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Premiere im Kultur- und Tagungszentrum: Erstmals treffen sich die Gemeinderäte von Murnau und Ohlstadt zu einer gemeinsamen Sitzung. Dr. Hermann Streicher (r.) informiert über die anstehenden Projekte.

Höherlegung der Staatsstraße und Radwegebau

Lang ersehnte Projekte zum Greifen nah

Murnau - Die lang ersehnte Höherlegung der Staatsstraße 2062 und der Bau eines Radwegs rücken näher. In einer gemeinsamen Sitzung haben die Gemeinderäte von Murnau und Ohlstadt am Dienstag den Weg für die Fahrradroute frei gemacht. Im Oktober 2017 soll es mit Rodungen losgehen, so der Plan. Straßenanhebung und Radwegbau sollen in etwa gleichzeitig vonstatten gehen. 

Es war eine Premiere: Erstmals tagten die Gremien beider Orte gemeinsam. An die 20 Zuhörer erschienen im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum. Sie bekamen viele Informationen an die Hand – und erlebten eine muntere Debatte. 

Das Wichtigste vorneweg: Das Staatliche Bauamt Weilheim will für die Höherlegung der Route kommendes Jahr ein Planfeststellungsverfahren beantragen. Hierbei können Behörden, Verbände und Privatpersonen Einwände und Anregungen vorbringen. Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts, zeigte sich überzeugt, dass die Strecke angehoben wird, wenn Baurecht besteht. Da habe er „keinen Zweifel“. Er kenne keine Planfeststellung, wo Baurecht besteht, „und das dann nicht umgesetzt wurde“. Freilich: „Es könnte geklagt werden. Daher könnte es zu Verzögerungen kommen.“ Dennoch erwartet Kordon den Planfeststellungsbeschluss für 2018. 

Die Kosten stehen noch in den Sternen. So ist etwa die Zahl der Durchlässe noch unklar und auch, wie diese gegründet werden müssen. „Da steht noch eine intensive Abstimmung mit dem Geologen an“, betonte Dr. Hermann Streicher (Staatliches Bauamt). Der Untergrund im Moos ist bekanntlich instabil. Kostenmäßig sind die beiden Gemeinden bei der Anhebung der Staatsstraße außen vor. 

Anders verhält es sich beim geplanten Radweg. Hier teilen sich Ohlstadt und Murnau die Ausgaben. Es sind jeweils 171 000 Euro zu berappen. „Für Ohlstadt ist das eine Riesenportion“, betonte Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei). Für Murnau sei diese Summe leichter zu stemmen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 850 000 Euro. Der staatliche Zuschuss ist beträchtlich, allerdings nach aktuellem Stand deutlich niedriger als ursprünglich gedacht. Das letzte Wort sei jedoch noch nicht gesprochen, erklärte Kordon. Die beiden Gemeinden wickeln das Vorhaben in kommunaler Sonderbaulast ab. Den Grunderwerb regelt das Staatliche Bauamt. 

Dieser Punkt steht noch an. Auch die Ausgleichsflächen-Thematik ist noch auf der Agenda. Und dann ist da noch die Haselmaus. Im Bereich unter der Autobahnbrücke kommen diese possierlichen Tierchen vor. Dabei handelt es sich nicht um eine Maus, sondern um ein nachtaktives Nagetier aus der Familie der Bilche. Zu ihren nächsten Verwandten gehören Siebenschläfer, Gartenschläfer und Baumschläfer. Wegen der Haselmaus ist es nun so, dass erst im Oktober 2017 in Sachen Radweg gerodet werden kann. Denn die Tiere stehen unter der Obhut des Bundesnaturschutzgesetzes und sind auch nach europäischem Recht geschützt. Der Radweg soll von Murnau kommend auf der rechten Straßenseite verlaufen. Am Weiher muss ein Damm aufgeschüttet werden. 

Kritik kam aus dem Munde des Ohlstadter Rats Simon Sagmeister (BVO). Er empfand es als „Unding“, dass nicht der Staat komplett die Kosten für die Bike-Route trägt. Außerdem sei das ein Radweg Murnau-Großweil. „Ohlstädter fahren da nicht.“ Die nähmen den Weg über Weichs und Hechendorf nach Murnau. Sagmeister verstand auch nicht, warum die Hochwasserfreilegung nicht schon viel länger vorangetrieben wurde. „Das steht seit Jahrzehnten an.“ 

Die beiden Projekte sollen ungefähr gleichzeitig abgewickelt werden. „Es ist unser Bestreben, den zeitlichen Abstand möglichst gering zu halten“, betonte Streicher. Murnaus Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) hob die Bedeutung der geplanten Anhebung hervor. „Es ist ein unglaublich wichtiges Projekt, dass die Hochwasserfreilegung endlich in Gang kommt."


Roland Lory

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