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Schüler am Mikro: (v.v.l.) Stephanie Wimmer, Julia Meier sowie (h.v.l.) Darainis Ogando, Nina Kaiser und Joshua Nießner (verdeckt) erzählen von Projekten, bei denen Christoph Probst und die Weiße Rose Thema waren.

Christoph Probst als Kompass

Murnauer Mittelschule erhält neuen Namen

Murnau- Insgesamt haben 200 Schulen in ganz Deutschland Mitglieder der Weißen Rose als Namensgeber gewählt. Zwei hatten bisher Christoph Probst als Patron. Heuer ist eine dritte dazugekommen: die Murnauer Mittelschule. Am Freitag ging der offizielle Festakt über die Bühne – fast genau fünf Jahre, nachdem die Bezeichnung Max-Dingler-Hauptschule ad acta gelegt worden war.

Eine Gedenkminute steht am Anfang des Festakts. Rektor Peter Hälterlein ist es ein Anliegen, an die Terroropfer von Nizza zu erinnern. Dann kann die gut zweistündige Feier beginnen. Mehrere Mitglieder der Familie Probst sind gekommen, Kommunal- und Landespolitiker, Behördenvertreter, weitere Gäste und natürlich Schüler. Nicht alle haben in der Turnhalle Platz. Der Festakt wird allerdings in mehrere Klassenzimmer übertragen, so dass alle Kinder mitkriegen, was passiert. 

Mit der Benennung nach Christoph Probst habe die Schule und die Gemeinde „eine 180-Grad-Kehre gemacht – und das ist auch gut so“, betonte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Dieser Tag sei auch eine Genugtung für alle, die vor mehr als 30 Jahren wussten, dass Max Dingler nicht als Schulpatron geeignet sei. Beuting erinnerte daran, dass damals Personen, die gegen den Schulpatron Dingler waren, mit „unglaublichen Rohheiten und Verletzungen“ konfrontiert gewesen seien. Diesbezüglich „empfinden wir großes Bedauern“. 

Der Schulname Dingler wurde Mitte Juli 2011 getilgt. Danach beschloss die Lokalpolitik, die Murnauer NS-Vergangenheit wissenschaftlich beleuchten zu lassen. Im Herbst soll eine Historíkerin eine Machbarkeitsstudie vorlegen. „Heute ist auch ein Tag des Sieges“, betont Beuting weiter. Und zwar für Christoph Probst und Mitglieder der Weißen Rose – obwohl sie ermordet wurden. „Sie haben einen Samen gelegt, der auch nach 73 Jahren reift und Früchte trägt.“ 

Es hätte keinen besseren Namenspatron geben können, bekräftigt der bayerische Kultus-Staatssekretär Bernd Sibler (CSU). „Geschichte ist nichts, was lange vergangen ist, sondern Wirkungen in die Gegenwart hat.“ Sich von einem Namen zu trennen, sei oft ein schmerzhafter Prozess. „Das hinterlässt Spuren“, sagt Sibler. Auch Vincent Probst, Sohn von Christoph Probst, ergreift das Wort. „Der Widerstand war letztlich erfolgreich“, sagt der 74-Jährige. Die Freiheitsrechte seien heute Teile der Rechte eines jeden Staatsbürgers. Rektor Hälterlein betont, dass es ohne die Zustimmung der Familie Probst nie zu dieser Namensgebung gekommen wäre. „Sie geben uns einen sehr großen Vertrauensvorschuss.“ Ist die Schule damit am Ziel? „Mit Sicherheit nicht“, sagt Hälterlein. „Das ist bestenfalls eine erste Wegmarke.“ Christoph Probst werde der Kompass auf dem Weg sein, auf dem die Schule die Kinder begleite. 

An diesem Tag wird auch das neue Probst-Denkmal vorgestellt, das vor dem Eingang steht. Drei Granitplatten stellen symbolisch Flugblätter der Weißen Rose dar. Der Entwurf und die Textauswahl stammen von Tusculum-Mitglied Annemarie Bahr. Angefertigt hat das Werk der Murnauer Steinmetz Dominic Hammer. „Es ist eine Ehre für mich, dass das Denkmal hier steht“, macht Bahr deutlich. Die Mittelschule kann auch mit einem neuen Logo aufwarten. Entworfen hat es Alis Asari (26) von der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer Oberammergau. Dort war ein Wettbewerb veranstaltet worden. Asari machte das Rennen mit einem Vorschlag, der an einen Berg und eine Welle erinnert. Das Logo stellt allerdings ein Flugblatt dar, das zu Boden schwebt.

Roland Lory

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