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Per Hand stellt Mesner Peter Schäfer die Uhr an der Maria-Hilf-Kirche in Murnau auf die Sommerzeit um. Eine Ausnahme im Landkreis.

Zeitumstellung bei Kirchenuhren: Meistens funktioniert‘s automatisch, doch es gibt Pannen

Nur in Murnau geht die Uhr noch anders

Jedes Jahr passiert’s: Ein paar Gläubige kommen eine Stunde zu spät in den Gottesdienst. Die Zeitumstellung ist schuld. An den Kirchturmuhren läuft die mittlerweile automatisch. Trotzdem nicht immer reibungslos. Und es gibt eine Ausnahme.

Georg Kriner musste die Uhr in Mittenwald vor vielen Jahr noch per Hand umstellen - eine „Katastrophe“, sagt er heute.

Landkreis – Einer stand im Garten, der Regisseur. Einer im Gang. Er gab die Kommandos des Regisseurs weiter. An den dritten – in der Sakristei. Dort stand Georg Kriner. Der Uhren-Vorsteller. Er drückte auf eine Taste, und der Zeiger der Mittenwalder Kirchturmuhr sprang zwei Minuten nach vorne. Eigentlich also hätte Kriner, 36 Jahre lang Mesner, nur mitzählen müssen: 30 Mal drücken für eine Stunde vorstellen. Aber nicht bei jedem Impuls hüpfte der Zeiger. Also brauchte er den Regisseur. „Schorsch, wir ham noch zehn Minuten“, rief er. „Noch zehn Minuten“, rief der Mann im Gang. Eine Viertelstunde waren die drei mindestens beschäftigt, bis die Uhr die Sommerzeit zeigte. „Katastrophe.“

Lang ist’s her. Über 20 Jahre. Längst hat St. Peter und Paul auf Funk umgestellt. Wie fast jede Kirche. Die Uhren laufen nach der Atomuhr, zeigen sekundengenau die Zeit und wandern Sonntagfrüh bei der Zeitumstellung um 2 Uhr automatisch eine Stunde nach vorne. Nur eine Ausnahme gibt es im Landkreis: die Maria-Hilf-Kirche in Murnau.

In Murnau die Uhr noch nie falsch gestellt

Peter Schäfer steht am Uhrwerk im Kirchturm vor einem 15 Zentimeter großen Ziffernblatt – sie ersetzt den Regisseur. Die Kirchturmuhr in Miniaturformat beobachtet der Mesner genau, wenn er den Minutenzeiger jedes Jahr im Frühjahr nach vorne sausen lässt. Dafür aber steht der Murnauer nicht um 2 Uhr morgens auf. Das erledigt er Samstagabend oder Sonntagfrüh. Da kann er sich wohl auch besser konzentrieren. Falsch gestellt jedenfalls hat Schäfer die Uhr noch nie. Auf ihn ist Verlass. Auf die Elektronik nicht immer.

In Schlehdorf etwa ignorierte die Kirchturmuhr vor einem Jahr die neue Zeit – der Funkempfänger war kaputt. Vor der Renovierung aber wollte die Pfarrei nichts mehr investieren. Deshalb dreht die Mesnerin dort die Uhr ausnahmsweise per Hand nach vorne.

Plötzlich läuteten die Glocken eine Stunde zu früh

Probleme mit der Funkverbindung kennt Anton Schretter, seit 18 Jahren Mesner in Partenkirchen. Einmal klappte die Umstellung auf die Winterzeit nicht. Plötzlich läuteten die Glocken um 5 statt um 6 Uhr zum Gebet. „Das hat die Leute verwirrt. Die hören auf die Glocken.“ Kaum einer weiß das besser als Bad Kohlgrubs Pfarrer Rudolf Scherer. Er wuchs neben der Garmischer Kirche auf. Eine Uhr hing bei der Familie nur in der Küche, sonst reichte ein Blick aus dem Fenster oder ein Mitzählen beim Glockenläuten.

Auch das funktioniert fast überall automatisch. Zu besonderen Anlässen starten die Mesner die Motoren der Glocken per Hand, fixe Termine sind programmiert. Aufpassen ist trotzdem wichtig. An Gründonnerstag etwa müssen die Mesner die Automatik ausschalten. In Garmisch hat man das angeblich mal vergessen – und plötzlich erklangen Glocken, die laut Legende nach Rom geflogen waren.

Pfarrer Walter ließ die Gläubigen warten

Glocken, Uhrzeit – alles lief damals in Hörzhausen richtig. Pünktlich angefangen hat der Gottesdienst dennoch nicht. Weil der Pfarrer fehlte. Robert Walter, zwischen 1999 und 2004 Pfarrer in dem Ort bei Schrobenhausen und heute der Pfarreiengemeinschaft Seehausen, hatte die Sommerzeit übersehen. „Der Mesner hat bei mir geklingelt.“

Beinahe wäre seinem Partenkirchner Kollegen Andreas Lackermeier ein ähnliches Umstellungs-Malheur passiert. Vor einigen Jahren als Kaplan in Garmisch. Die Sommerzeit fiel auf Ostersonntag. Um 5 Uhr begann die Messe. Doch genau in dieser Nacht – Stromausfall, der Radiowecker blieb stumm. Trotzdem wachte Lackermeier pünktlich um 4 Uhr neuer Zeit auf. Zufall oder Glück, der Pfarrer weiß es nicht. „Vielleicht war’s auch der Heilige Geist.“

„Gedrückt, bis der Finger wund war“

Der passte in Mittenwald mal kurz nicht auf. Der Stopp-Ruf des Regisseurs erreichte den Impulsgeber zu spät, der Zeiger sprang um zwei Minuten zu weit. Zurückstellen, Anhalten – ging nicht. Also schob Kriner die Zeiger um zwölf Stunden nach vorne. Zwei Minuten pro Impuls. „Ich hab’ gedrückt, bis der Finger wund war.“

So funktioniert die Zeitumstellung

So eine Uhr, meint der langjährige Mesner Georg Kriner, „die ist doch nicht blöd“. Und blöd wär sie ja, wenn sie beziehungsweise die Glocken Sonntagfrüh zweimal erklingen würden, obwohl es nach der Sommerzeit bereits 3 Uhr ist. Offenbar sind die Uhren dümmer als gedacht: Es läutet zweimal – dreimal fällt in dieser Nacht aus. Das erklärt Sören Draack von der Firma Turmuhren Rauscher in Regensburg. Als Standartwert gilt ihm zufolge: Um eine Minute aufzuholen, braucht der Zeiger sechs Sekunden. Bedeutet: Nach 6 Minuten und 36 Sekunden zeigt die Kirchenuhr die richtige Zeit. Im Winter setzen die Uhren einfach eine Stunde aus.

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