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Ästhetik in Reinkultur

Pole-Dance: Wenn Körper zur Kunst wird

Murnau - Elodie von Poschinger aus Murnau organisiert einen besonderen Wettbewerb an der Stange im Casino Seefeld.

Es sieht so unglaublich leicht aus, wenn Elodie von Poschinger um die Stange wirbelt. Jeder Griff sitzt, egal wie schwierig die Figur auch ist. Gelegentlich huscht der grazilen Murnauerin bei ihren akrobatischen Power-Choreografien ein Lächeln über ihr Gesicht. Bei ihr wird der Körper zur Kunst. Doch Pole-Dance erfordert viel Kraft, Ausdauer und Bewegung. „Da schnauft man ganz schön“, meint die 39-Jährige – vor allem dann, wenn sie ihr knapp vierminütiges Programm gemeistert hat. Keine Frage: Die Sportlehrerin und Fremdsprachen-Korrespondentin (Englisch, Französisch) ist befallen vom Bazillus „Pole“. Und sie möchte auch andere Menschen von ihrer Leidenschaft begeistern. Deshalb organisiert sie am Freitag, 29. April, im Casino Seefeld in Tirol eine Pole-Dance-Trophy (Beginn 20 Uhr).

Das Bewegungstalent vom Staffelsee wird dabei nicht selbst an der Stange tanzen. Elodie von Poschinger sitzt in der Jury und bewertet mit fachkundigem Auge die Performance der zehn Kandidatinnen aus Tirol und Oberbayern. Diese werden zwar aus sportlichen Gründen knapp bekleidet sein – Hauthaftung mit der Stange ist bei den schwierigen Figuren extrem wichtig –, aber keine High Heels tragen. „Das Ganze soll ja keinen anrüchigen, sondern sportlichen Charakter haben.“ Dabei weiß die Deutsch-Französin sehr wohl, dass viele (Männer) beim Tanz an der Stange wohl eher an nackte Tatsachen im Striptease-Club denken. Das Problem mit Vorurteilen kennt die Pole-Dance-Vorreiterin nur allzu gut. „Das war in Murnau, auf dem Land, auch nicht so einfach.“ Die Liebe zu dieser Sportart entflammte bei ihr 2008. „Damals absolvierte ich meinen ersten Workshop.“ Schon von Kindesbeinen an war Tanz Trumpf – ob Ballett, Modern- oder Jazzdance. 2009 machte sie ihren Trainerschein. Seit März 2012 führt sie ihr eigenes „Studio Elodie Tanzbewegung“ im Murnauer Kemmelpark.

 Die Nachfrage nach Pole-Dance ist groß. „Das läuft am besten.“ Das Publikum: „Ganz gemischt.“ Das Gros sind natürlich Frauen zwischen 20 und 35 Jahren. Aber auch eine Teenagerin (14) oder eine Dame um die 60 versuchten sich schon an der Stange. Ja, und man glaubt es kaum: Inzwischen nimmt sogar ein Mann im besten Alter an den Übungen teil. Bis Neueinsteiger allerdings einen „Snatchcock“ (Spagatfigur, bei der sich die Tänzerin nur mit Beinen und Rücken an der Stange festhält) beherrschen, ist viel Training gefragt. „Alles Kraft- und Techniksache“, verrät von Poschinger. „Jeder kann ganz schnell Fortschritte machen“ – und „süchtig werden“. Das können auch „Pole-Kisses“, die vielen blauen Flecken, die sich die akrobatischen Tänzer reihenweise zuziehen, nicht verhindern. Elodie von Poschinger jedenfalls verkörpert buchstäblich Pole-Dance. Mit ihrer erfrischenden Art hat sie schon viele Gleichgesinnte gefunden. Vielleicht werden es nach dem Seefelder Contest noch mehr.

Christof Schnürer

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