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Eisenbahnfreunde unter sich: (v. l.) Alfred und Georg Horn aus Weilheim, Modellbahnbetreiber Christoph von Reizenstein und Peter Berndel aus Eschenlohe. Links der zwölfjährige Mika Kosmale aus Murnau.

Freizeitattraktion

Großweiler Modellbahn: Nachfolger gesucht

Die Großweiler Modellbahn ist eine kleine Institution: Jetzt sucht Betreiber Christoph von Reitzenstein einen Nachfolger

Nicht nur Kinder und Jugendliche bekommen große Augen, wenn sie Christoph von Reitzensteins Modellbahn-Paradies in der Kocheler Straße in Großweil betreten. Auch Erwachsene lieben es, in dem etwa 60 Quadratmeter großen Vorführraum mit Wohnzimmer-Atmosphäre ihren Jugendtraum auszuleben. Das Ganze ist eine kleine Institution, die von Reitzenstein zusammen mit seinem Kompagnon Hans Jocher in zwölfjähriger Tüftelei geschaffen und laufend erweitert hat. Unzählige Arbeitsstunden wurden investiert.

Die elektrisch betriebene Miniaturwelt im Maßstab 1 zu 87 mit über 180 Metern Gleisen, 70 Weichen und 14 fahrbereiten Zügen dürfte eine der größten dieser Art in der Region sein – und für die Gäste ein außergewöhnliches Freizeitvergnügen darstellen. Denn sie können nicht nur zuschauen, sondern dürfen, das ist das Besondere daran, selbst Schaffner spielen und alles steuern, ob nun die Züge, Weichen und Signale. Und selbst die Feuerwehren und Omnibusse in der Landschaft lassen sich mit etwas Geschick per Fernbedienung bewegen.

Doch jetzt will der 81-jährige von Reitzenstein  aus Gesundheits- und Altersgründen sein Lebenswerk abgeben – und sucht einen würdigen Nachfolger, der gegen eine Ablöse die Anlage weiterbetreibt. „Meine Ära geht zu Ende“, sagt der Eisenbahn-Experte, der in Schliersee lebt. „Der Nachfolger legt sich ins gemachte Bett.“ Über Geld spricht er nicht so gerne. Die Anlage – die Züge fahren im Digitalsystem der Firmen Fleischmann und Roco auf Zweileiter-Gleichstrom-Schienen – ist ein angemeldetes Mini-Unternehmen, das sich nach Angaben von Reitzensteins selbst trägt und einen kleinen Gewinn abwirft. Eintritts- und nach Zeit abgerechnete Fahrgelder fließen als Einnahmen in die Kasse. Bezahlt werden müssen damit die Miete – die Räumlichkeiten waren früher mal ein Kuhstall – und die Wartungen. Reich wird man damit wohl nicht. „Das ist ein Hobby“, sagt von Reitzenstein, der ein gelernter Musiker ist. Geöffnet ist die Spielewelt in der Größe H0 (gesprochen Ha-Null) an den Wochenenden und täglich während der Schulferien.

Von Reitzenstein ist Überzeugungstäter. Die Faszination Eisenbahn lässt ihn seit seiner Kindheit nicht los. Weihnachten 1944 bekam er als kleiner Bub seine erste Anlage. Kurze Zeit später musste die Familie aus Oberschlesien fliehen – und das geliebte Stück zurücklassen. Als sich seine eigenen Söhne Jahrzehnte später eine Eisenbahn wünschten, wurde seine alte Begeisterung wieder geweckt. Die Bausteine aus dieser Zeit bildeten schließlich ab 2002 den Grundstock für das Projekt in Großweil. Die Interpretation, sich einen Kindheitstraum erfüllt zu haben, hört von Reitzenstein nicht so gerne. „Ich möchte vor allem Menschen eine Freude bereiten“, sagt er. Was genau hinter dem Virus Modellbahn steckt, kann er sich nicht erklären. Vielleicht, philosophiert er, liege es an der Bewegung und an den klar vorgegebenen Wegen. Das müsste mal ein Psychologe ergründen, lacht er.

Andreas Seiler

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