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Gerät in der Debatte um Kindergartenplätze in die Schusslinie: Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting. Auf diesem Archivfoto ist der Rathauschef zu sehen, wie er kostenlose Malbücher an die Knirpse des Gemeinde-Kindergartens verteilt.

Dicke Luft im Murnauer Gemeinderat

Generalabrechnung mit Beutings Kita-Politik

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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In Murnau sind Kita-Plätze eine Mangelware. Doch es zeichnet sich eine Lösung ab: Eine zusätzliche Gruppe soll im Gebäude 120 im Kemmelpark entstehen. Dies beschloss der Gemeinderat in einer emotional aufgeladenen Sitzung. Bürgermeister Rolf Beuting wurde dabei für seine Vorgehensweise in der Sache scharf kritisiert.

Murnau – Murnaus Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) bekam in der Vergangenheit häufig den Vorwurf zu hören, allzu gerne im Alleingang vorzupreschen und den Gemeinderat nicht ausreichend mitzunehmen. An dieser Kritik hält auch das neugewählte Gremium fest, wie in der Sitzung am Donnerstagabend im Kultur- und Tagungszentrum unmissverständlich zu hören war. Der Ton, den mehrere Redner anstimmten, war sogar rauer als sonst. „Das war eine Generalabrechnung“, meinte ein Teilnehmer tags darauf.

Der Anlass für die hitzigen Wortgefechte war ein Thema, das in der Vergangenheit immer wieder die Ortspolitik beschäftigte: der Mangel an Betreuungsplätzen für Mädchen und Buben. Für das kommende Kindergartenjahr zeichnet sich ein besonders eklatanter Engpass ab: Es fehlen nach dem aktuellen Stand gleich 25 Plätze.

Doch eine Lösung ist jetzt endlich in Sicht: Nach einem längeren Hin und Her folgte der Gemeinderat einer Empfehlung der Verwaltung und sprach sich einstimmig für eine von drei vorgelegten Varianten aus. Eine zusätzliche Kindergartengruppe soll demnach in den ehemaligen, rund 150 Quadratmeter großen Räumen des Rehasport-Anbieters „Bewegungsgarten“ eingerichtet werden, der, wie an dem Abend zu erfahren war, im Zuge der Corona-Krise aufgeben musste und den Mietvertrag kündigte. Der Standort befindet sich im Kemmelpark im Erdgeschoss des Gebäudes 120 C, einer gemeindeeigenen Liegenschaft. Allerdings müssen zuerst noch eine Nutzungsänderung genehmigt und Umbauten (Gesamtkosten: rund 90 000 Euro) vorgenommen werden. Als Betreiberin steht anscheinend die evangelische Kirche schon in den Startlöchern, deren Kindertagesstätte „Bienenhaus“ sich ganz in der Nähe befindet. Bereits im September soll’s losgehen.

Die anderen beiden Alternativen wurden verworfen: Eine Containerlösung in einer bestehenden Betreuungseinrichtung hätte den Nachteil, hieß es, dass sich die Spielfläche im Garten verkleinern würde. Außerdem bräuchte man eine längere Vorlaufzeit. Und die Schaffung einer Waldkindergarten-Gruppe, die zuletzt favorisiert worden war, werde nicht zur Befriedigung des Grundbedarfs anerkannt.

Einige Volksvertreter stimmten offenbar zähneknirschend dafür, das Projekt anzupacken. Die Rede war von einer Übergangslösung – ein Begriff, der zunächst auf Anregung von Veronika Jones (Grüne) per Zusatzbeschluss festgehalten, später dann aber im nichtöffentlichen Teil der Versammlung dem Vernehmen nach zurückgenommen wurde. Die Gruppe soll wohl doch etwas Dauerhaftes werden.

„Uns ist die Zeit davongelaufen. Wir haben keine andere Chance“, ärgerte sich Mehr-Bewegen-Chef Phillip Zoepf. „Wir stehen vor einem Scherbenhaufen“, befand Grünen-Sprecherin Jones. Das Problem mit den fehlenden Kita-Plätzen sei seit Jahren bekannt.

Mehrere Redner nahmen Bürgermeister Beuting in die Mangel, beschwerten sich über das aus ihrer Sicht intransparente Prozedere. Tenor: Der Gemeinderat sei schlecht informiert worden. „Der ganze Vorgang ist schwer zu durchschauen“, bemängelte Rudolf Utzschneider, Fraktionsvorsitzender der CSU – und legte etwas später nach: „Das ist unter aller Würde.“

Dass die Emotionen derart hochkochten, hatte auch mit dem Aus des beliebten „Bewegungsgartens“ zu tun, der rund 200 Teilnehmer zählte. „Die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, ist unterirdisch“, resümierte SPD-Einzelkämpfer Felix Burger auf Nachfrage. Beuting hätte seiner Meinung nach mehr Entgegenkommen zeigen und einen beherzteren Rettungsversuch unternehmen müssen. Außerdem habe der Gemeindechef in seinen Darstellungen der Verhandlungen „alternative Fakten“ geliefert, behauptete Burger. Seinen Schilderungen zufolge bat die Betreiberin des „Bewegungsgartens“ die Gemeinde um eine Mietminderung, die ihr aber nicht gewährt worden sei. Nur ein Aufschub der Zahlung sei angeboten worden.

Beuting ließ in der Debatte die Attacken abprallen – und wies die Vorwürfe von sich: „Wir streiten um des Kaisers Bart.“ Er sei froh, dass es nun in Sachen Kindergartenplätze eine Lösung gebe. Und diese sei „nicht die schlechteste“. Nicht einverstanden war der Bürgermeister damit, dass Burger im öffentlichen Teil der Sitzung die heikle Causa „Bewegungsgarten“ ausbreitete. Damit werde Vertrauen zerstört, kommentierte Beuting. Und es würden „Dinge verdreht“. Die Geschäftsaufgabe sei eine „eigenständige unternehmerische Entscheidung“ gewesen. Die Kommune habe sehr wohl versucht zu helfen. Beutings Fazit: „Wir lassen uns die Verantwortung nicht in die Schuhe schieben.“

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