Mutmaßliches Opfer relativiert Aussagen

Vorwurf der sexuellen Nötigung: Wirt freigesprochen

Die Zweifel waren am Ende nicht aus dem Weg zu räumen: Ein Wirt aus dem nördlichen Landkreis ist am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen vom Vorwurf der sexuellen Nötigung frei gesprochen worden.

Garmisch-Partenkirchen – Der Mann musste zwei Mal erscheinen. Denn am eigentlichen Verhandlungstag, der vor ein paar Wochen stattfand, hatte das mutmaßliche Opfer, eine 19-jährige Weilheimerin, unentschuldigt gefehlt. Daher musste das Gericht einen weiteren Termin für die Schöffensitzung ansetzen. Diesmal erschien die junge Frau, allerdings nicht vormittags zur ausgemachten Zeit, sondern erst später.

Die angebliche sexuelle Nötigung soll am 30. Juni 2016 gegen Mitternacht in einem Lokal im Nordlandkreis passiert sein. Die Weilheimerin war dort damals mit einem männlichen Begleiter zu Gast. Als sie das Lokal verließen, soll der Mann sein Handy vergessen haben. Die Weilheimerin ist nach eigener Aussage daraufhin zurückgegangen, um es zu holen.

In der Küche, so gab es die Frau tags darauf gegenüber der Polizei an, habe der Wirt sie mit der Hand im Genitalbereich über der Hose angefasst und an der Brust gedrückt. Er soll versucht haben, ihre Hose zu öffnen. Außerdem habe er gesagt, „dass er mit mir schlafen will“. Er habe sie an sich gezogen und seine Zunge in ihren Mund einführen wollen. Der Mann soll zudem versucht haben, sie am Hals zu packen. Auch das Knie habe er ihr in den Bauch gerammt. Schließlich habe sie es geschafft, das Lokal zu verlassen. Direkt danach sprach sie von „Vergewaltigung“.

Der Staatsanwaltschaft warf dem Wirt sexuelle Nötigung sowie vorsätzliche Körperverletzung vor. Der Angeklagte wies dies bereits beim ersten Termin vor ein paar Wochen zurück: „Es gab keine Probleme. Ich habe nichts gemacht.“

Als die 19-Jährige vor dem Schöffengericht befragt wurde, relativierte sie ihre Aussagen deutlich, die sie vor einem Jahr bei der Polizei gemacht hatte. „Er hat mich an sich gezogen und versucht, mich zu küssen“, erklärte die 19-Jährige im Zeugenstand. Das habe nicht funktioniert. „Er soll die Finger von mir lassen“, habe sie ihm zu verstehen gegeben. „Er wollte nur seine Befriedigung.“ Der Wirt habe sie aber „untenrum und obenrum“ nicht angefasst. Einen Schlag will sie auch von dem Gastronomen abbekommen haben. Verletzungen wies sie am nächsten Tag keine auf. Jedenfalls hat sie den Mann nach eigenen Worten weggedrückt und daraufhin das Lokal verlassen. Danach fuhr sie mit ihrem Begleiter (50) und einem weiteren Mann nach Söchering zur Wohnung des 50-Jährigen. Von dort aus wurde sie dann mit dem Rettungswagen ins Klinikum gebracht.

Wie kommt es, dass ihre Aussagen so widersprüchlich ausfallen? Die junge Frau versuchte es damit zu erklären, dass sie tags darauf direkt nach dem Aufwachen von der Polizei befragt worden sei. Wie auch immer: An dem Abend muss sie sich im Lokal ziemlich aufgeführt haben. An Alkohol im Blut mangelte es nicht: Es waren rund zwei Promille. Auch Cannabis hatte sie konsumiert. An den Auftritt eines Musikers konnte sie sich gar nicht erinnern.

Staatsanwalt Andreas Weber zeigte sich angesichts der „deutlichen Widersprüche“ ungehalten. Er überlegte, gegen sie ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung und falscher Aussage anzustrengen. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Andreas Pfisterer konnte sich vorstellen, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 500 Euro einzustellen. Der Angeklagte lehnte dies jedoch ab, weil er nichts gemacht habe.

Letztlich konnten die Vorfälle jener Nacht nicht exakt rekonstruiert werden. „Was in der Küche passiert ist, lässt sich nicht abschließend feststellen“, sagte der Staatsanwalt. „Man kann nicht ausschließen, dass gar nichts stattgefunden hat.“ Daher plädierte er für Freispruch. Der Anwalt des Angeklagten schloss sich an.

Das Schöffengericht sah es am Ende genauso. „Für eine Verurteilung reicht es nicht“, betonte Pfisterer. Wobei es aber durchaus möglich sei, dass es einen Vorfall gab.

Roland Lory

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