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Bald als Legionäre unterwegs: die Staffelsee-Gymnasiasten Nikolas Heinloth (l.) und Simon Strasser mit einem Teil ihrer Ausrüstung.

Außergewöhnliches Schul-Projekt

Wie die alten Römer: Gymnasiasten überqueren die Alpen

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Murnau - Diese Reise in die Geschichte erfolgt auf die knochenharte Tour: Staffelsee-Gymnasiasten begeben sich auf die Spuren der Römer. Sie überqueren für ein Projekt die Alpen – in authentischer, zig Kilo schwerer Legionärsmontur.

Die Gruppe erregt Aufsehen: junge Leute, die in Tunika, Ledersandalen, Plattenrüstung oder Kettenhemd, mit riesigem gold-rot lackierten Schild, Schwert, Dolch, Gürtel und Wurfspeer zwischen Hechendorf und Eschenlohe an der Loisach entlang marschieren. Ein buntes Völkchen, das wirkt, als sei es gerade einem Sandalen- und Bibelschinken entstiegen. Passanten wollen da gerne mal Fotos machen, andere rufen „Ave“ und „Salve“.

Doch mit Fasching, Theater oder Film hat die Szene nichts zu tun. Die Staffelsee-Gymnasiasten befinden sich vielmehr im Training, um eine Herausforderung nach historischem Vorbild zu bestehen. Sie werden ab Mitte Juli in voller Legionärsmontur, wie sie die Soldaten der Römischen Kaiserzeit vor etwa 2000 Jahren trugen, zu Fuß die Alpen überqueren – rund 200 Kilometer und 2000 Höhenmeter von Brixen bis nach Murnau entlang der antiken Via Raetia.

40 Kilo werden die zehn Burschen über die Berge schleppen. Allein die Rüstung für den Oberkörper, die so wenig bequem wirkt wie das Nagelbett eine Fakirs, bringt elf Kilo auf die Waage. Die Mädchen haben’s etwas leichter: Bei ihnen fällt das Kriegs-Zubehör weg. An dem, was wirklich schwer wiegt, kommen die jungen Frauen allerdings auch nicht vorbei: an den unbequemen Leder-Riemen-Sandalen mit Eisennägeln an der Sohle. „Sie sind das Schlimmste“, betont Nikolas Heinloth (16) aus Grafenaschau, der die (Tor-)Tour ebenso bewältigen will wie der Eglfinger Simon Strasser (17). „Man kriegt mit der Zeit Blasen an den Füßen“, erklärt Strasser.

Doch das schreckt niemanden ab aus dem Projekt-Seminar „Alpenüberquerung auf den Spuren der Römer“ (Latein/Sport). „Ich glaube, jeder ist motiviert, das durchzuziehen“, sagt Strasser. Der Aufwand: riesig. „Aber die Idee ist Klasse, deshalb macht’s jedem Spaß.“ Heinloth reizt der geschichtliche Aspekt ebenso wie die körperliche Herausforderung. Die 15 Elftklässler stellen mit den Lehrkräften Andrea Schwarz und Josef Thier einen experimentalarchäologischen Versuch nach, werden mit Haut und Haaren fühlen, wie es den Römern bei ihrem Marsch einst erging – und das so authentisch, so nah dran am historischen Vorbild wie möglich, auch wenn mancher Kompromiss geschlossen werden musste. Die Idee, sagt Strasser, stammt von Seminarleiterin Schwarz. „Es ist noch nie eine Frau in Legionärsausrüstung über die Alpen gegangen.“ Schwarz will diesen Kraftakt schaffen.

Solch eine Tour lässt sich nicht aus dem Ärmel schütteln – auch wenn „wir alle relativ fit sind vom Sporttreiben“, wie Strasser sagt. Seit Herbst laufen die theoretischen und praktischen Vorbereitungen. „Jetzt“, sagt Heinloth, „geht es in die intensive Phase.“ Alle wissen: Die Römer-Tour wird kein Kinderspiel. „Respekt ist auf jeden Fall da“, räumt der Grafenaschauer ein. Für absolute Notlagen, etwa einen Unfall oder eine Verletzung, geht ein Begleitfahrzeug mit auf Tour. Die Nächte verbringen die Schüler überwiegend in zwei Zelten, die in Form und Aufbau dem historischen Vorbild gleichen, aber aus funktionellem Material bestehen. Die Legionäre schlafen im Schild, der Mantel dient als Decke. Dabei ist auch ein römisches Horn, das von der Musikinstrumentenbauschule Mittenwald stammt.

Die anderen historischen Replika bezog die Gruppe über den Online-Handel – nicht billig. Knapp 1000 Euro kostet die Ausrüstung pro Mann regulär. Das Projekt kommt samt Zug-Anreise und Verpflegung auf 12 000 Euro. Spenden machen es möglich. Die Unterstützer sollen eingeladen werden, wenn die Gymnasiums-Römer im Herbst in der Aula ihr Projekt mit Bildern vorstellen. Die Schule ist auch das Ziel der Legionäre bei ihrer Rückkehr am 27. Juli. Sie wollen während des Sommerfests einmarschieren – natürlich in bester, friedlich-freundschaftlicher Absicht. Die Zeit der römischen Feldzüge in Germanien ist längst vorbei.

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