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Freigänger-Katze auf Tour (Symbolfoto): In der Natur lauern Gefahren - so kommt es vor, dass Haustiere in Fallen schwer verletzt werden oder verenden.

Schwer verletzte Katze in Seehausen

Tierquälerei: „Hohe Dunkelziffer“ bei illegalen Schlagfallen

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Seehausen - Eine Katze verschwindet in Seehausen, taucht Tage später schwerverletzt wieder auf. Eine Tierärztin vermutet eine Schlagfalle als Ursache. Hat sie Recht, wäre diese illegal aufgestellt. Tierschützer gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Rund eineinhalb Wochen lang bleibt die Kätzin verschollen. Ihre Familie, die in Seehausen lebt, hat die Hoffnung auf eine Rückkehr bereits aufgegeben – es ist nicht die erste ihrer Katzen, die plötzlich und spurlos verschwindet. Dann schleppt sich die Vermisste nach Hause – in einem schlimmen Zustand: abgemagert, ausgetrocknet und mit einem schwerstverletzten Hinterbein, gesplitterten Knochen. Die Murnauer Tierärztin Dr. Cathrin Glibotic muss am Sprunggelenk amputieren, kann die Katze aber retten. Glibotic geht angesichts des Verletzungsbilds und der Umstände davon aus, dass diese in eine Schlagfalle geraten war, die sie so furchtbar zurichtete. „Das ist ziemlich eindeutig“, sagt Glibotic. „Ob sie dann jemand befreit und es nicht geschafft hat, sie zu töten – ich weiß es nicht. Das war jedenfalls kein Unfall.“ Glibotic stellt klar, was das für ein Tier bedeutet: „Das ist eine Quälerei. So etwas macht man nicht.“

Und: So etwas dürfte im Landkreis auch nicht vorkommen. Wer eine Totschlagfalle aufstellt, muss strenge Auflagen erfüllen, die neben einem speziellen Lehrgang unter anderem eine Genehmigung und eine Registrierung beim Landratsamt vorsieht. Behördensprecher Stephan Scharf stellt klar: „Es gibt keine von der Jägerschaft bei uns angezeigte Schlagfalle im Landkreis.“ Vielsagend fügt Scharf hinzu: „Was nicht heißt, dass nicht jemand illegal eine aufgestellt hat.“

Genau davon geht Tierschützerin Tessy Lödermann aus, die einst als Landtagsabgeordnete der Grünen letztlich vergeblich versucht hatte, ein komplettes Verbot von Totschlagfallen durchzubringen, in denen immer wieder Katzen und Hunde verenden. In ganz Oberbayern höre sie von solchen Fällen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine ziemlich hohe Dunkelziffer gibt und dass einige Totschlagfallen unterwegs sind“ – und zwar illegal, meint die Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises. „Da gibt es eben Leute, die noch Fallen rumstehen haben und zur Selbsthilfe greifen“ – wenn sie etwa ihr Auto durch einen Marder bedroht sehen. „Die Totschlagfallen werden dann in der Regel völlig unsachgemäß aufgestellt, was mit unendlichem Tierleid verbunden ist. Wenn keine einzige gemeldet ist, klingeln bei mir alle Alarmglocken.“ Für ihren Ruf nach einem Verbot hat Lödermann gute Argumente: Schlagfallen selektierten nicht, sondern treffen teilweise Hund und Katze, seien nicht immer tödlich, „und die Tiere leiden sehr“.

Auch die Weidmanns-Zunft geht auf Distanz: „Ich kenne niemanden im jagdlichen Umfeld, der noch Fallenjagd betreibt“, betont Dr. Thomas Bär, Vorsitzender der Kreisgruppe im Landesjagdverband. „Diese ist bei uns kein Thema.“ Sie habe sich auch wegen „exorbitant hoher Auflagen“ auf ein Nullmaß reduziert. „Man setzt sich unnötigem Stress aus, wenn etwas passiert. Kein vernünftig denkender Mensch will eine Katze oder einen Hund in solch einer Falle haben. Das ist aus Tierschutz-Sicht abzulehnen.“ Doch auch Bär schließt nicht aus, dass Laien Fallen illegal benutzen.

Bärs Standpunkt stützt Harry Schleuder, der sich bei der Murnauer Polizei um Tierschutz- und Jagdrecht-Fälle kümmert. „Ich kenne keinen Jäger, der auf Schlagfallen zurückgreift“, sagt Schleuder, der selbst dieser Zunft angehört und eine Fallenprüfung abgelegt hat. Für Fuchs oder Marder gebe es Lebendfallen, bei denen sich Klappen schließen, sobald ein Köder das Tier ins Innere gelockt hat. Für Schleuder bleibt offen, ob die Seehauser Katze wirklich in eine Schlagfalle geraten ist. Vielleicht, meint er, habe ein Mensch sie auf andere Weise verletzt.

Das Tier läuft nun auf drei Beinen durchs Leben und kommt zurecht. „Direkt nach der Operation ist es auf einen Stuhl gesprungen“, sagt Veterinärin Glibotic. „Die Katze ist zäh.“ Die alte ist sie indes nicht. Ihre Familie merkt dem Tier an, dass es Schlimmes erlebt haben muss. Und nach draußen geht die Katze auf ihren drei Pfoten kaum mehr.

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