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Pausiert zum dritten Mal in Folge: CSU-Gemeinderat Josef Bierling (l.). Auf dieser Archivaufnahme ist er zusammen mit seinem Parteifreund und dem jetzigen Altbürgermeister Dr. Michael Rapp beim Derblecken 2013 zu sehen.

Politiker-Derblecken

Spektakel ohne Bierling-Comeback

Murnau - Der krisenerprobte CSU-Gemeinderat Josef Bierling macht heuer wieder nicht mit beim kultigen Murnauer Politiker-Derblecken im Griesbräu – bereits zum dritten Mal in Folge. Der Mitinitiator des derb-fröhlichen Spektakels nennt zeitliche Gründe.

Die Gaudi-Darbietung des Original Murnauer Bauerntheaters ist Pflichttermin für die Kreis- und Ortspolitik. Es gilt das ungeschriebene Gesetz: Wer in den satirischen Texten und Liedern nicht vorkommt, ist auch nicht so wichtig. Kein Wunder, dass beim Derblecken 2016 am 5. März – Anlass ist der traditonelle Starkbier-Anstich – die rund 200 Plätze im Griesbräu-Saal bereits ausgebucht sind. Wie im vergangenen Jahr liest auch diesmal wieder die Schauspieltruppe mit Ursula Ohliger, Petra Albrecht, Kurt Schweda, Hans-Jürgen Steib und Adi Sam den Großkopferten gehörig die Leviten – und macht sich über besondere Vorkomnisse und Ereignisse lustig.

Bemerkenswert: Zum dritten Mal in Folge nicht dabei ist Josef Bierling, Vize-Sprecher der CSU-Fraktion im Gemeinderat. „Ich schaffe es zeitlich nicht“, begründet der Hechendorfer Schreinermeister seine Entscheidung. Er habe unter anderem beruflich gut zu tun. Dabei hatte er vergangenes Jahr noch gehofft, dass ihm heuer das Comeback gelingt. Bierling ist mit dem Derblecken eng verbunden: Er galt als treibende Kraft der Murnauer Antwort auf das Münchner Nockherberg-Singspiel. Und er wurde lange Zeit als wichtiger Ideengeber und Texter gehandelt, der Insider-Infos aus dem Politbetrieb beisteuert.

2014 und 2015 blieb der einstige Hoffnungsträger der Schwarzen aus politischen Gründen der Derblecken-Bühne fern – um keine Angriffsfläche zu bieten. Erst stand er als Spitzenkandidat im Kampf um den Rathaus-Thron im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Und nach dem herben Machtverlust bei der Kommunalwahl wurden interne CSU-Querelen mit ihm in Verbindung gebracht. Politische Überlegungen hätten aktuell keine Rolle mehr gespielt, sagt Bierling. Vielleicht schaffe er es ja irgendwann, wieder mitzumachen. Denn: „Das hat immer Spaß gemacht.“

Das Derblecken-Quintett scheint indessen die Bierling-Absage nicht großartig zu stören. „Es geht schon weiter“, meint Bauerntheater-Urgestein Steib. Man sei ein eingespieltes Team und habe bereits mit dem Erstellen des Programms begonnen. 14 Tage vor der Aufführung beginne die „heiße Phase“. Steib lässt sich nicht in die Karten schauen, was am 5. März alles geboten wird. Nur soviel: An Themen mangle es ihnen nicht. Und auch Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) liefere wie sein Vorgänger ausreichend Stoff.

„Politiker müssen schon was einstecken können“, meint Steib. Aber man wolle niemanden beleidigen. „Die Leute sollen sich freuen. Hauptsache, es wird gelacht.“ Dem Theatermann ist auch wichtig, dass alle gleichermaßen ihr Fett abbekommen. „Wir sind neutral. Jeder wird gleich behandelt“, betont Steib. In der Vergangenheit wurde hinter vorgehaltener Hand immer wieder gespöttelt, das Ganze sei eine CSU-freundliche Hofnarretei.

Andreas Seiler

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