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Die Tafel: Der dazugehörige Stein steht auf Kreis-Grund im Moos.

Umstrittene Würdigung

Lösung in Sachen Dingler-Tafel

Es waren intensive Debatten. Doch nun ist der Bund Naturschutz zu einer Lösung gekommen. Der Gedenkstein im  Murnauer Moos, der unter anderem NS-Sympathisant Max Dingler würdigt, bleibt stehen. Daneben will man drei Info-Tafeln aufstellen.

Vor einem Jahr drängte Axel Doering, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN), auf eine Lösung. Bis zum Sommer 2015 wollte er eine Entscheidung haben im Hinblick auf den Gedenkstein, auf dem neben Ingeborg Haeckel auch Max Dingler gewürdigt wird. Doch die Diskussion zog sich. 

Inzwischen sind die BN-Kreisgruppe und die Ortsgruppe Murnau mit Umgebung allerdings zu einer Entscheidung gekommen: Der Gedenkstein bleibt, daneben werden drei Info-Tafeln aufgestellt. Eine befasst sich mit Dingler, eine mit Haeckel und eine mit dem Murnauer Moos. Dies teilt Doering auf Nachfrage mit. Es seien „intensive Diskussionen“ gewesen. Herausgekommen sei „ein Kompromiss, mit dem ich leben kann.“

Dingler war Naturschützer, Mundartdichter und stand der NS-Ideologie nahe. So gründete er etwa die Murnauer Ortsgruppe der NSDAP. Der Stein mit dazugehöriger Bronzetafel steht am ehemaligen Moosberg-Steinbruch auf einem Grundstück, das dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Platzieren ließ ihn der BN 1995, obwohl es rund 15 Jahre zuvor massive Auseinandersetzungen um den Schulpatron Dingler gegeben hatte. „Ich hätte ihn nicht aufgestellt“, betont Doering.

Auf der Tafel steht: „Dieser Stein war Ausgangspunkt der naturkundlichen Führungen von Frau Dr. Ingeborg Haeckel (1903-1994) und Prof. Dr. Max Dingler (1883-1961), die uns die Augen für die Schönheit und den Wert dieser Landschaft geöffnet haben. Wanderer, gedenke der Vorkämpfer für die Natur. Lass den Zauber des Moores auf Dich einwirken. Tue alles, damit auch spätere Generationen das Murnauer Moos erleben können.“ Dinglers Sympathie für nationalsozialistisches Gedankengut bleibt außen vor. 

Das weitere Procedere sieht folgendermaßen aus: Die Verantwortlichen wollen abwarten, was die Recherchen der Münchner Historikerin Dr. Christine Rädlinger ergeben. Sie arbeitet an einem Buch über das Murnauer Moos. Wenn die Ergebnisse vorliegen, ist geplant, dass Rädlinger, Marktarchivarin Dr. Marion Hruschka und BN-Vertreter einen Text über Dingler formulieren, „der dem aktuellen Stand der Forschung entspricht“, wie Hruschka mitteilt. Das sei eine „vernünftige Vorgehensweise“. 

Doering betont: „Wir wollen, dass das historisch absolut haltbar ist.“ Der Kreisvorsitzende möchte auf jeden Fall verhindern, dass sich der BN später nochmal mit der Angelegenheit auseinandersetzen muss. „Wir wollen keine Korrekturen mehr vornehmen müssen.“ 

Freilich: Es lässt sich nicht ausschließen, dass in ein paar Jahren neue Details ans Licht kommen. Schließlich soll demnächst ein Historiker Murnaus braune Vergangenheit erforschen. 

Wie berichtet, wurde voriges Jahr auch eine Debatte über Dinglers Ehrenbürgerschaft losgetreten. Der Initiator war der Ansicht, Murnau solle „von solchen Peinlichkeiten endlich Abschied“ nehmen.

Roland Lory

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