Unfallverursacherin entgeht Fahrverbot

Frau rammt Rollerfahrer - Richter verhängt Geldstrafe

Murnau - Nach Unfall an Reschkreuzung: Eine 50-Jährige hat vor ein paar Monaten beim Einbiegen in eine Straße einen 61-Jährigen Rollerfahrer verletzt. Jetzt hat sie die Strafe dafür bekommen.   

Wenn jemand auf einer Kreuzung in der zweiten Reihe fährt, wird er oft übersehen, was fatale Folgen haben kann. Diese alte Erkenntnis der Fachleute bewahrheitete sich heuer im April auch in Murnau im Bereich der Reschkreuzung.

Folgendes war passiert: Eine 50-jährige Frau wollte von der Pechmannstraße nach links in die Weindorfer Straße abbiegen, übersah dabei jedoch, dass hinter einem Lastwagen, der entgegengesetzt einbog, ganz unauffällig ein Roller fuhr. Daher kam es zur Kollision, bei der der 61-jährige Rollerlenker einen Schienbeinkopfbruch erlitt. Wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde die 50-Jährige jetzt vom Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu einer Geldstrafe verurteilt. Laut Staatsanwalt Michael Steinlein habe sich der Unfall am 20. April dieses Jahres gegen 14.35 Uhr ereignet, bei relativ starkem Verkehr. Die 50-jährige Angestellte, die mit ihrem Auto nach links in die Weindorfer Straße abbiegen wollte, sei auch noch geradezu dazu animiert worden, denn ein Lkw-Fahrer auf dieser Straße habe ihr gewinkt, er wolle stehenbleiben, auf dass sie freie Fahrt habe. Die Frau startete ihr Einbiegmanöver, doch dass neben dem anderen, von links einbiegenden Lkw der Roller einher fuhr, das musste ihrer Aufmerksamkeit zwangsläufig entgehen. Die Frau bekam wegen des Unfalls einen Strafbefehl von 2000 Euro samt einem Monat Fahrverbot, doch weil ihr dies zu hart erschien, erhob sie Einspruch und saß deshalb jetzt vor Richter Stefan Lindig.

Schnell wurde deutlich, dass der 61-jährige Rollerfahrer zunächst gedacht hatte, dass ihn die Frau hätte sehen müssen, doch weil dies nicht der Fall war, kam es zum Zusammenprall, „bei dem ich mit dem Kickstarter in ihre Stoßstange eingefädelt bin, die dann prompt abriss“, schilderte er den Vorfall. Dieser bescherte ihm eine Woche Krankenhausaufenthalt mit anschließender längerer Arbeitsunfähigkeit. Immerhin habe die Frau ja an dem dortigen Stoppschild ganz normal angehalten, ehe sie weiterfuhr in die Kreuzung, berichtete ihr Verteidiger, und bat um eine mildere Strafe – vor allem nicht mit einem Fahrverbot verbunden, wie es der Staatsanwalt erneut beantragte. Richter Lindig hingegen sah die Angelegenheit sehr realistisch: „Sie hat zwar die Vorfahrt missachtet, das jedoch nach längerem Warten. Vor allem, weil sie von einem Lkw-Fahrer reingewinkt wurde, sah sie das als Chance und fuhr in die Kreuzung.“

Der Richter verhängte schließlich zwar 1500 Euro Geldstrafe (50 Tagessätze à 30 Euro), nicht jedoch ein Fahrverbot.

Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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