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Das Team der Murnauer Ausgabestelle der Tafel: (v. v. l.) Dagmar Deiner, Sabine Emsters und Edith Hohlmann, (h. v. l.) Josef Scheuerer, Franz Deiner, Norbert Joraschke, Florian Sebald, Irmgard Zink, Helmut Pumpf, Wolfgang Heberle, Herbert Lüthe, Franz Machate, Toni Bierling, Ulrike Schulte, Annette Kuhlmann, Lydia Klimanek, Annemarie Juraschke und Ingrid Blank. 

Soziale Einrichtung feiert Zehnjähriges

Hohe Hemmschwelle bei Senioren

Murnau – Genau vor zehn Jahren – nämlich im November 2006 – wurde als Abteilung der Garmisch-Partenkirchner Tafel deren Murnauer Ausgabestelle eröffnet. Eine Erfolgsgeschichte.

Armut ist schlimm, Hunger noch schlimmer. Auch in einem Land wie der Bundesrepublik Deutschland gibt es 2016 viele Menschen, die oft nicht wissen, wovon sie in den nächsten Tagen leben sollen. Genau vor zehn Jahren – nämlich im November 2006 – wurde als Abteilung der Garmisch-Partenkirchner Tafel deren Murnauer Ausgabestelle eröffnet. Das Projekt fußt auf einer Kooperation der Lebenslust-Partner, zu der die Diakonie, die Caritas, der BRK-Kreisverband und der Sozialdienst Katholischer Frauen im Kreisort zählen.

„Gegenwärtig kommen zu unseren Öffnungszeiten jeweils montags zwischen 13 Uhr und 14.30 Uhr 71 Stammkunden zu uns, die 25 Kinder haben, dazu 30 Asylbewerber mit 45 Kindern“, sagt Irmgard Zink, die zusammen mit Josef Scheuerer die Ausgabestelle nach außen vertritt. „Ein Großteil unserer Ware wird von der Garmisch-Partenkirchner Tafel geliefert, außerdem fahren zwei Helfer des Deutschen Ordens mit einem Lieferwagen, den der Orden stellt, vor der Ausgabe zum Sammeln von Lebensmitteln in Bäckereien, Supermärkten, Einzelhandelsgeschäften und Metzgereien vorbei.“ Ein Mangel an Ware bestehe keineswegs, so Zink.

    Dafür drückt sie an anderer Stelle der Schuh: „Ich glaube, an viele Bedürftige in Murnau kommen wir gar nicht heran. Es gibt vor Ort viele ältere Menschen, die nur eine kleine Rente beziehen, von der sie kaum leben können. Während es Hartz-IV-Empfängern der unteren bis mittleren Altersgruppe nichts ausmacht, bei uns vorbei zu schauen, trauen sich viele Ältere gar nicht her. Für sie gibt es eine große Hemmschwelle“, weiß die Leiterin. „Dabei geht es bei uns keineswegs griesgrämig zu – wir lachen viel, auch mit unseren Kunden.“

    Bei der Verteilung der Lebensmittel stehen ihr insgesamt 32 ehrenamtliche Helfer zur Seite. Eine von ihnen ist Lydia Klimanek, die von der ersten Stunde an bei der Tafel mitangepackt hat. „Ich mache die Erfahrung, dass die Leute, die herkommen, dankbar und zufrieden sind, was sie so alles von uns bekommen“, erzählt die 73-Jährige. „Die Lebensmittel reichen dann wieder eine gute Zeit, in der sie nicht einkaufen müssen“. Auch Florian Sebald (60) findet Erfüllung in seiner Tätigkeit in der Ausgabestelle: „Mir ist es immer gut gegangen, und ich möchte davon etwas zurückgeben“, sagt der Soldat im Ruhestand. „Es gibt viele ältere Leute, die nach dem Zweiten Weltkrieg unser Land wieder aufgebaut haben und von einer kleinen Rente leben müssen. Ihnen zu helfen, finde ich in Ordnung.“

    Bedauerlich nur, dass kein Vertreter der Marktgemeinde an diesem Tag den Weg in die Räume an der Dr. Friedrich-und-Ilse-Erhardt-Straße im Kemmelpark fand. „Ich hab’ davon nichts gewusst“, sagte dazu der Flüchtlingsreferent des Gemeinderates, Josef Gramer (CSU), gegenüber dem Tagblatt am Telefon. „Ich bin ansonsten jeden Montag dort, liege aber gerade mit einer Grippe im Bett.“ Nächste Woche werde er bei der Tafel zum Gratulieren hereinschauen, versprach der Lokalpolitiker.

    Die Tafel-Idee stammt aus den USA, wo 1963 das erste derartige Hilfsprojekt gegründet wurde. Die erste deutsche Tafel entstand 1993 in Berlin. Mittlerweile existieren über 400 solcher Einrichtungen im Bundesgebiet. Wer sich in der Murnauer Ausgabestelle Lebensmittel holen möchte, benötigt dafür eine Bescheinigung, die er beim Sozialamt oder beim Jobcenter im Kreisort erhält. Überdies wird bei jedem Besuch ein Beitrag von 1,50 Euro erhoben.

Heino Herpen

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