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Das Rückhaltebecken wird die Entwässerung des Platzes enorm verbessern.

Streit um Murnauer Schützenplatz

Protestplakat „ein schlechter Scherz“

Murnau - Die Anlieger des Schützenplatzes sehen dem Umbau mit gemischten Gefühlen entgegen. Informationen über konkrete Kosten soll es bald geben

Das Transparent, mit dem Anlieger beim ersten Spatenstich gegen die geplante Neugestaltung des Schützenplatzes protestierten, hat nicht nur den Gemeinderat empört und zu einer einmütigen Verurteilung veranlasst. Auch Anwohner des zentrumsnahen Platzes distanzieren sich von dem Plakat, das die ÖDP in Verbindung mit den Rechtsparteien NPD und AfD bringt. „Die Formulierung ist ein schlechter Scherz“, sagt Ernst Krönner. Wie er betont auch Franz Walser, die Verfasser hätten die Aktion nicht mit ihm abgesprochen. „Ich vermute, das war eine Eigeninitiative.“

Statt des guten Miteinanders unter den Anwohnern herrscht nun eine ungute Stimmung. Mancher Anlieger will nur anonym zitiert werden. „Ich war entsetzt von dem Wortlaut“, sagt einer. Er finde es „falsch und unverantwortlich, die ÖDP in einen Topf mit diesen Gruppierungen zu werfen“.

Dieses Protestplakat erregt die Gemüter.

Das Plakat hing am Haus eines Hauptwidersachers der Maßnahme, die den historischen Platz aufwerten soll. Hausbesitzer Richard Schmitt, der den Text nach eigenen Angaben mit zwei weiteren Anliegern formulierte und von einem Strafrechtsprofessor absegnen ließ, identifiziert sich nach wie vor mit dem Inhalt. „Die auf dem Plakat bezeichneten Parteien sind demokratisch legitimiert und wählbar. Niemand ist beleidigt worden. Ein Vergleich war nicht gewollt und nicht erfolgt.“ Der Wortlaut sollte provozieren, sagt er gegenüber der Redaktion. Die Gemeinderäte sollen darüber nachdenken, warum Bürger zu einer solchen Form greifen. „Wenn nun das Gremium eine Entschuldigung fordert, zeigt das nur, dass man den Nagel auf den Kopf getroffen hat.“ Schmitt moniert, die Anlieger seien zwar über den Umbau informiert worden, „aber unsere Anregungen und Ideen flossen nicht in die Planung ein“. Murnau brauche einen Platz, wo Museumsbesucher ihr Auto abstellen oder Lkw-Fahrer wenden können. Deshalb hätte er kleinere Eingriffe wie eine Verkehrsinsel favorisiert. Schmerzhaft findet er die Reduzierung der Parkplätze. Und dass kein Anlieger bisher wisse, mit welchem Erschließungsbeitrag er rechnen muss. Wenigstens hätten sie erreicht, dass der Platz nun statt mit einem Kopfsteinpflaster mit hellen Betonsteinen belegt wird.

Auch Hans Oppenrieder ist nicht von den Plänen begeistert. „Der Platz wird zu architektonisch und zu modern.“ Er hätte es für besser gehalten, ihn mittig zu teilen, und mit zwei Straßen mehr Fluss in den Verkehr zu bringen. Von einer „Tangente, die viele Autofahrer als Schleichweg benutzen“, spricht auch Ernst Krönner: „Der starke Verkehr ist für die Anwohner schon eine starke Belastung.“ Dennoch beurteilt er das 350 000 Euro teure Vorhaben positiv: „Der Platz wird so gestaltet, wie er schon vor 60 Jahren war.“ Allerdings hätte er sich wie sein Nachbar Franz Walser eine ganzheitliche Planung gewünscht, mit integriertem Einsiedelweg. „Ein solches Ensemble hätte städtebaulich Hand und Fuß und würde eine Verkehrsberuhigung bringen.“ Anwohner Nikolaus Hoffart verunsichern die vielen Gerüchte. „Keiner weiß, wer mitzahlt und wie viel.“ Dies moniert auch Katharina Krause: „Wir haben zu den Kosten keine Info außer der Aussage, dass soundsoviel Prozent auf uns umgelegt werden.“ Ansonsten findet sie es „superschön, dass hier etwas passiert und der Platz durch das Pflaster entschleunigt wird“.

Warum sich die Verwaltung bis dato vor konkreten Zahlen hütet, erklärt Sonja Scharf, zuständig für die Abrechnung der Erschließungsbeiträge: „Wir wollen verlässliche Zahlen.“ Sie erwartet „demnächst“ die Kostenschätzung des Architekten und dann erfahren die sechs Anlieger umgehend, wieviel auf jeden zukommt. Bisher habe sie ihnen nur mitgeteilt, dass der Gemeinderat den städtebaulichen Mehraufwand übernimmt und dass sie zu den beitragspflichtigen Kosten von voraussichtlich 80 000 Euro mit 55 Prozent herangezogen werden. Zur Kasse würden die Betroffenen erst 2017 gebeten.

Es handele sich hier um die erstmalige Herstellung einer Straße, für die bisher noch keine Erschließungsbeiträge entrichtet wurden, erklärt Scharf. Dies bestätigt Fritz Egold als Leiter des Tiefbauamtes. Er bedauert, dass individuelle Wünsche der Anlieger „nicht zu 100 Prozent“ umgesetzt werden können. „Wir bauen für die Gesamtheit der Anlieger und für Gesamtmurnau. Und das Korsett ist aufgrund der technischen Regeln eng geschnürt.“

Eva Stöckerl

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