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 Auch dieses Stück der Straße am Strandbad ist von dem Ausbau betroffen. Zahlreiche Anlieger müssen hierfür Grund abtreten.

Krach in der ländlichen Idylle

Parkplätze am Strandbad: Anwohner-Kritik bleibt ohne Erfolg

Seehausen - Anwohner gehen auf die Barrikaden: In Sachen Straßenausbau am Strandbad schwappte eine Welle von Kritik über die Gemeinde. Doch die Bedenken von Privatleuten und Behörden beeindrucken die Volksvertreter nicht. 

Anwohner gehen gegen Pläne der Gemeinde Seehausen auf die Barrikaden. Diese will die Verkehrs- und Parkplatzsituation rund um das Strandbad neu ordnen, die sich während der Badesaison im Hochsommer oft chaotisch gestaltet. Doch der Bebauungsplan „Erschließungsstraße am Strandbad“, der einen Ausbau der Strecke zwischen Johannisstraße und Dorfstraße auf sechs Meter Breite (davon 4,50 Meter asphaltiert) vorsieht, sorgt für jede Menge Zündstoff bei den betroffenen Anliegern. Dies zeigte auch die Gemeinderatssitzung wieder, in der die eingegangenen Stellungnahmen nach der zweiten öffentlichen Auslegung behandelt wurden. Bereits nach der ersten Auslegung imFrühjahr 2014 waren Anlieger gegen das Vorhaben Sturm gelaufen. Auch die Untere Naturschutzbehörde kritisiert akutell das Projekt. Doch der Gemeinderat wies alle schriftlich vorgebrachten Anregungen und Bedenken von Fachbehörden und Privatleuten mit großer Mehrheit zurück.

So hatte etwa das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen empfohlen, die Straße beim Ausbau besser in das örtliche Erscheinungsbild einzubinden. Die Untere Naturschutzbehörde sieht gar den dörflichen Charakter in diesem Bereich in Gefahr, was Daniel Schreyer (CSU) besonders ärgerte: „Sie unterstellt uns, die Verstädterung voranzutreiben.“

Die Anlieger, das kam in den teilweise seitenlangen, überwiegend von Rechtsanwälten verfassten Schreiben klar zum Ausdruck, befürchten vor allem mehr Verkehr, mehr Abgase und mehr Lärm. Zudem sind ihnen Aspekte der Verkehrssicherheit, die Abtretung von Privatgrund sowie die Fällung von Bäumen ein Dorn im Auge.

Offensichtlich war, dass es dem Gemeinderat nicht gelang, die Ängste einiger betroffener Haus- und Grundstücksbesitzer zu zerstreuen, die die Sitzung aufmerksam verfolgten. Seine Gäste, an die er Ferienwohnungen vermiete, seien über das Vorhaben entsetzt, erklärte einer von ihnen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Anstatt die Fahrbahn so breit auszubauen, solle sie die Gemeinde in eine Spielstraße umwandeln, um den Verkehr zu beruhigen, schlug er vor. Ohnehin beschränkten sich die Verkehrsprobleme rund um das Strandbad im Hochsommer oft nur auf kurze Zeit: So sei die Einrichtung 2014 lediglich an 29 Tagen geöffnet gewesen. Und er wurde noch deutlicher: „Das ist eine Entscheidung nicht mit dem Bürger, sondern gegen ihn. Wir haben keine der verschiedenen Varianten, die vom Gemeinderat geprüft wurden, zu Gesicht bekommen.“ Auch ein anderer Besucher erklärte, der „Mehrwert der Planung“ habe sich „uns noch nicht erschlossen“. Eine Zuhörerin bemängelte, dass das Gremium keinen der vorgebrachten Einwände von Behörden und Bürgern in seine Entscheidungen habe einfließen lassen.

Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) versuchte, die Wogen zu glätten: „Eingriffe sind nur im baulich nicht nutzbaren Randbereich der betroffenen Grundstücke vorgesehen.“ Zudem betonte er die „größtmögliche Schonung privatrechtlicher Grundstücke“. Im Hinblick auf Emissions-Bedenken zitierte der Bürgermeister die Ergebnisse entsprechender Fachgutachten, welche die Gemeinde in Auftrag gegeben hatte. Die Kommune sei verpflichtet, Bauleitplanungen vorzunehmen. Das sei für die künftige Dorfentwicklung nötig. Durch die fehlende Erschließung in diesem Bereich bestehe auf einigen Grundstücken kein Baurecht. Die Planungshoheit bei der Gestaltung der Straße liege bei der Gemeinde, stellte Hörmann klar.

Schreyer unterstrich das Bemühen der Kommune: „Bei keinem anderen Projekt haben wir so viel abgewogen und diskutiert wie bei der Straße am Strandbad.“ Man habe „mit Anliegern gesprochen, Anhörungen gemacht, zig Termine gehabt“. Dies bestätigten Inge Policzka und Christoph Lautner (beide PWS).

Als einziger der 13 anwesenden Ratsmitglieder stimmte Robert Roithmeier (Liste Bürgernah) gegen den Satzungsbeschluss und somit gegen den Bebauungsplan. „Ich kann die Ausführungen des Naturschutzes voll teilen“, sagte er. „Die Planungen verändern das Ortsbild vehement – da geht etwas von der Ursprünglichkeit verloren. Die Änderung, die wir uns damit einhandeln, ist zu groß.“ Auch befürchtet er zusätzlichen Verkehr im Ort, der dort nicht erwünscht sei.

Klaus Neubert (CSU) hielt dagegen, dass die vorgesehene Straßenbreite gesetzlichen Vorgaben entspreche: „Wir brauchen die Randstreifen für die künftige Verlegung von Versorgungsleitungen.“

Heino Herpen

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