Viel unterwegs: Felix Finkbeiner, hier im vergangenen Jahr auf der norwegischen Insel Spitzbergen. Foto: FKN

„Es geht um unser Überleben“

Uffing - Über mangelnde Medienpräsenz kann sich Felix Finkbeiner nicht beklagen. Seitdem der 17-jährige Uffinger vor acht Jahren das Klimaschutzprojekt Plant for the planet initiierte, taucht der Teenager landauf landab in Presse, Funk und Fernsehen auf. Dies ist auch jetzt wieder der Fall. Denn Felix bekommt am Samstag, 31. Januar, die Auszeichnung „Europäer des Jahres" verliehen.

Der Preis geht an Menschen aus Europa, die mit ihrem Engagement über Grenzen hinweg dem Wohl der Allgemeinheit in herausragender Weise dienen. Vergeben wird er von der Zeitschrift Reader’s Digest. Felix, der mit seiner Familie im Uffinger Bahnhof lebt und die Munich International School in Starnberg besucht, ist der bislang jüngste Preisträger. Er freut sich über die Auszeichnung. Sie „hilft uns Kindern und Jugendlichen hoffentlich in unserem Kampf ums Überleben. Viele Erwachsenen meinen noch immer, es gäbe eine Wahl zwischen Klima schützen oder Wirtschaft ankurbeln. Für uns drei Milliarden Kinder und Jugendlichen der Welt ist völlig klar: ,Es geht um unser Überleben.’“ Dies betonte er am Dienstag gegenüber dem Tagblatt.

Felix und seine Mitstreiter wollen bis 2020 1000 Milliarden Bäume pflanzen. Das wären 150 für jeden Menschen auf der Welt. Er selbst sagt über dieses Projekt: „So viele zusätzliche Bäume verträgt unsere Erde, ohne dass deswegen Wohngebiete oder landwirtschaftliche Ackerflächen wegfallen, und sie würden ein Viertel des weltweiten CO2-Ausstoßes aufnehmen.“ Auch im Rahmen des G-7-Gipfels, der heuer in Elmau stattfindet, wollen die Kinder und Jugendlichen auf ihre Anliegen aufmerksam machen. In Tutzing geht an Pfingsten der Plant-for-the-Planet Jugendgipfel über die Bühne. Dort wollen die jungen Aktivisten den Mächtigen der Welt eine Botschaft schicken. Und zwar die: „Wir heute Lebenden sind gleichzeitig die erste und die letzte Generation, die die Klimakrise noch lösen kann. Gemeinsam können wir es noch schaffen. Solltet ihr aber den eingeschlagenen, rücksichtslosen, egoistischen und völlig aus dem Ruder gelaufenen Weg weitergehen, weil ihr meint dazu die Macht zu haben, können wir Jugendlichen euch nicht mehr folgen. Denn wir müssen uns jetzt auch um unser Überleben kümmern.“

Den Grundstein für seine Initiative legte Felix, der schon mehrere Preise gewann, als Neunjähriger. Damals sollte er ein Referat über die Klimakrise halten. Als er recherchierte, entdeckte er im Internet einen Beitrag über die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai. Diese sorgt in ihrem Heimatland dafür, dass 30 Millionen Bäume in 30 Jahren gepflanzt werden. „Mir kam die Idee, dass wir das mit unserer Klasse auch machen können. Also pflanzten wir einen Baum“, erklärt Finkbeiner in der Februar-Ausgabe von Reader’s Digest. Die Kinder brachten eine Website an den Start und gründeten die Initiative Plant-for-the-Planet, um rund um den Globus Altersgenossen zu vernetzen und in jedem Land eine Million Bäume zu pflanzen.

Doch nicht nur der Klimaschutz ist Felix ein Anliegen. Der Junge kämpft auch für Veränderungen auf einem ganz anderen Gebiet. So zog er 2014 mit Mitstreitern vor das Bundesverfassungsgericht, um das Mindestwahlalter zu kippen. Damals tat der Schüler kund: Mit dem Wahlrecht für junge Menschen würde deren Stellenwert als politische Zielgruppe steigen - als Wähler, für deren Interessen die Politiker etwas tun müssten, und die sie endlich ernst nehmen und mit ihnen reden müssten anstatt nur über sie. „Endlich würde nicht mehr - oder zumindest nicht mehr so offensichtlich - an jenen vorbeiregiert, die am längsten von all dem betroffen sind, was die aktuellen Entscheidungsträger beschließen.“

Nach dem Abitur will Felix übrigens in den USA studieren, um auch dort für den Klimaschutz zu kämpfen. Die Laudatio in Stuttgart wird Ernst Ulrich von Weizsäcker halten, Ko-Präsident des Club of Rome. „Wenn einer wie Felix sich mit neun Jahren entschließt, einfach selber anzupacken, dann ist das eine riesige Ermutigung für andere Kinder und ihre Eltern weltweit und in Deutschland“, betont der Naturwissenschaftler. (roy)

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