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Zwei, die sich gut verstehen: Murnaus Altbürgermeister Werner Frühschütz (r.) und der amtierende Rathaus-Chef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Das Foto entstand am Dienstagabend beim Neujahrsempfang der Marktgemeinde. 

Zum 80. Geburtstag von Werner Frühschütz

Murnau – eine Lebensaufgabe

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Ohne ihn wäre Murnau nicht der schmucke Ort geworden, der er heute ist: Werner Frühschütz war von 1978 bis 1996 Bürgermeister aus Leidenschaft und hinterließ tiefe Spuren. Auf sein Konto gehen beispielsweise die Entlastungsstraße und das Schloßmuseum. Der Oberammergauer feiert am Freitag, 12. Januar, seinen 80. Geburtstag.

Murnau/Oberammergau – Werner Frühschütz ist auch im hohen Alter noch Politprofi im Umgang mit Medien: Im Tagblatt-Gespräch überlegt sich der Senior mit dem markanten Vollbart seine Antworten sehr genau, um dann druckreife Zitate abzuliefern. Gesundheitlich hat er eine schwere Zeit mit langen Aufenthalten in Krankenhäusern hinter sich. Seiner großen Leidenschaft, dem Bergwandern, kann er seitdem nicht mehr nachgehen. „Ich bin trotzdem nicht unzufrieden, sondern dankbar“, sagt der Murnauer Altbürgermeister. Er genießt die Zeit mit seiner Frau Margarete – die beiden sind seit 55 Jahren verheiratet – und der Familie. Das Paar hat drei erwachsene Kinder und fünf Enkelkinder. „Das macht Freude. Wir verstehen uns alle“, sagt er.

Am Freitag, 12. Januar, wird Frühschütz 80 Jahre alt – und feiert dies mit rund 90 Gästen im Oberammergauer Hotel Böld, in dem er regelmäßig einen Stammtisch besucht. Überhaupt ist er bestens informiert und analysiert politische Themen mit einem scharfen Verstand. „Ich lese täglich zwei Zeitungen, damit ich weiß, was auf der Welt gespielt wird“, schmunzelt Frühschütz.

Vor vier Jahren entschieden sich er und seine Frau, Murnau zu verlassen und eine BRK-Einrichtung für betreutes Wohnen in Oberammergau zu beziehen. Das Passionsdorf ist seine Heimat: Hier wurde Frühschütz am 12. Januar 1938 geboren. Hier wuchs er auf, lebte mit seiner Familie und absolvierte die ersten Berufsjahre. „Wir haben uns sofort wieder daheim gefühlt“, berichtet er.

Der Diplom-Verwaltungswirt fing als junger Beamter in der Oberammergauer Gemeinde an. 1970 wechselte er in das damals neu gegründete Bayerische Umweltministerium und wurde enger Mitarbeiter von Minister Max Streibl (CSU). Mitte der 1970er Jahre kam die entscheidende Wendung: Die CSU-Nachwuchshoffnung wurde als potentieller Murnauer Bürgermeister und damit als Nachfolger von Wilhelm Simet ins Spiel gebracht. Frühschütz kannte den Markt gut, da er Streibls Stimmkreis betreute. „Das war eine unheimlich reizvolle Aufgabe“, sagt Frühschütz rückblickend. Denn als Rathaus-Chef konnte er selbstständig arbeiten und gestalten.

Er ließ sich auf die Offerte der Murnauer CSU ein, zog mit Kind und Kegel an den Staffelsee – und gewann bei der Kommunalwahl 1978 im ersten Durchgang gegen die Lokalmatadoren der anderen Parteien. Für ihn habe sich damit ein „Lebenstraum“ erfüllt, schwärmt der Oberammergauer noch heute. Denn: „Murnau ist etwas ganz Besonderes.“ 18 Jahre lang (drei Legislaturperioden), bis zum Beginn des Ruhestands 1996, stand er an der Spitze des Ortes – und prägte dessen Entwicklung entscheidend mit.

Seine größte Errungenschaft war zweifelsfrei die Entlastungsstraße. „Sie hat mich vom ersten bis zum letzten Tag meiner Amtszeit beschäftigt.“ Am 30. April 1996 konnte Frühschütz den Spatenstich für das ehrgeizige Projekt, das den innerörtlichen Verkehr entlastete und in der Folge die Fußgängerzone ermöglichte, feiern. Doch bis dahin war es ein steiniger Weg, vor allem der Immissionsschutz bereitete juristische Probleme. „Das war ein Kampf durch alle Gerichtsinstanzen“, sagt Frühschütz. Der Bau der Entlastungsstraße war aber in seinen Augen alternativlos. „Murnau wäre sonst kaputtgegangen.“

Auch beim Schloßmusem bewies das einstige Gemeinde-Oberhaupt Durchhaltevermögen. „Es war nicht ganz einfach, das durchzusetzen.“ Der damalige Bürgermeister machte sich dafür stark, den Schwerpunkt auf die neuere Ortsgeschichte und die Kunst zu legen, vor allem auf den Schriftsteller Ödön von Horváth und die Maler des Blauen Reiters. Und er fand mit Brigitte Salmen eine Expertin, die das 1993 eröffnete Haus zu dem machte, was es jetzt ist: eine international bekannte Vorzeige-Einrichtung – ein „Glanzlicht“, wie Frühschütz nicht ohne Stolz anmerkt.

Und wie beurteilt er den Markt heute? „Murnau ist ein Schmuckstück“, sagt Frühschütz. Der amtierende Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und der Gemeinderat leisteten gute Arbeit. Es sei nur schade, dass die Parteipolitik eine immer wichtigere Rolle einnehme.

Auf die CSU ist Frühschütz nicht mehr gut zu sprechen. 2014 kam es zum Bruch: Der Altbürgermeister trat aus – nach 44 Jahren Mitgliedschaft. Er sei mit einigen Positionen nicht einverstanden, erklärt er, etwa mit dem aktuellen Rechtsruck der Schwarzen, um die zur AfD übergelaufenen Wähler zurückzugewinnen. „Damit verliert man nur die Mitte“, warnt er. Und auch an der Murnauer CSU lässt Frühschütz kein gutes Haar. Diese sei nach der Wahlschlappe 2014 „dringend reformbedürftig“.

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