Bewährungsstrafen nach gefährlichen Körperverletzungen

Wildwest-Prügelei mitten in Murnau

Murnau – Für Richter Paul Georg Pfluger war die Sache klar: „Es geht einfach nicht an, dass man sich zu Straftaten verabredet und dann mitten im Ort wie im Wilden Westen aufeinander losschlägt.“ Er verhängte Bewährungsstrafen gegen zwei junge Murnauer – einen 26-Jährigen und seinen 20-jährigen Ex-Spezi –, die sich vermutlich wegen einer Frau in die Haare gekriegt hatten und einander mit einem Pflasterstein beziehungsweise einer Spielzeugwaffe leicht verletzt hatten.

Wer begonnen hatte, war bis zum Ende der fünfstündigen Strafverhandlung im Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen nicht exakt festzustellen. Eine 20-jährige Weilheimerin, die erst der eine, dann der andere von beiden zur Freundin hatte, war wohl Ursache dafür, dass sich die zwei Murnauer spätabends mitten im Ort zu einem „Gespräch“ trafen, um die Angelegenheit auszureden. Diese Zusammenkunft endete heftig: Erst soll der 26-Jährige dem Jüngeren einen nicht schussfähigen Spielzeugrevolver ins Gesicht geschlagen und im Gegenzug der 20-Jährige dem Älteren einen Pflasterstein auf den Kopf geknallt haben.

Da beide Werkzeuge benutzt hatten, lautete die Anklage auf gefährliche Körperverletzung. Amtsrichter Pfluger verurteilte den 26-jährigen mehrfach Vorbestraften, der erhebliche Drogenprobleme hatte, zu sechs Monaten Haft auf Bewährung samt 900 Euro Geldauflage (zu bezahlen an die Diakonie) und den 20-Jährigen, der unter offener Bewährung stand, zu einer neunmonatigen, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe, einem einwöchigen Warnschuss-Arrest und 120 Stunden Sozialarbeit.

Nach Angaben von Staatsanwalt Dr. Michael Meyer rief am 11. Dezember 2015 gegen 22.15 Uhr zunächst der Jüngere bei der bisherigen Freundin an und stellte fest, dass bei ihr gerade der 26-Jährige zu Gast war. Schnell gab es gegenseitige Beleidigungen, die Männer vereinbarten, sich am Murnauer Obermarkt zur Aussprache zu treffen, die mit der beiderseitigen Körperverletzung endete. Erst habe der angetrunkene und unter Methadon stehende Ältere mit der Spielzeugwaffe zugehauen, danach der Jüngere, der mit 1,28 Promille im Blut angetrunken war, zum Pflasterstein gegriffen. Für beide blieb es jedoch bei „nicht unerheblichen Schmerzen“.

Mehrere Zeugen warteten, was den Hergang und die Frage betrifft, wer denn überhaupt mit dem Schlagabtausch begonnen habe, mit gegensätzlichen Aussagen auf, auch wenn beide Angeklagten zugaben, jeweils auf den anderen eingeprügelt zu haben. Für Staatsamwalt Meyer war jedoch alles klar: Er gehe davon aus, dass der 20-Jährige zuerst geschlagen worden sei und dann zurückgehauen habe. Darum seien für den Älteren der Ex-Spezis 16 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung angebracht und für den Jüngeren eine zur Bewährung ausgesetzte zehnmonatige Jugendstrafe samt einer Woche Warnschuss-Arrest, so Meyer.

Die Verteidiger Florian Oppenrieder und Veronika Forster (Regensburg) plädierten jedoch, untermauert von den einander widersprechenden Angaben der Zeugen, für Freisprüche. Richter Pfluger ging indes von der Prämisse aus, dass sich mit Sicherheit jeder der beiden Angeklagten eine gefährliche Körperverletzung am jeweils anderen geleistet hatte.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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