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Schon wieder Frühling? Gäste sitzen am vierten Advent bei lauen Temperaturen vor einem Lokal in Mittenwald. 

Schneemangel

Tourismus im grünen Grenz-Bereich

Landkreis - Winterwunderland ist ausgefallen – trotzdem hat das Tourismusgeschäft im Landkreis über die grünen Weihnachtstage gebrummt. Doch jetzt lechzt die Branche nach Schnee.

Dieses Weihnachtsfest besaß das Flair von Goldener-Oktober-Tagen: Die Menschen tranken Kaffee im Freien, Wanderer strömten auf die Berge, Aussichts-Gaststätten wurden teilweise überrannt. In den Ferien war mächtig viel los im Landkreis – auch wenn die Region mit einem wichtigen Pfund nicht wuchern konnte: Schnee. Die Winter-Urlauber saßen bei Sonnenschein im Grünen. Doch sie kamen, zumindest in der schulfreien Zeit. Nun aber, bei Schmuddelwetter, wachsen im Tourismus die Sorgen. Denn die Tagesausflügler und Kurzentschlossenen, die sonst im Januar das Geschäft beleben, halten’s wie der Schnee: Sie bleiben aus.

„Man merkt, dass die Nachfrage nach den Ferien spürbar zurückgeht, wir tun uns merklich schwerer“, sagt Sabrina Blandau, Geschäftsführerin der Alpenwelt Karwendel (Mittenwald, Krün und Wallgau). Über die Weihnachtstage war auch wirtschaftlich alles im grünen Bereich geblieben, viele Stammgäste reisten trotz Schneemangels ins obere Isartal. Sie arrangierten sich mit dem Nicht-Winter, nahmen angebotene Alternativ-Programme wahr. Doch jetzt ist guter Rat teuer. Die in diesen Wochen wichtigen kurzfristigen Buchungen „haben wir im Moment nicht“, sagt Blandau. „Im Winter wollen die meisten Urlauber Schnee.“

Und der fehlt – im Isar- wie im Ammertal. Stornierungen blieben in den grünen Ferien auch im Bereich der Ammergauer Alpen im größeren Umfang aus, Gäste gingen wandern, schwimmen oder in Museen der Region. Oberammergau, heißt es vom Gäste-Service, sei relativ voll gewesen. Nun aber lassen die Tagesausflügler auf sich warten. Man sehnt sich nach Schnee, auch für den König-Ludwig-Lauf. 

Viele leiden, einzelne profitieren – wie Murnau, das eher auf den Säulen Sommer- und Kulturtourismus steht. Philip Schürlein, Chef der Tourist-Information, ist jedenfalls überzeugt: Der Ort, der über die Weihnachtstage gut belegt gewesen sei, gehöre zu den „Nutznießern“ des bislang ausgefallenen Winters: „Viele Gäste aus Garmisch-Partenkirchen oder dem Ammertal unternahmen Tagesausflüge nach Murnau.“ Das Schloßmuseum, sagt Mitarbeiterin Dr. Katja Amato, habe in den Ferien doppelt so viele Besucher in der Sonderschau verzeichnet wie im Vorjahr und knapp doppelt so viele in seiner Dauer-Ausstellung.

Gute Zahlen – darüber freut man sich auch in Garmisch-Partenkirchen, zumindest für den Dezember: Da kamen mehr Gäste an als im Jahr zuvor, bei den Übernachtungem konnte das Niveau auch mit grünen Wiesen gehalten werden. Darüber hinaus liegen noch keine belastbaren Ferien-Zahlen vor. Stornierungen seien ausgeblieben, sagt Tourismusdirektor Peter Ries, „und es gab praktisch keine Beschwerden“. Dafür sorgte wohl das sonnige Traum-Wetter, das viele Möglichkeiten jenseits des Wintersports eröffnete: „Die Gäste konnten immer etwas machen.“ In den Bergen herrschte Hochbetrieb, und in Gesprächen mit Vertretern von Gastronomie und Geschäftswelt hörte Ries von „tollen Umsatzvolumen“. Ein Café-Betreiber in der Fußgängerzone habe ihm versichert, „im Dezember noch nie so ein Geschäft wie heuer“ gemacht zu haben. Der Hardcore-Skifahrer komme über die Feiertage nicht nach Garmisch-Partenkirchen, meint Ries, „aber wer ein breitgefächertes Angebot und ein Naturerlebnis will, erhält das bei uns“.

Die Urlauber sorgten auch in der Skischule Garmisch-Partenkirchen für Ferien-Betrieb. „Ausgeblieben ist der Tagesgast, der Ski leiht und einen Lehrer bucht“, sagt Leiter Carlo Tronci. Er ist froh, dass es Pisten für Kurse gab. „Weil die Bayerische Zugspitzbahn super Arbeit geleistet hat, sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Doch Tronci weiß: „Die harte Zeit wird erst noch kommen“ – für den Fall, dass weiter der Schnee ausbleibt.

Jetzt, im obligatorischen „Januar-Loch“ nach den Ferien, wächst auch bei Hoteliers in Garmisch-Partenkirchen die Unruhe. Über Weihnachten und Silvester hielten sich die Stornierungen noch in Grenzen, sagt Jutta Griess („Rheinischer Hof“), Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Doch für die nächsten Wochen schnellten sie in die Höhe, betragen in ihrem Haus rund 50 Prozent. „Und meist liegen alle in dem Trend.“ Ein Horrorszenario für Griess wäre eine Absage der alpinen Ski-Weltcup-Rennen wegen Schneemangels, die heuer mit dem Fasching, touristische Hochsaison, zusammenfallen. Dann würden in dieser wichtigen Zeit viele für den Ski-Tross geblockte Betten leer bleiben. Doch Griess sieht noch nicht schwarz – die Wettervorhersage lässt sie auf viel Schnee am Wochenende hoffen. „Dann“, weiß sie, „wird sich alles schlagartig ändern.“

Silke Jandretzki

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