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Der Tod gehört für sie zum Leben: Hospizvereins-Fachkraft Ulrike Unsinn (l.) und die ehrenamtliche Hospizbegleiterin Michaela Kopielski aus Murnau.

Hospizvereine

Begleiter auf den Etappen des letzten Weges

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Murnau - Die Karwoche ist Sinnbild für Trauer, fürs Leiden und Sterben Christi. Im Alltag gilt der Tod vielen noch als Tabu. Manche aber lassen sich bewusst auf das Sterben ein, um anderen zu helfen: Hospizbegleiter stehen Todgeweihten und Angehörigen auf den Etappen des letzten Weges bei.

Der Schlaganfallpatient mit Krebs, der noch einmal bei einem Ausflug die Landschaft im Oberland erleben möchte, durch die er jahrelang radelte, bevor er im Rollstuhl saß. Die todkranke Seniorin ohne Familie, die ein einsames Sterben fürchtet und sich über Stunden des Nicht-Allein-Seins freut: über ein Gespräch, aber auch über gemeinsames Schweigen. Familien, die Beistand brauchen, weil in ihrer Mitte die Stunde des Todes abseh- und unabwendbar naht: Ehrenamtliche Hospizbegleiter leisten mannigfaltige Hilfe, treffen auf viele Szenarien. Diese alle eint das Ende – in diesem Fall im Wortsinn: der Tod.

Er hat für Michaela Kopielski (67) auch durch die immer wiederkehrende Konfrontation nichts von seinem Schrecken verloren: „Ich habe Angst vor dem Tod wie jeder andere.“ Und doch engagiert sie sich seit einem Jahr in der ambulanten Hospizgruppe Murnau des Hospizvereins im Pfaffenwinkel. Kopielski fand in der Begleitung Sterbender ihr Ehrenamt. Es ist ihr ein echtes Bedürfnis. „Ich hatte in meinem Umfeld ganz viele Situationen, in denen jemand gestorben ist. Da dachte ich: Es wäre schön, wenn jemand da wäre, der mir zur Seite steht. Ich fühlte mich allein.“

Nun ist sie für andere da, nur für Gottes Lohn. Kopielski absolvierte eine halbjährige Ausbildung und engagiert sich als eine von 14 Hospizbegleitern der Murnauer Gruppe, die alle der Schweigepflicht unterliegen. Sie gibt viel, erhält aber noch mehr zurück: „Ich gehe gestärkt daraus hervor“, sagt Kopielski, die drei Kinder, darunter einen behinderten Sohn, hat und ihr ganzes Berufsleben im sozialen Bereich tätig war.

Wie die Begleitung auf dem letzten Weg aussieht, den der Ehrenamtliche mitgeht, differiert von Mensch zu Mensch – doch letztlich geht es immer ums Ertragen und Mittragen. „Das orientiert sich an den Bedürfnissen des Kranken und seiner Angehörigen“, erklärt Ulrike Unsinn (49), die als gelernte Krankenschwester mit Zusatzausbildung in Palliativpflege die ambulanten Gruppen in Penzberg und Murnau leitet sowie koordiniert. Die Iffeldorferin arbeitet hauptberuflich für den Verein, kümmert sich ums Medizinisch-Fachliche; die Ehrenamtlichen übernehmen die psychosoziale, nachbarschaftliche Begleitung: zu Hause beim Kranken, im Hospiz, in Heimen. Sie sind Stütze, zeigen sich offen für Gespräche mit Sterbenden und deren Familien, unterstützen und entlasten Angehörige, die ein paar freie Minuten bekommen, oder erfüllen im Alltag scheinbar unrealisierbare Wünsche des Todkranken: einen Spaziergang, einen Cafébesuch, einen Ausflug. Ganz wenig kann plötzlich unendlich viel sein.

Auch für die Helfenden: „Man spürt, dass sein Tun sinnvoll ist und bereichernd fürs eigene Leben“, sagt Unsinn. Die wiederkehrende Konfrontation mit Leid und Sterben verändert das Bewusstsein und führt den Menschen zurück zum Wesentlichen: „Ich lerne das Kleine besser schätzen, genieße einen guten Tag mehr.“ Professionalität auf der ganzen Linie kann es wohl nicht geben, wenn es ums Sterben geht. „Abschied“, sagt Unsinn, „ist immer leidvoll. Aber wir setzen uns mit dem Tod mehr auseinander.“ Oft brauchen die Begleiter am Ende eines langen Weges eine Pause, bei Bedarf erhalten sie Betreuung. „Man lernt aber auch, sich abzugrenzen“, betont Kopielski. Und das Unvermeidliche zu akzeptieren: „Sterben“, sagt die Murnauerin, „gehört zum Leben. Wir sehen das tagtäglich.“

Die Hospizvereine

Wer Rat und Begleitung – beides ist kostenlos – braucht oder Hospizbegleiter werden möchte, erreicht den ambulanten Hospizdienst des Hospizvereins im Pfaffenwinkel unter Telefon 0 81 58/14 58. Dieser betreut das Gebiet vom Staffelsee in Richtung Norden (Weilheim-Schongau). Aktuell bildet er 27 neue Hospizbegleiter aus. Den Süden des Landkreises Garmisch-Partenkirchen bis zum Raum Murnau deckt der Hospizverein Werdenfels ab (Telefon 01 75/5 67 46 46). Beide Vereine kooperieren auch.

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