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Juristen auf Ortstermin: Der Vorsitzende Johann Oswald (2. v. r.) leitet die Verhandlung, rechts steht Richterin Monika Schretter.

Verwaltungsgericht in Moosrain

Tauziehen um Stall für Pensionspferde

Murnau – Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde, wo ein Landwirt Pensionspferde hält. Im Murnauer Ortsteil Moosrain direkt am Moos sind bis dato 14 Rösser zuhause. Der Landwirt würde deren Zahl gerne erhöhen. Da das Landratsamt nicht mehr als 25 Stück zulassen will, zog der 47-Jährige vor Gericht.

So erschienen kürzlich Richter der 11. Kammer des Verwaltungsgerichts München in Moosrain, um die Sache im Rahmen eines Augenscheins vor Ort zu verhandeln. Letzten Endes einigten sich die Parteien darauf, das Verfahren erst einmal ruhen zu lassen.

Zur Vorgeschichte: Mit den Planungen für einen neuen Offenstall begann der gelernte Landwirt bereits vor rund vier Jahren. Die Marktgemeinde Murnau befürwortete das Vorhaben, vorausgesetzt die Privilegierung sei gegeben. Im September 2015 gab dann das Landratsamt grünes Licht und schickte dem Mann die Baugenehmigung für das 200 Quadratmeter große Gebäude. Daneben soll noch ein 80 Quadratmeter großer überdachter Mistplatz errichtet werden. Der Landwirt will wegen der Wirtschaftlichkeit seines Betriebs den Pferdebestand aufstocken. Im neuen Stall sollen nach seinen Angaben Rösser mit Stoffwechselerkrankungen untergebracht werden. „Da gibt es viele, aber es gibt dafür wenig Ställe.“ Insgesamt will er künftig maximal 36 Pferde halten: 18 im alten Stall und 18 im neuen. Das Areal befindet sich allerdings in sensibler Lage im Landschaftsschutzgebiet „Ramsachleiten und Alte Loisach“. Gleich daneben beginnt das Naturschutzgebiet Murnauer Moos. Die Kreisbehörde argumentierte, dass mehr als 25 Pferde nicht „mit dem Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes“ vereinbar wären. Der Anwalt des Klägers, Hartwig Schneider, hielt dagegen: 30 Rösser würden nach seinen Worten keine Übernutzung bedeuten. Sein Mandant verfügt über zehn Hektar Grünland, die im Landschaftsschutzgebiet liegen, vier Hektar hat er außerhalb dazugepachtet. Bei der Verhandlung ging es hin und her. Einen Rüffel erteilte der Vorsitzende Richter Johann Oswald dem Landratsamt: Es hätte den Bauantrag „nicht genehmigen dürfen“, da der neue Stall bei einer Begrenzung auf insgesamt 25 Tiere überdimensioniert wäre. Unterschiedliche Auffassungen gab es bezüglich der vorhandenen Anlagen.

Thomas Mann, Leiter der Bauverwaltung in der Kreisbehörde, erklärte, dass nur der große Reitplatz genehmigt sei. Der Kläger bestritt dies. Was der Hauperwerbslandwirt nicht verstehen kann: Bis 2011 betrieb er Mutterkuhhaltung mit 30 Tieren, was nicht beanstandet worden sei. Und jetzt soll die Pferdehaltung auf 25 Stück begrenzt werden. Oswald vertrat jedoch die Ansicht, dass diese Menge „in Ordnung“ sei. „Eine größere Zahl ist nicht vereinbar mit dem Landschaftsschutzgebiet.“ Anwalt Schneider konnte dies nicht nachvollziehen, zumal der Landwirt langfristig Flächen dazupachten könne. Die Parteien wollen sich noch einmal zusammensetzen. Dabei sollen auch Fachleute von Landwirtschaftsbehörden ihre Einschätzung abgeben. „Da muss ein Gesamtkonzept her“, fasste der Vorsitzende Richter zusammen. „Keine Rechtsgrundlage“ sah das Gericht übrigens für Vorgaben der Kreisbehörde, was das Löschwasser betrifft.

Roland Lory

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