Ungewisse Zukunft: Ob das „Seehaus“ verkauft oder mit Flüchtlingen belegt wird, steht in den Sternen. F.: her/ARchiv

Kein Vertrag? Turbulenzen ums "Seehaus"

Seehausen - Die Rede war von einem Einzug von bis zu 150 Flüchtlingen ins Altersheim „Seehaus“. Senioren mussten ihre Zimmer räumen, Umbauten erfolgten. Und jetzt? Der Vertrag zwischen Bayerischem Roten Kreuz und Landratsamt ist nicht unterschrieben - und wird das vielleicht auch nie. Das BRK spricht von „erheblichem Schaden“ und drängt auf ein Ende des schwebenden Zustands.

Die Schwankungen bei den Flüchtlingsankünften führen zu ungeahnten Problemen. Wie am Beispiel „Seehaus“ bekannt wurde, will sich der Betreiber des Hauses, die Sozialservice-Gesellschaft (SSG) des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), nun gegen ein mögliches Nichtzustandekommen eines Vertrags mit der Regierung von Oberbayern wehren. Schließlich sind im „Seehaus“ bereits Vorbereitungen getroffen worden.

Zur Vorgeschichte: Bis vor rund einem halben Jahr war im Landkreis Eile geboten. Die Anzahl der von der Regierung zugewiesenen Asylbewerber erhöhte sich, teils rapide. Unterkünfte mussten schnell gefunden werden, um der Lage Herr zu werden. Im Raum Murnau sah es mit potentiellen Bleiben lange schlecht aus. Nachdem im Frühjahr 2015 Flüchtlinge das ehemalige CVJM-Heim in Moosrain bezogen hatten, wurde im Dezember 2015 bekannt, dass das „Seehaus“ des BRK-Seniorenwohnen Ruhesitz Staffelsee, das ohnehin veräußerst werden soll, für die Dauer von zirka zwei Jahren für die Unterbringung von Asylbewerbern an die Regierung via Landratsamt vermietet wird. Murnau und Seehausen wollten sich in punkto benötigter Infrastruktur zusammentun.

In Folge mussten die im „Seehaus“ verbliebenen Senioren ihre Zimmer räumen, was wiederum bei den Angehörigen zu Unmut führte. Auch die Gemeinde Seehausen musste schnell reagieren und die Auflagen für das Areal am See, das bis dahin nur für Alterswohnen und Pflege vorgesehen war, vorhabenbezogen für zwei Jahre außer Kraft setzen. Im Zuge dessen löste sich Seehausen allerdings von der angestrebten Zusammenarbeit mit Murnau und bat das Landratsamt, die Anzahl der Flüchtlinge im „Seehaus“ (Seehauser Flur) auf rund 50 zu reduzieren (wir berichteten).

Um Unterkünfte für Flüchtlinge zur Verfügung stellen zu können, müssen interessierte Vermieter gewisse Voraussetzungen schaffen, beispielsweise bezüglich Brandschutz oder Kochgelegenheit. Und das hat das BRK im „Seehaus“ anscheinend getan. „Wir haben seit mehreren Monaten drei Stockwerke leerstehen“, betont SSG-Geschäftsführer Christian Pietig, „und andere Dinge in Angriff genommen.“

Dann ging die Zahl der Flüchtlinge zurück, alles, was in punkto Unterkünfte bis dato angeleiert worden war, wurde durch einen von der Regierung von Oberbayern erlassenen Anmietstopp auf Eis gelegt. Deshalb ist die SSG jetzt sauer.

Wie bekannt wurde, ist beim Landratsamt ein Schreiben eingegangen, dass der SSG durch die Vorbereitungen im „Seehaus“ ein erheblicher Schaden entstanden ist, und dass deshalb auf ein schnelles Ende dieses schwebenden Zustands gedrängt wird. Pietig bestätigt das. Mehr Informationen in punkto entstandener Kosten beispielsweise sind ihm nicht zu entlocken.

Eine konkrete Schadensersatzforderung sei in diesem Schreiben nicht enthalten, sagt ein Sprecher des Landratsamtes. „Im Haus interpretiert man das aber so.“ Bayernweit seien solche Fälle viel diskutiert.

„Von der Neuanmietung beziehungsweise der Aquise von neuen Objekten soll derzeit abgesehen werden“, heißt es seitens der Regierung von Oberbayern. Zu den möglichen Ausnahmen habe das Bayerische Sozialministerium Mitte Juni der Regierung von Oberbayern einen Kriterienkatalog zur Verfügung gestellt, anhand dessen die Regierung unter enger Einbindung der Landräte und Oberbürgermeister der kreisfreien Städte die bereits geplanten Vorhaben in ganz Oberbayern beurteilen könne. „Wir bitten um Verständnis, dass aufgrund der Vielzahl an Fällen dieser Vorgang noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, sodass wir zu vielen Objekten noch keine konkrete Aussage treffen können“, erklärt die Pressesprecherin. „Speziell zu dem Objekt in Seehausen werden sich das Landratsamt und die Regierung von Oberbayern noch austauschen.“ (Michaela Sperer)

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