Angeklagte müssen Schmerzensgeld bezahlen

Nach Volksfest-Besuch: Schlägerei endet in Klinik

Murnau - Alkoholisiert und aggressiv: Zwei Murnauer Brüder sind auf dem Heimweg vom Volksfest auf einen Studenten losgegangen. Nun mussten sie sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Gericht verantworten.  

Volksfeste sind alle Jahre beliebte Tatorte für Schlägereien und Körperverletzungen. So auch in Murnau, wo zwei ansonsten unbescholtene Murnauer Brüder (28 und 25 Jahre) auf dem Heimweg nach dem Volksfest dank jeweils 1,8 Promille Alkohol im Blut einem 21-jährigen Münchner Studenten schlugen und verletzten. Diese gefährliche Körperverletzung kostet die beiden Angeklagten jetzt ganz schön viel Geld: Zwar wurde das Verfahren vom Garmisch-Partenkirchner Amtsrichter Andreas Pfisterer eingestellt. Doch der als Haupttäter wirkende 25-Jährige muss dem Opfer im Zuge eines zivilrechtlichen Vergleich 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen, sein älterer Bruder 1000 Euro.

Staatsanwältin Caroline Pape hatte eingangs aufgelistet, wessen die zwei Brüder beschuldigt wurden: Am 14. Juli des vergangenen Jahres, auf dem nach Hause nach dem Murnauer Volksfest, habe der Ältere gegen 2.45 Uhr zunächst einen Gast beleidigt, ehe alle beide den 21-jährigen Studenten in die Ecke einer Garageneinfahrt drängten und ihm mehrfach die Fäuste ins Gesicht schlugen. „Der Münchner erlitt dadurch mehrfache Prellungen an der rechten Wange und Abschürfungen an der Unterlippe, was die Angeklagten auch beabsichtigt hatten“, sagte die Staatsanwältin. Als es dem Opfer schließlich gelang, sich zu befreien, habe der Ältere auch noch gedroht: „Ich bring’ dich um.“ Weil die Brüder gemeinschaftlich gehandelt hatten, handle es sich um eine gefährliche Körperverletzung, erklärte die Anklägerin.

Opfer musste in die Klinik

 Schon auf dem Volksfest, klagte der 28-jährige Beschuldigte bei der richterlichen Vernehmung, sei er von hinten niedergeschlagen und anschließend zusammengetreten worden. Und als Täter habe er eine Gruppe ausgemacht, der auch der besagte Student angehört habe. „Ich ging dann mit meinem Bruder heim“, jammerte er, „musste mich auch immer wieder hinlegen, weil es mir angesichts starker Schmerzen nach diesem Vorfall, bei dem ich eine Thoraxprellung erlitt, so schlecht ging“.

Dabei seien sie dann erneut dem Kontrahenten begegnet: „Der kam auf uns zu und kam mit einem Bruststoß.“ Die Reaktion: „Ich klebte ihm eine mit der flachen Hand.“ An weitere Schläge vermochte er sich nicht erinnern – ebensowenig an das, was sein jüngerer Bruder getan hatte. Auch fielen ihm die Schimpfworte, die er ausgestoßen haben soll, kaum noch ein.

 Das Opfer habe den Vorgang völlig anders dargestellt, sagte Richter Pfisterer. Und der Student schilderte eingehend, wie die Brüder einhellig mit den Fäusten auf ihn eingeschlagen hätten – so heftig, dass er sich am nächsten Tag in die Klinik begab. „Ich glaube seinen Schilderungen“, erklärte daraufhin der Richter und stellte eine Verurteilung beider Brüder wegen gefährlicher Körperverletzung in Aussicht. „Es sei denn“, wandte er sich an die beiden Verteidiger Christian Langhorst und Michael Röhrig, „wir schließen einen zivilrechtlichen Vergleich über das an den 21-Jährigen zu zahlende Schmerzensgeld und stellen das Verfahren anschließend ein“. Zwei Monatsgehälter der beiden jungen Herren seien wohl angebracht, schloss sich die Staatsanwältin an. Nach kurzer Beratung mit ihren Mandanten waren die Anwälte dann auch einverstanden.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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