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Kinder auf dem Weg zur Schule: In Murnau wird überlegt, ob ein Naturindianer-Hort-Konzept zum Tragen kommt.

Räte informieren sich über alternatives Hortkonzept

Naturerlebnis aktiv fördern

Murnau - Viel Frischluft, viel Natur, viel Umweltbildung – auf diesen Nenner lässt sich das Konzept der Naturindianer-kids bringen. Im Hauptverwaltungsausschuss wurde es vorgestellt. Denkbar ist ein Hort auf dieser Basis. 

Die Marktgemeinde Murnau ist schon länger mit dem Ausbau der Kinderbetreuung beschäftigt. Ungewöhnlichen Ansätzen will man sich nicht verschließen. So kamen jetzt Olly Fritsch und Uschi Helfrich von den Naturindianer-kids gemeinnützige Unternehmergesellschaft in München nach Murnau, um den Räten zu erklären, was hinter ihrem Projekt steckt. 

Demnach wäre ein solcher Hort an einer Grundschule angesiedelt. Dabei wird ein Tipi aus schwer entflammbarem Stoff aufgestellt. Ein Schulzimmer wird gebraucht sowie ein Raum für Verwaltungsarbeiten. In dem Tipi wird Feuer gemacht und Mittag gegessen. „Die Kinder sind bei jeder Witterung draußen“, sagte Helfrich. Vorteile eines solchen Horts seien, dass es kaum Gründungskosten gebe. Für die Erstausstattung brauche man 20 000 Euro. Es entstünden keine oder nur wenig Raumkosten. „Es ist kein Bauantrag nötig.“ Und: Die Kinder seien nach einem Schultag ausgeglichener. 

Auch etwaige Nachteile verschwieg Helfrich nicht. Es gebe anfangs einen hohen Krankenstand, wenig qualifiziertes Personal, einen höheren Betreuungsschlüssel und daher auch höhere Personalkosten. Eltern seien auch erst einmal skeptisch, ergänzte Helfrich. 90 Euro im Monat pro Kind wären fällig. Die Finanzierung erfolgt über Elternbeiträge. Ein anfängliches Defizit könnte durch die Gemeinde abgedeckt werden, hieß es. Laut Fritsch hätte die Gruppe eine Stärke von bis zu 25 Kindern. 

Die Anregung, sich das Konzept anzuschauen, stammt von Holger Poczka, Fraktionssprecher von ÖDP/Bürgerforum. „Wir sind eine sitzende Gesellschaft, und auch unsere Kinder sitzen viel und lernen oft die Welt nur noch über den Computer oder Schulbücher kennen.“ Die direkte Naturerfahrung als wichtiges Element der seelischen und geistigen Entwicklung der Kinder müsse aktiv gefördert werden, denn sie drohe bei vielen Kindern verloren zu gehen. „Die gesellschaftlichen Probleme, die daraus entstehen, sind kaum zu ermessen“, betont Poczka. 

Egal, ob sich der Gemeinderat für eine Ganztagsschule oder eine Hortbetreuung entscheide: „Das pädagogische Konzept kann nicht immer nur einseitig auf das theoretische Lernen ausgerichtet sein, sondern muss eben auch Elemente des Lernens durch die eigene Erfahrung und das eigene Tun enthalten. Es ist ein Unterschied, ob ich das Blatt der Gemeinen Esche nur aus dem Buch kenne oder ob ich über die Jahreszeiten hinweg den Baum in freier Natur beobachten kann.“ Auch elementare Erfahrungen, wie man zum Beispiel mit Feuer umgeht, könne man nur lernen, wenn man auch Feuer macht. 

Veronika Jones (Grüne) glaubt, dass sich das Naturindianer- in das bestehende Hort-Konzept integrieren lässt. Sie kann sich vorstellen, das Tipi an der Seidl-Grundschule zu platzieren. „Dass die Kinder viel draußen sind, halte ich schon für sehr wichtig“, unterstreicht die Referentin für Jugend und Kinderbetreuung. Jones hatte 2015 einen Erweiterungsbau neben dem Kindergarten Drachennest vorgeschlagen.

Roland Lory

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