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Murnau, die oberbayerische Schöne, sucht eine Partnerstadt.

Städtepartnerschaft

Hübsche Oberbayerin noch auf Partnersuche

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Murnau - Garmisch-Partenkirchen ist mehrfach verbandelt, auch Oberammergau und Mittenwald haben ihr Ja-Wort gegeben. Murnau blieb als einzige der vier großen Kreis-Gemeinden solo – also ohne Städtepartnerschaft. Das soll sich ändern, ist aber nicht ganz einfach.

Seit zwei Jahren befindet sich die Gemeinde Murnau offiziell auf Partnersuche. Die hübsche Oberbayerin steht nicht unter Druck, sieht sich aber ganz zwanglos ein wenig um auf dem Markt. Natürlich: Da gab es Kandidaten, doch irgendwie war schon vom ersten Eindruck her nicht der richtige darunter – von der großen Liebe ganz zu schweigen. 

Garmisch-Partenkirchen hat Aspen (seit 1966), Chamonix (1973) und Lahti (1987), Mittenwald hat Wyk auf Föhr, Oberammergau hat Mora (2001). Auch Murnau würde gerne eine Städtepartnerschaft eingehen, aber bisher kam die Geschichte nicht wirklich in Schwung. Die Fraktion ÖDP/Bürgerforum hatte das Thema vor rund zweieinhalb Jahren auf Tapet gebracht, der Gemeinderat folgte dem Vorschlag und sprach sich dafür aus, dass der Ort eine Städtepartnerschaft auf EU-Ebene anstrebt. Damit sollte „ein vereintes und liebenswertes Europa für die Bürger erlebbar“ werden.

Nun rückt das Vorhaben wieder in den Fokus der politischen Gremien. Es geht um die Schaffung einer neuen Referentenstelle für Städtepartnerschaften. Im Herbst soll der Punkt im Hauptausschuss vorbehandelt werden. Ein Referent – Mitglied des Gemeinderats – könnte dem Projekt, das seit 2014 nicht nennenswert vom Fleck kam, mehr Dynamik verleihen. In den Augen von Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) soll der Gremiumsvertreter ihn und die Verwaltung in Sachen Städtepartnerschaft etwas unterstützen, „damit das Thema nicht verloren geht“ – und nach Möglichkeit Bürger dafür gewinnen.

Denn an der Beteiligung der Basis haperte es bislang. Beutings Wunsch wäre es, dass eine Handvoll Interessierter ein Partnerschaftskomitee gründet und sich eine Steuerungsgruppe bildet, die den Prozess vorantreibt und in die Organisation einsteigt. Steht ein Ort fest, würden Bürgermeister und Gemeinderat die Beziehung pflegen. Doch die Freiwilligen, mit denen alles steht und fällt, „haben wir bisher nicht gefunden“, sagt Beuting. Und weil dieser „Grundbestandteil“ fehlte, ging trotz aller Bemühungen nichts voran.

Der Bürgermeister hält wenig davon, den Murnauern ihre Städtepartnerschaft überzustülpen: „Das wäre nur aufgesetzt – so etwas muss aus der Bevölkerung wachsen.“ An Partner-Vorschlägen mangelte es seit 2014 nicht – an die zehn kamen zusammen, etwa aus Italien, Frankreich, Ungarn, der Schweiz und Österreich. Diese wichen aber fast alle schon bei der Bevölkerungszahl, die man sich ähnlich groß wie in Murnau wünscht, deutlich ab. Auch Kontakte zu Konsulaten und Botschaften gab es. Doch Beuting ist klar: Eine Städtepartnerschaft gerade im EU-Ausland passt schlecht in die Zeit. „Europa hat nicht Konjunktur und befindet sich in einer schwierigen Phase.“ Eine Rückbesinnung aufs Nationale dominiert. Aber gerade deshalb, meint Beuting auch, sei eine Partnerschaft erforderlich. Wenn die Menschen diese mit Leben erfüllen. 

Die Oberammergauer taten’s nicht. 2001 sagten sie Ja zu Mora im Herzen Schwedens, eine große Liebe wurde nicht daraus. Die Partnerschaft sei „mittlerweile ein reiner Papiertiger und wird in keinster Weise gelebt“, sagt Christian Ostler, Geschäftsleiter der Gemeinde Oberammergau. Es blieb bei anfänglichen gegenseitigen Besuchen. Städtepartnerschaften, sagt Ostler, „dürfen nicht Kommunen organisieren, die müssen von den Bürgern, den Vereinen und Organisationen, kommen.“

Ostlers Einschätzung bestätigt Beutings Kurs. Der Bürgermeister bleibt gelassen, sieht bei der Idee keine hohe Dringlichkeit: „Wenn sich erst in fünf Jahren etwas ergibt, ist das nicht schlimm.“ Murnau wird auch dann noch eine attraktive Oberbayerin sein.

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