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Trotz dicker Wolken: Im Markt wurde Murnaus Biertradition gefeiert.

500 Jahre Reinheitsgebot

Murnau feiert seine Biertradition

Murnau - Ein Tag rund ums Bier: Murnau feierte das Reinheitsgebot - mit einem bunten Programm im Markt. Die Besucher trotzten dem schlechten Wetter.

Kühl und frisch sollte ein Bier schon sein. Dass aber das Wetter sich am Samstag, als Murnau das Bier und das bayerische Reinheitsgebote feierte, kühl und frisch zeigte, war so eigentlich nicht vorgesehen. Der guten Laune tat es zwar keinen Abbruch, aber einige waren sicherlich zuhause geblieben. Trotzdem jubelten die Murnauer den Kutschen zu, als diese vom Untermarkt herauf Braugerste und Bierfässer brachten – alles unter Plastikplanen geschützt. Nur die Akteure, Posthornbläser und Kutscher sowie Sepp Gramer als Herzog Wilhelm IV. saßen auf dem Kutschbock und trotzten dem Regen, und auch das Jugend- und Blasorchester spielte unverdrossen. Schließlich, ein paar Meter vor der Mariensäule, war es dann soweit: Das Bayerische Reinheitsgebot, das in diesem Jahr 500 Jahre alt wird und damit das älteste deutsche Lebensmittelgesetz ist, wurde vom Kutschbock herab verlesen. Brauer und Brauereigehilfen gelobten, keine anderen Zutaten als Gerste, Hopfen und Wasser zu verwenden. Mal abgesehen von der Hefe, von der man vor 500 Jahren noch nichts wusste und vom Weizen, ohne den die Karg-Brauerei sein Weißbier nicht brauen könnte. Gramer ließ es sich bei seiner Präsentation nicht nehmen, die Murnauer Brauer schwören zu lassen, den Murnauern vier Wochen lang Freibier auszuschenken, sollten sie sich nicht an das Gebot halten. Dann gab es ein frisches Braunbier aus dem Holzfass, das im Griesbräu gebraut worden war und auch bei Regen herrlich schmeckte.

Der Tag rund ums Bier setzte sich im ganzen Markt fort. In der Nähe der Mariensäule konnte man sich über die historischen Brauereien des Marktes informieren, von denen einige heute noch dem Namen nach bestehen. Ganz im Süden zum Beispiel der Angerbräu, in dem zwar kein Bier mehr hergestellt wird, wo man aber Flammkuchen aus einem besonderen Bierteig servierte. Im Hotel Post führte Wolfgang Köglmayr persönlich in die Eiskeller des ehemaligen Postbräus. Bis zu 16 Meter unter dem Straßenniveau liegen die drei Keller, die bereits im 18. Jahrhundert gebaut wurden. Gemütlich ging es im Griesbräu zu, wo sich die Musikanten des Jugend-und Blasorchesters zur Mittagszeit stärkten. Hier, wie auch im Kargbräu, konnte man stündlich die Brauerei und die Abfüllanlage besichtigen.

Da zum Glück das Wetter immer besser wurde, konnten nach und nach die Bierbänke doch noch aufgestellt werden – und das Treiben im Markt nahm seinen Lauf. Die Schäffler zeigten, wie ein gutes Fass hergestellt wurde, und die sogenannten Picher, die vom Kloster Reutberg gekommen waren, führten vor, wie das Bierfass mit viel Rauch und einem würzigen Duft nach dem aus Baumharzen gewonnenen Pech gepicht wurde. Dazu wurde ein Exemplar mit flüssigem Pech ausgeschwenkt, was vor allem notwendig war, um den Gerstensaft haltbarer zu machen. Musikanten von der Camerloher Musikschule, Grillstationen und Ochsenbrater, Volksmusiker sowie Männer und Frauen in historischen Kostümen rundeten das Bild ab. Auch die Königlich privilegierte Feuerschützen-Gesellschaft hatte sich etwas einfallen lassen: Jedermann konnte um einen von Astrid Badstöber bemalte Schützenscheibe schießen. Die Murnauer zeigten, dass sie das Bier lieben und stolz darauf sind, dass es eine so lebendige Tradition im Markt hat.

Heribert Riesenhuber

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