilder von mir in ihrer Sammlung hängen“. Vor einigen Tagen war Wolfgang Beltracchi in Murnau. Ein bisschen wirkt der inzwischen 66 jährige Maler wie ein gut gelaunter und etwas ergrauter Hippie. Ein netter Typ, der gerne scherzt. Sein großes Talent ist, dass er malen kann wie die Meister. Und zwar so täuschend, das selbst Experten seinen Werken im Stil der Maler verschiedener Epochen der Kunstgeschichte immer wieder Echtheit bescheinigt haben.

Da wird sich manch einer ins Fäustchen lachen, der schon immer gefragt hat, warum ein Bild mit Signatur so viel mehr wert sein kann als ohne, warum ein abstraktes Bild von Kandinsky für Millionen gehandelt wird und ein ähnliches von Lieschen Müller nicht an den Mann zu bringen ist. Wolfgang Beltracchi hat viel Geld mit seinen Fälschungen verdient – und ist dafür ins Gefängnis gegangen. Nach Murnau kam er für ein neues Projekt, bei dem er sein Talent auf ganz legale Weise ausleben kann. Gemeinsam mit dem Unternehmer Christian Zott, hat Beltracchi eine Vision: 23 bisher ungemalte Momente der Kunstgeschichte will er schaffen. Jeweils im Stil eines Meisters, von der Frühzeit bis zur klassischen Moderne.

Bei dieser schöpferischen Tour durch die Kunstgeschichte nehmen natürlich auch die Künstler des Blauen Reiter einen besonderen Platz ein. Kandinsky und Franz Marc gründeten die Redaktion der Blaue Reiter 1911, nachdem sie aus der Neuen Künstler Vereinigung München ausgetreten waren. Anlass für den Bruch war ein Bild Kandinskys, die Komposition V, das für eine Ausstellung abgelehnt worden war, weil es zu groß war. Das entsprach nicht den Regeln – und das gefällt Beltracchi. Kurzerhand hat er ein Bild entworfen, das mit etwa fünf Quadratmetern die Größe von Kandinskys abgelehnter Arbeit hat. Als „Maler“ für dieses Werk hat er sich den jüngsten der Blauen Reiter, Heinrich Campendonk, ausgewählt, dessen Stil und Arbeitsweise Beltracchi bereits seit den 80-er Jahren gut kennt. Das Besondere an diesem Werk: es zeigt sechs der Protagonisten des Blauen Reiter, unterhalb des Münterhauses versammelt. Jeder von ihnen hat eine Malpappe auf der Staffelei, und darauf soll jeweils eine Ansicht des Hauses im persönlichen Malstil entstehen. Die Unterzeichnung des Werkes ist bereits fertig und auch ein paar Teile sind ausgeführt. Zum Beispiel zwei Katzen, die an die Bilder von Franz Marc erinnern, sind bereits zu erkennen.

Wenn alle 23 Bilder fertig sind, soll die Ausstellung, zu der auch eine Fotoserie von Mauro Fiorese gehört, zunächst in Venedig – und dann an verschiedenen anderen Orten gezeigt werden, bis sie schließlich bei Unterammergau, in einer eigens dafür eingerichteten Kunsthalle, ihren Platz finden soll. Christian Zott, der das Projekt mit Begeisterung begleitet und finanziert, stammt aus Unterammergau, und er ist überzeugt davon, dass dies der richtige Ort für die ungewöhnliche Kunstsammlung sein wird. Die Aufmerksamkeit der Medien ist dem Projekt auf jeden Fall sicher.

Heribert Riesenhuber

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