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Die Fenster der heutigen Fuchslochkapelle stammen original aus der Glashütte in Grafenaschau.

Forsthistorisches Projekt in Grafenaschau 

Rundwege vom "Holz zum Glas" 

Grafenaschau - In einem einzigartigen „Forsthistorischen Projekt“ will Grafenaschau seine Geschichte als Glashüttenstandort und Lieferant von großen Mengen Holz aufarbeiten. Auf einem insgesamt sechs Kilometer langen, neuen Wanderweg soll mit einem Blick durch „12 Fenster in die Vergangenheit“ der „Weg vom Holz zum Glas“ beleuchtet werden. Am 10. August wird das Projekt nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Ort Grafenaschau hat eine Menge zu bieten. Nicht nur eine schöne Natur, sondern auch eine ganz besondere Geschichte. Eine, die vom Betrieb einer Glashütte und einer damit einhergehenden, intensiven Holzwirtschaft geprägt war.

 Die 1731 gegründete Glashütte in Grafenaschau hatte einen enormen Ausstoß an Produkten wie Gläsern, Flaschen und Scheiben. Zu Spitzenzeiten wurden an die 100 Menschen beschäftigt. Die Hälfte davon waren Holzarbeiter, die andere Hälfte Glasmaler und Glasarbeiter. Diese Belegschaft war international, da es sich um ein hoch spezialisiertes Handwerk handelte. Holz zum Befeuern der Öfen gab es rund um den Ort reichlich. Der für die Glasherstellung notwendige Sand stammte aus Quarzbichl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Alleine an Pacht mussten die Betreiber an das Kloster Ettal jährlich 2000 Glasscheiben von, eigens betont, durchsichtiger Qualität liefern, was auf Probleme mit der Qualität hinwies. Die Glashütte war zunächst im Wald, am Standort der heutigen Fuchslochkapelle, und später am Ende der Grafenaschauer Birkenallee angesiedelt. 1890 wurde der Betrieb endgültig eingestellt. 

Diese 160 Jahre haben bis heute Spuren in und um den Ort hinterlassen. In den Wäldern sind Reste der so genannten „Holzriesen“, Wasserrinnen zum Abtransport der Stämme vom Berg hinab zur Glashütte, zu finden, im Dorf Gebäude, in denen damals Verwaltung und Arbeiter untergebracht waren. Und nicht zuletzt steht auf dem zweiten der insgesamt drei Standorte der Glashütte die heutige Fuchslochkapelle, deren Fenster noch original aus der damaligen Zeit stammen. 

Angestoßen wurde die Idee, die Geschichte Grafenaschaus „forsthistorisch“ aufzuarbeiten, im Rahmen der Planungen für die Landesausstellung 2018 in Ettal. „Dort soll die Geschichte der Grafenaschauer Glashütte in einem der Räume dargestellt werden“, erklärt Schwaigens Bürgermeister Hubert Mangold. „Wir dachten, dass wir dann auch direkt vor Ort die Geschichte in die Praxis umsetzen könnten.“ In Zusammenarbeit mit Studenten der TU München wurde dann das „Forsthistorische Projekt“ entwickelt. Vorgesehen ist in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, einen insgesamt sechs Kilometer langen Wanderweg zu realisieren, von dem wiederum verschiedene kleinere Rundwege abzweigen, die einzelne Themen-Schwerpunkt haben. Fest steht, dass es einen Bereich Wasser (blau markiert), einen Bereich Glas (grün) und einen Bereich Holz/Holzwirtschaft (braun) geben wird.

 „Der ,grüne‘ Rundweg beispielsweise, der Glashüttenrundweg, wird die Stationen anlaufen, die in Bezug auf das Unternehmen von Bedeutung waren“, erläutern Mangold und Revierförster Klaus Steinberger, der unter anderem die Studenten vor Ort betreut hatte. „Dieser Weg soll am künftigen Dorfladen in Grafenaschau starten, von der Kirche St. Wolfgang weiter zur Birkenallee und zur Fuchslochkapelle bis hin zu den ersten Metern des Lahnegrabens führen. Dieser wird künftig Glaserklamm heißen.“ An den einzelnen Stationen werden Tafeln in Form von Fenstern aufgestellt, die einen heutigen Ausblick ermöglichen und auf Bildern den Blick, wie er in der Vergangenheit war, aufzeigen.

 Dieser „Glashütten-Rundweg“ soll, so hoffen Mangold und Steinberger, bis zur Landesausstellung 2018 fertiggestellt werden. Danach wird aller Wahrscheinlichkeit die naturverträgliche Erschließung der Glaserklamm mit Weg und Geländern in Angriff genommen. Durch diese später einmal hindurchmarschiert, geht es den Berg hinauf zum so genannten Angerl auf zirka 1000 Metern Höhe, wo sich die Überreste des Bahnhofs der einstigen Bremsbergbahn befinden, die 1921, lange nach den Glashüttenzeiten, eigens zum Abtransport fürs Holz errichtet worden war. Auch dies könnte in Augen von Mangold und Steinberger einmal ein eigener, in sich geschlossener Rundweg auf dem großen Wanderweg „Vom Holz zum Glas“ werden. Die Genehmigungen für all diese Projekte liegen seitens der Staatsforsten und der unteren Naturschutzbehörde bereits vor. 

Am 10. August wird das „Forsthistorische Projekt“ allen Interessierten und Bürgern vorgestellt. Danach, so schwebt es Mangold vor, soll eine Art Rentner-AG gegründet werden, ein Zusammenschluss von Senioren also, die sich an die Realisierung des ersten Rundwegs machen.

Präsentation Am Mittwoch, 10. August, wird das „Forsthistorische Projekt“ um 15 Uhr im Mehrzweckhaus Grafenaschau der Öffentlichkeit vorgestellt.

Michaela Sperer

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