53-jähriger zu Haftstrafe verurteilt 

Opfertrick: Abzockerei auf Parkplätzen

Murnau - Ein 53-Jähriger hat in Murnau versucht, mit einer dreisten Masche Geld zu erbeuten. Er gab sich als Unfallopfer aus. 

Hierzulande kaum bekannt ist eine in östlichen Ländern beliebte Betrugsmasche: der so genannte Opfertrick. Die Methode, sich auf einem Parkplatz von einem Auto angeblich anfahren und verletzen zu lassen, um an Schmerzensgeld oder Schadenersatz zu gelangen, versuchte ein 53-Jähriger in Murnau – allerdings mit nur sehr mäßigem Erfolg. Er erbeutete nur wenig Geld, dafür bekam er aber eine saftige Strafe. Weil er schon einige Male wegen Eigentumsdelikten vorbestraft war, verdonnerte ihn Richterin Linda Behmel zu sieben Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Laut Staatsanwalt Thomas Hillmeier hatte der damals in Seehausen wohnende Gelegenheitsarbeiter, den jetzt zwei Polizisten aus der Justizvollzugsanstalt Landsberg, wo er wegen eines Diebstahls einsitzt, ins Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen brachten, zum Jahreswechsel 2015/16 die besagte Gaunerei dreimal in Murnau versucht. Zuerst am 20. Dezember 2015: Er ließ sich, als gerade eine Frau an der Utzschneiderstraße ausparkte, hinter deren Auto fallen und gab vor, vom Wagen angefahren worden zu sein. Zwar sei die Verletzung nicht der Rede wert, behauptete er, aber seine Jacke und Hose seien beschädigt worden – Kleidungsstücke, die er angeblich für 900 Euro gekauft hatte. Ein Drittel davon wäre für die Reparatur notwendig. Prompt gab ihm die Frau 270 Euro. Ähnlich, aber nicht so erfolgreich verlief es am 30. Dezember: Der Angeklagte ging am gleichen Parkplatz erneut hinter dem Auto einer ausparkenden Frau zu Boden, jammerte über Schmerzen an der Schulter und wollte mit ihr über eine Entschädigung sprechen. Als jedoch die Polizei kam, suchte er das Weite. Am 5. Februar ging es einer anderen Frau beim Tengelmann-Center ähnlich: Sie parkte aus – und er tat so, als sei er gestürzt und verlangte 300 Euro Schadenersatz. Doch die Frau gab ihm nur ihre Telefonnummer. Die Polizei konnte indessen den Betrüger identifizieren. Vor Gericht teilte er jetzt mit, dass chronische Geldnot der Hintergrund seiner Taten gewesen sei. Verteidiger Michael Röhrig handelte mit Richterin und Staatsanwalt einen Deal aus: Bei rückhaltlosem Geständnis mindestens sechs, höchstens neun Monate Haft. Denn immerhin war der Mann im März 2015 zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden, nachdem er in Seehausen wertvolle Kameras und Objektive im Wert von 27 000 Euro gestohlen hatte. Doch nach einer weiteren Straftat wurde die Bewährung widerrufen, weshalb er jetzt in Landsberg einsitzt. Kein Wunder, dass der Staatsanwalt für den insgesamt viermal Vorbestraften wegen der Murnauer Betrügereien sieben Monate beantragte, der Verteidiger sechs. Das Urteil lautete jedoch, wie vom Ankläger beantragt, sieben Monate ohne Bewährung.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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