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Ewiger Athlet: Peter Müller mit einigen seiner Auszeichnungen.

Magische Marke geknackt

100 Sportabzeichen in Serie - trotz schwerer Krankheit

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Murnau - Ohne Sport kann Peter Müller nicht leben. Zum einen liebt er Bewegung. Zum anderen wäre der herzkranke Murnauer wohl längst tot, hätte er seine Ausdauer nicht über Jahrzehnte regelmäßig trainiert. Nun hat er eine magische Marke geknackt.

Peter Müller hat das ganz große Ziel erreicht, das er über viele Jahre angepeilt hatte: Insgesamt 100 Mal in Folge legte der 70-Jährige das Deutsche Sportabzeichen in Gold beziehungsweise das Bayerische Sport-Leistungs-Abzeichen ab, das seit 2013 nicht mehr angeboten wird – rekordverdächtig oft. Mit 18 startete er die sagenhafte Serie. Jetzt scheint Müller fast demütig: „Der Herrgott hat halt mitgespielt“, sagt er.

„Mister Sportabzeichen“ nennen ihn viele Murnauer. Und tatsächlich brachte ihn die Leidenschaft für diesen Fitness-Test, der sich an die breite Bevölkerung richtet, 1990 sogar in die deutsche Ausgabe des Guinness-Buchs. Der Triathlet bewältigte die damals fünf Disziplinen in weniger als 20 Minuten – das hatte es bis dahin noch nie gegeben. Nun, zum 100. Abzeichen, peilt er keinen weiteren Rekord-Eintrag an. „Davon kann ich nicht abbeißen“, sagt der ehemalige Sportlehrer – die Notiz würde ihm nichts mehr geben. „Ich bin dankbar, dass ich leben kann“, betont Müller.

Er weiß: Alles hätte ganz anders laufen können, viel schlechter. Schon zweimal hat ihn seine Fitness wohl gerettet. Müller, einst Gründungsmitglied von RC Murnau und TC Bad Bayersoien sowie ehemaliger Schwimmschulleiter und Sportphysiotherapeut, leidet an einer koronaren Herzerkrankung, die wie ein Infarkt lange unentdeckt blieb – bis zu einem Zusammenbruch 2003. Seine Herzkranzgefäße hielten fortan sieben Stents offen. Mitte 2010 trat ein Aneurysma auf, es folgte eine schwere, zehnstündige Operation. Spezialisten setzten Müller eine neue Herzklappe, einen neuen Aortenbogen sowie zwei Bypässe ein. Der zweifache Opa ist überzeugt: „Der jahrzehntelange Ausdauersport hat dazu beigetragen, dass ich diese Operation überstanden habe.“ Noch im gleichen Jahr legte er „im letzten Zipfel“ wiederum das Sportabzeichen in Gold ab.

Seit diesem Eingriff trainiert der 70-Jährige allerdings nur noch sehr bewusst und dosiert: sehr viel Skilanglauf im Winter, Radfahren, Schwimmen und Laufen im Sommer. Noch immer durchpflügt er im Staffelsee das Wasser bis zur Halbinsel Burg problemlos im Delfinstil. Mindestens jeden zweiten Tag ist Müller aktiv, nur eben lediglich 45 Minuten lang statt wie früher 60. 200 Ausdauer-Einheiten im Jahr hat er sich vorgenommen. „Die schaffe ich.“

Und Müller macht auch beim Sportabzeichen weiter – er ist leidenschaftlicher Verfechter dieses Jedermann-Fitness-Tests, den „immer weniger machen“, wie er bedauert. Müller hält diesen für wertvoll und wichtig, sich selbst sieht er als Werbefigur für diese gute Sache. „Ich möchte nicht, dass das Deutsche Sportabzeichen stirbt.“ Allein dieses hat er sich 52 Mal gesichert. 

Keine Frage: Müller bleibt am Ball, der Mission seines Lebens treu. „Vielleicht schaffe ich noch das 60. Abzeichen in Gold. Oder das 70.“ Doch Rekordmarken spielen eigentlich keine Rolle mehr. Vielmehr geht es Peter Müller nur um eines: um den Sport, ohne den er offensichtlich nicht leben kann.

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