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Seit einem Jahr gesperrt: die Schlossbergstraße. Der Grund ist die Rathaus-Baustelle.

Verkehr im Murnauer Ortszentrum

Untermarkt: Die große Streitfrage

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Genau ein Jahr ist es her, dass im Zuge der Rathaus-Sanierung die Murnauer Schlossbergstraße gesperrt wurde – mit tiefgreifenden Folgen für den Verkehr im Untermarkt. Die Meinungen dazu gehen nach wie vor weit auseinander.

Murnau– Autofahrer, die vom Süden her in Murnaus „gute Stube“ wollen, haben es derzeit nicht leicht: Denn der Untermarkt südlich der Fußgängerzone, eigentlich der direkte Weg in die Ortsmitte, ist vorübergehend eine Sackgasse. Der Grund ist bekannt: Die Baustelle vor dem Rathaus, die eine Vollsperrung der Schlossbergstraße nötig machte.

Wann diese Regelung aufgehoben werden kann, ist laut Rathaus-Verwaltung „derzeit noch nicht absehbar. Die Sperrung kann sich bis ins Jahr 2018 erstrecken“. Zwar rechne man damit, dass der Kran in den nächsten Wochen abgebaut werde, jedoch würden dann die Verputzsilos an dieser Stelle positioniert. Eine Einbahnregelung sei nicht geplant, allerdings ein breiterer Durchgang für Fußgänger und Radfahrer.

Die entscheidende Frage lautet: Ist der jetzige Zustand mit dem zwangsweise verkehrsberuhigten Untermarkt gut oder schlecht? Das Thema polarisiert – und ist zum Politikum geworden. Auch nach der einjährigen „Testphase“ gibt es noch kein eindeutiges Meinungsbild. Die einen würden lieber heute als morgen die Fußgängerzone im Untermarkt erweitern – und erhoffen sich davon mehr Einkaufs- und Lebensqualität. Die anderen warnen vor solch einem Schritt und befürchten Nachteile für die Geschäfte im Zentrum. Hinzu kommt, dass jeder Eingriff in die Verkehrsströme Folgen hat und möglicherweise Belastungen nur verlagert. Eine endgültige Entscheidung des Gemeinderats steht noch aus.

Laut Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) kommt dem Ortskern eine besondere Bedeutung zu: „Hier müssen wir die Erreichbarkeit gewährleisten und gleichzeitig die Attraktivität als Einkaufsstadt und Tourismusdestination unter einen Hut bekommen“, erklärt er auf Nachfrage. Für den Untermarkt stellt er sich einen Kompromiss vor: Eine starke Verkehrsberuhigung, „die den Schaufensterbummel und das Flanieren ebenso wie das Verweilen in Cafés und Restaurants ermöglicht.“ Nach Ansicht des Rathaus-Chefs sollte man einen „ebenengleichen Ausbau des Untermarkts angehen, den alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt benützen können“. Damit werde der Durchgangsverkehr unterbunden, der seiner Meinung nach im Zentrum nichts zu suchen hat. „Gleichzeitig bleibt die Erreichbarkeit der Parkplätze am Schloss und der Lederergasse gewährleistet, und auch die Geschäfte können von Süden angefahren werden“, sagt Beuting.

Die Erfahrungen der Geschäftsleute im Untermarkt sind sehr unterschiedlich: Begeistert von der aktuellen Situation ist beispielsweise Alois Steiger, der einen kleinen Schmuck- und Lederwaren-Laden betreibt. „Es ist viel entspannter“, sagt er. Die gemütliche Bummel-Atmosphäre habe sich bei ihm auch positiv auf den Umsatz ausgewirkt. Steiger würde nicht lange fackeln – und eine verlängerte Fußgängerzone schaffen. Zu einem ganz anderen Schluss kommt der Freie-Wähler-Chef und Handwerksmeister Welf Probst, der ebenfalls seinen Betrieb in dem Abschnitt hat. „Die Frequenz ist schlechter geworden“, sagt er. Die geschlossene Schlossbergstraße sei eine Belastung. Er sei froh, wenn der Untermarkt wieder für den Duchgangsverkehr freigegeben wird.

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