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Hier wird das Wasserkraftwerk gebaut: Großweils Bürgermeister Manfred Sporer an der Loisach.

Verwaltungsgericht München

Freie Bahn für Wasserkraft in Großweil

Großweil - Das Vorzeigeprojekt der Energiewende im Landkreis, das geplante Schachtwasserkraftwerk an der Loisach in Großweil, kann gebaut werden. Denn nun ist auch der rechtliche Weg frei. Ein von Naturschutzverbänden angestrengtes Klageverfahren wurde mit einem Kompromiss eingestellt.

Die Verhandlung vor der zweiten Kammer des Münchner Verwaltungsgerichts war mit Spannung erwartet worden: Bund Naturschutz (BN) und der Landesfischereiverband (LFV) hatten, wie berichtet, Klage gegen den ambitionierten Kraftwerksbau eingereicht, der nach ersten Schätzungen 3,5 Millionen Euro kostet. Befürchtet wurde in erster Linie eine Schädigung des Fischbestandes in dem sensiblen FFH-Gebiet, wenn Tiere in die Turbinen geraten, getötet oder verletzt werden. Vor allem die ohnehin bedrohte Mühlkoppe bereitete den Naturschützern Sorgen. Nach einer über zweistündigen Sitzung – Beklagter war der Freistaat Bayern, vertreten durch das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, das vor gut einem Jahr die Anlage zur Stromgewinnung genehmigt hatte – kam es zu einer Einigung, die auf verschärfte Auflagen zum Schutz der Fischfauna abzielt. Dies erklärte auf Nachfrage ein Pressesprecher des Gerichts. BN und LFV hätten folglich den Fall als erledigt angesehen. Beide Organisationen waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Konkret bedeutet die Vereinbarung: Sollte der Fischbestand leiden, müssen geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Dazu zählen etwa bauliche Veränderungen oder eine Anpassung der Betriebszeiten. Beispielsweise könnte man darauf Rücksicht nehmen, wenn eine Fischart nur nachts unterwegs ist.

Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, hatte sich bereits im Vorfeld ein solcher Ausgang angedeutet. Nach einem nichtöffentlichen Erörterungstermin wurden dem Vernehmen nach zahlreiche Gespräche geführt. Herausgekommen sei, so heißt es, eine Lösung, mit der beide Seiten gut leben könnten. Die Naturschützer hätten einige Punkte in ihrem Interesse herausgehandelt. Und der künftige Betreiber und Investor, die Wasserkraftwerk Großweil GmbH – Gesellschafter sind die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, die Gemeinde Großweil und das Kraftwerk Farchant –, könne nun endlich loslegen. Vermutlich, so wird weiter spekuliert, hätten die Kläger das Vorhaben nicht verhindern, allenfalls verzögern können.

Wie dem auch sei: Landrat Anton Speer (Freie Wähler), ein Förderer des Pilotprojekts, das an der Loisach im Nordwesten Großweils verwirklicht werden soll, ist zufrieden: „Es ist sehr erfreulich, dass endlich was vorwärts geht. Das bringt den Landkreis nach vorne.“ Denn die Wasserkraft sei mit Blick auf die Energiewende eine wichtige Ressource.

Ähnlich sieht es Großweils Bürgermeister Manfred Sporer (CSU), der zugleich einer der Geschäftsführer der neuen Kraftwerk GmbH ist: „Ich bin froh, dass es zu dieser Lösung gekommen ist.“ Wenn alles glatt läuft, könnte noch heuer im Herbst der Baustart erfolgen und 2017 die Fertigstellung gefeiert werden.

Die fast vollständig unterirdische Anlage ist technologisch zukunftsweisend und wurde von der Technischen Universität München entwickelt. Das Wasser strömt von oben in Schächte, treibt die an einen Generator gekoppelten Turbinen an und wird zurück ins Flussbett geleitet. Auf diese Weise sollen jährlich 2,5 Millionen Kilowattstunden Öko-Strom erzeugt werden. Das würde rein rechnerisch für etwa 600 Privathaushalte reichen. Streitpunkt war die Frage, wie sicher die Fische dieses Querbauwerk im fließenden Gewässer passieren können. Die Betreiber betonen das ihrer Ansicht nach fischverträgliche Konzept, das unter anderem Fischtreppen vorsieht – und verweisen auf Tests in einer Versuchsanlage.

Andreas Seiler

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