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Ortsgespräch: der neue Beichtstuhl in der Katholischen St.-Nikolaus-Kirche in Murnau.

User nennen ihn "Sperrmüll" oder "Film-Kabine"

Internet-Gemeinde lässt Beichtstuhl durchfallen 

Murnau - Das Ergebnis unserer Online-Umfrage war mehr als deutlich, ebenso wie die Reaktionen im Netz. 90 Prozent der abgegebenen Stimmen erteilen der modernen Konstruktion die rote Karte. 

Im Internet und in den sozialen Medien ist Diplomatie nicht zu Hause, hier wird Tacheles geredet – erst Recht unter dem Mantel der Anonymität. Aber es können interessante Stimmungsbilder entstehen – so etwa im Zuge der Debatte um den neuen und modernen Beichtstuhl in Murnaus Pfarrkirche St. Nikolaus. Dieser wirkt wie ein Fremdkörper in dem spätbarocken Sakralbau – und ruft Kritik hervor.

Eine nicht repräsentative Abstimmung auf Merkur.de brachte nach wenigen Tagen Laufzeit ein deutliches Ergebnis hervor: 90 Prozent der rund 670 abgegebenen Stimmen (Stand am Montag Nachmittag) gaben an, dass ihnen die Stätte zum Sündenbekenntnis – eine Sonderanfertigung, bestehend aus einer schwarzen Stahlkonstruktion und großen, hellen Glastüren – nicht gefällt. Und nur zehn Prozent können sich damit anfreunden.

Die Online-Kommentare sind ebenfalls eindeutig. Tenor: Das Ausstattungselement, das im Zuge der Sanierung des Katholischen Gotteshauses hinzu kam, passt nicht zur Umgebung. „Es gibt doch so tolle Schreinerarbeiten, da hätte man sich an den schon vorhandenen Holztönen orientieren und was Modernes reinstellen können, was ein paar barocke Akzente in veränderter Form aufgreift“, schreibt etwa „Dagmar Hamberger“.

Mit Spott wird nicht gespart. Das „Kastl“ wird mal mit einem „Werkzeugschrank“ verglichen, mal mit einer „Film-Kabine“ und mal mit “Sperrmüll“. Und „Christof Pfeiffer“ meint süffisant: „Hey liebe Leute, das ist ein Beichtstuhl 2.0 mit Internetanschluss direkt zum lieben Herrgott. Als Schwabe würde ich sagen: Heiland schmeiiss Hirn rah...“ Auf der Facebook-Seite der Heimatzeitung ist die Tonlage ähnlich: „Des ist doch wohl ein Scherz??? Unglaublich, wie man diese wunderschöne Kirche mit so einem hässlichen Beichtstuhl verschandeln kann“, sagt etwa „Gabi Schuergers“.

Kritik stört die Verantwortlichen nicht

Pfarrer Siegbert Schindele nimmt’s indessen gelassen. Das Ergebnis der Umfrage überrasche ihn nicht, erklärt der Geistliche. Man habe sich – nach einem Vorschlag des Architekten – bewusst für die neuzeitliche Optik entschieden, um eine klare Trennung zur historischen Ausstattung zu schaffen. Entscheidend sei die hohe Funktionalität des Beichtstuhls, der anonymes Beichten und auch Beichtgespräche zulässt. Und abends bei Beleuchtung herrsche im Inneren eine „wunderschöne Atmosphäre“.

Entspannt bleibt auch der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Johannes Unterstein. Das nüchterne Erscheinungsbild sei die „unauffälligste Lösung“, argumentiert er. Dass sich so viele Menschen für das Thema interessieren, findet er „toll“ – auch wenn viele seine Meinung nicht teilen.

Andreas Seiler

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