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Wichtige Anlaufstelle für sozial Schwache: Murnaus Tafel – hier ein Teil der ehrenamtlichen Helfer –, wo sich Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen können.

Flüchtlingskrise wirkt sich auf Sozialsystem aus

Belastungsprobe für die Tafel

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Murnau - Die Flüchtlingskrise stellt das Sozialsystem auf eine harte Probe. Dies bekommt auch Murnaus Tafel zu spüren. Die Ausgabestelle für Lebensmittel im Kemmelpark stößt räumlich an ihre Grenzen. Es werden Befürchtungen laut, dem Andrang künftig nicht mehr Herr zu werden.

Das Thema kam in der jüngsten Sitzung des Murnauer Gemeinderats zur Sprache. Anlass war ein Erfahrungsbericht von Sven Ojeda Febles. Der Caritas-Mitarbeiter und Theologe ist Heimleiter der Flüchtlingsunterkunft in Moosrain, wo derzeit 43 Menschen, vor allem aus dem Irak, Afghanistan, Syrien und afrikanischen Staaten, leben. In der Fragerunde sprach Gemeinderat Josef Gramer (CSU) das Tafel-Problem an: „Die kommen nicht mehr über die Runden“, meinte er. Der Volksvertreter verwies auf die gestiegene Anzahl an Migranten, die sich dort mit gespendeten Lebensmitteln eindecken – seinen Angaben zufolge auch welche aus Bad Kohlgrub und Bad Bayersoien, obwohl diese in ihren Einrichtungen vollversorgt werden.

In der Tat platzt der Murnauer Ableger der Tafel – organisiert wird das Ganze von dem sozialen Netzwerk Lebenslust Garmisch-Partenkirchen – aufgrund des Andrangs aus allen Nähten. Die Stelle ist in einem kleinen Kellerraum der Gemeinde in dem Sozialkomplex im Norden des Kemmelparks untergebracht. „Es ist zu eng. Wenn fünf Leute hier drin sind, ist es schon voll“, berichtet die ehrenamtliche Leiterin Irmgard Zink. Ihr Fazit: „Wir brauchen eine neue Location.“ Ein Hilferuf, der bereits in der Rathaus-Verwaltung angekommen ist. Man sei dabei, verschiedene Optionen zu prüfen, um die Raumsituation zu verbessern, heißt es auf Nachfrage.

Früher seien jeden Montag im Schnitt etwa 50 „Kunden“ bei der Murnauer Tafel gezählt worden, berichtet Zink weiter, jetzt seien es 85 – die meisten davon Flüchtlinge. Viele Einheimische kämen nun nicht mehr. Gerade den älteren Menschen seien die längeren Wartezeiten unangenehm, vermutet Zink. Auch gehe die Angst um, es werde weniger Ware verteilt. Dem sei aber nicht so: „Im Moment haben wir genug“, sagt sie. Allerdings befürchtet Zink, dass es zu Engpässen kommt, sollten die Flüchtlingszahlen weiter steigen. An die von Gramer angesprochenen Gruppen aus dem Ammertal werde nichts ausgegeben, erklärt die Leiterin, da sie ja bereits in ihren Unterkünften Mahlzeiten erhielten. Der evengelische Pfarrer Manfred Reitlinger aus Partenkirchen, der sich um die Geschäftsführung der vier Tafel-Niederlassungen im Landkreis (Garmisch-Partenkirchen, Murnau, Oberammergau und Mittenwald) kümmert, sieht die Entwicklung gelassen. „Wer bedürftig ist, bekommt was“, sagt der Geistliche. „Im Moment“ seien die Spenden ausreichend. Und sollte das Angebot mal knapp werden, werde man einen Aufruf starten.

In der besagten Gemeinderatssitzung wurde in diesem Zusammenhang ein weiterer Punkt angeschnitten: Dem Vernehmen nach warfen Flüchtlinge aus Moosrain Tafel-Lebensmittel weg. Dazu sei es „in Einzelfällen“ gekommen, bestätigte Heimleiter Ojeda Febles. Der Grund: Die Leute hätten Dinge mitgenommen, die sie gar nicht kannten oder falsch interpretierten, etwa Knödelteig. Daher wurden nun Listen an die Tafel-Helfer ausgegeben, auf denen der Bedarf der Asylbewerber steht. Für diese sei die Tafel eine wichtige Bezugsquelle, erklärt Ojeda Febles. Gerade die Familien kochten gerne mit frischen Zutaten wie Gemüse und Obst. Die Moosrainer Flüchtlinge müssen sich ihre Nahrungsmittel selbst besorgen, dafür bekommen sie monatlich ein Verpflegungsgeld (zum Beispiel erhält ein alleinstehender Erwachsener rund 144 Euro).

Insgesamt funktioniere, so das Resümee des Betreuers, das Zusammenleben in dem ehemaligen CVJM-Freizeitheim ganz gut. Zu Konflikten komme es in einem normalen Rahmen – „wie in einer großen Studenten-WG“, schildert er. Die kulturellen und religiösen Unterschiede spielten dabei keine Rolle. Entscheidend sei, so das Urteil des Fachmanns, die Integrationsarbeit. Auf diesem Gebiet wird im Staffelsee-Ort bereits sehr viel geleistet. Eine benachteiligte Gruppe sind aber offenbar Frauen mit kleinen Kindern. Für sie sollen weitere Hilfsangebote geschaffen werden.

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