Schlachtruf-Evergreen

„Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ entstand im Murnau-Urlaub

Murnau - Der legendäre Stadionsprecher Udo Scholz hat einst den Schlachtruf-Evergreen „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ kreiert. Die Idee entstand in einem Murnau-Urlaub.

Diese über 30 Jahre alte Geschichte klebt an ihm wie ein Fliegenfänger - er wird sie nicht mehr los. Doch sie ist Udo Scholz nicht lästig, im Gegenteil: Er lebt gut mit ihr, sehr gut sogar. „Ich finde das schön, das ist in Ordnung.“ Alle zwei, drei Wochen, sagt der 74-Jährige, werde er auf den ewig jungen Schmähgesang angesprochen, der ihm nach wie vor Fernseh-Auftritte sowie Popularität beschert - zumindest nördlich des Mains. Rund um München könnten seine Sympathiewerte ein wenig unter seiner Erfindung leiden. Scholz ist nach eigenen Angaben geistiger Vater des Anti-FC-Bayern-Schlachtrufs schlechthin: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“. Diesen bekommt der Rekordmeister seit Jahrzehnten von gegnerischen Fans zu hören, er besitzt Allgemeingut-Charakter.

Dieser Anti-Bayern-Klassiker entstand ausgerechnet in Bayern - als Scholz, damals Stadionsprecher des FC Kaiserslautern, Anfang der 1980er Jahre ein paar Urlaubstage in Murnau („eine schöne Ecke“) verbrachte. Ein geschäftliches Essen führte den gebürtigen Westfalen in eine außerhalb des Orts gelegene Wirtschaft „im Wald“, in der unter anderem auch Lothar Matthäus verkehrt sei - also in das bei so manchem Prominenten geschätzte Forsthaus Höhlmühle zwischen Riegsee und Habach? „Genau“, sagt Scholz und erzählt mit seiner markanten Sprecher-Stimme wohl zum 1000. Mal diese eine Geschichte, die ihn zuletzt beim Spiel der Bayern gegen den VfL Wolfsburg auch in die ARD-Sportschau brachte: Irgendwann an diesem Abend in der Höhlmühle kam eine Gruppe angeheiterter junger Männer ins Lokal; einer von ihnen trug eine derangierte Lederhose. „Ein anderer sagte: Zieht's dem Buam die Lederhose aus.“ Als Scholz während der Heimfahrt den Beatles-Song „Yellow Submarine“ im Radio hörte, fügte sich eins zum anderen - Scholz hatte die passende Melodie. Zwei Wochen später gastierte der FC Bayern auf dem Betze, der Stadionsprecher feierte mit dem Lederhosen-Schlachtruf Premiere. „Er kam hervorragend an.“

Längst besitzt der Gesang Kult-Status wie Scholz selbst. Dieser war zwei Jahrzehnte die legendäre „Stimme vom Betzenberg“. Mittlerweile hat er die Hauptsportart gewechselt, ist seit 1994 „mit viel Herzblut“ Eishockey-Stadionsprecher der Adler Mannheim, bei denen unter anderem die Ex-Riesserseer Ken Megowan, Martin Buchwieser und Marcus Kink unter Vertrag haben. „Ein- bis zweimal pro Jahr“ kommt Scholz nach Garmisch-Partenkirchen, speziell die Familie Kink „kenne ich sehr gut“.

Eines blieb im Laufe der Jahre natürlich nicht aus: Scholz, der im Pfälzer Friedelsheim lebt, wo Frau und Tochter ein Speise- und Weinlokal betreiben, wurde stolzer Lederhosen-Träger. Eine Kurze, die „ich im Sommer immer anhabe“, ließ der 74-Jährige anfertigen, ein Kniebund-Modell erstand er in Oberau. Lederhosen-Auszieh-Gesang hin oder her - Scholz beteuert: „Ich mag die Bayern ja auch.“

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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